Freitag, 27. April 2018

Ganz dumme Vögel seilen sich ab, wenn das Nest brennt

(c) vousvoyez
Dumme Vögel gibt es überall. Und dumme Leute auch. Genauso wie es überall intelligente Vögel und intelligente Leute gibt. Ich bin über die Intelligenz mancher Vögel immer wieder erstaunt. Mein Freund hat erzählt, dass sein Arbeitskollege einmal Steine nach ein paar Krähen geworfen hat. Daraufhin hat ihm eine der Krähen in der Mittagspause die brennende Zigarette direkt aus der Hand geklaut - und das war auch noch seine letzte. Erstaunlich daran ist schon mal - wie kann ein Vogel wissen, dass es einem Menschen so wichtig ist, so ein Kraut anzuzünden und in die Lunge zu ziehen? Anderes Beispiel - vor vielen Jahren wohnte ich einmal unter dem Dach. Den ganzen Tag hörte ich das nervtötende Gurren der Tauben - einmal flog eine sogar ins Klo, und ich hab sie mit dem Besen rausgejagt. Meine Mitbewohnerin, die das Balkonzimmer hatte, hat sich dann so einen Plastik-Raben angeschafft - der war nur nach wenigen Tagen voller Taubenscheiße. So dumm sind die also doch nicht.

Manche Menschen kommen mir im Vergleich zu Tieren sogar noch doofer vor. Ach ja, übrigens soll im August wieder mal die Welt untergehen. Wer sich darauf vorbereiten will, sollte meinen Artikel Ein Steinbock fliegt nicht herum lesen. Man sollte doch für alle Eventualitäten gewappnet sein, oder etwa nicht? Immerhin bereiten wir uns schon seit dem Mittelalter auf die Apokalypse vor. Mir fällt da eine Panorama-Doku aus den Siebzigern ein, die ich mal gesehen habe - da bereitet sich ein Familienvater auf den bevorstehenden Atomkrieg vor. Mit der damals gängigen Methode, sich erst mal mit Wasser abzuspritzen, ehe man in den Atombunker darf - damit der Atom ja nicht mitgeschleppt wird. Clever, gell? Übrigens wurde der Atom in dem James-Bond-Film Die Welt ist nie genug leuchtend blau dargestellt. Wenn alles nur so einfach wäre!

Und wenn man sich dagegen die Tiere ansieht: Junge Schimpansen trösten einen von ihnen, der von einer erwachsenen Schimpansin am Finger verletzt wurde. Eine Krähe organisiert sich ihr Futter mittels eines abgebrochenen Astes. Als ich einmal weinend im Park saß, setzte sich ein Hund neben mich und ließ mich nicht allein, bis ich mich beruhigt hatte. Als ich zum ersten Mal ritt und Angst hatte, blieb das Pferd immer wieder stehen, sobald die Angst zu groß wurde. Elefanten gehen noch nach Jahren zu dem Ort, wo einer der Ihren gestorben ist, und trauern um ihn. Ich wette, René Descartes hat das alles nie gesehen, als er die Behauptung aufstellte, dass Tiere Maschinen seien.

Ich weiß, man soll Tiere nicht vermenschlichen - und was bedeutet das? Der Mensch ist sicher nicht die Krone der Schöpfung. Das zeigt sich schon bei der Geburt - die Schmerzen sind keine Strafe Gottes, weil vor Jahrtausenden eine Nackerte einen Apfel gegessen hat, sie sind einfach die logische Konsequenz dessen, dass wir angefangen haben, aufrecht zu gehen. Und dann haben wir uns über den Rest der Welt erhoben und behauptet, wir allein hätten das Recht, über alles zu bestimmen. Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt - das weiß niemand. Ich weiß nur eines: Nämlich dass wir uns wichtiger nehmen, als wir eigentlich sind. Und dass wir durch unseren Hochmut verlernt haben, demütig zu sein gegenüber dem, was uns umgibt - nämlich gegenüber der Natur und unseren Mitgeschöpfen. Denn wenn es einen Gott gibt, sind wir alle seine Geschöpfe - egal ob Tier oder Mensch, egal aus welchem Teil der Welt und egal wie wir aussehen.

vousvoyez

Donnerstag, 12. April 2018

Jeder braucht im Leben seinen Monk-Moment

(c) vousvoyez
Ich gebe zu, originell zu sein ist nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn man jede Woche geistreich sein sollte. Dieser Satz kam aus einer Zeit, als ich im Verkauf arbeitete und die langen Stunden, in denen nichts los war, damit verbrachte, Taschen nach dem Prinzip des Farbsprektrums zu ordnen. Dabei dachte ich daran, wie sehr eine populäre Fernsehserie in unseren Sprachschatz eingegangen ist. Und ich machte mir Gedanken darüber, wie sehr das Fernsehen mehrere Generationen geprägt hat.

Ich weiß von den Leuten, die diese Zeit erlebt haben, und auch aus Büchern, Kabarett und dem Fernsehen selbst, was für eine Sensation das Fernsehen in den fünfziger Jahren (des letzten Jahrhunderts, wenn es unbedingt sein muss) gewesen ist. Wer einen Fernseher besaß, musste alle Nachbarn zu bestimmten Sendungen einladen. Fernsehen war früher eine kollektive Angelegenheit, und in mancher Hinsicht ist es das noch heute. Aber vieles ist verschwunden. Als ich ein Teenager war, sprach man in meiner Schule über die letzte Wetten, dass...?-Sendung, und ich hatte die auch gesehen. Als ich ein Kind war, hatten fast alle in Österreich nur zwei Programme. Die ersten Kabelanschlüsse und Satellitenschüsseln spalteten die Kindergesellschaft; die einen konnten mitreden, weil sie auch deutsche Programme empfingen, die anderen konnten nicht mitreden, weil sie nur den ORF kannten. Für mich war es ein Segen, wenn ich bei Freunden auch ein paar der anderen Sender sehen konnte. Dann konnte ich auch in der Schule ein bisschen mitreden.

Aber einige Erinnerungen teilen alle aus meiner Generation. Wir kannten alle (Kinder)Serien wie Biene Maja oder Wickie und die starken Männer, wir kannten auch Asterix und Lucky Luke, wir kannten die Schlümpfe, Pumuckl und die Simpsons, Alfred J. Kwak, die Peanuts und Pinky & The Brain. Manche Sendungen vermisse ich bis heute. Zum Glück kann man viele im Internet sehen, und manche werden ab und zu auch im Fernsehen gezeigt.

Vieles, was passiert ist, erfuhr man übers Fernsehen. Den Mord an John F. Kennedy habe ich nicht erlebt, ebenso wenig wie die erste Mondlandung oder die Attentate der RAF. Für den Fall der Berliner Mauer war ich zu jung - mit fünf Jahren bekommt man so etwas wohl nur mit, wenn man unmittelbar vor Ort ist. Aber ich erinnere mich, wie ein Freund aus dem Kindergarten mir zuvor gesagt hatte, in Deutschland seien die Russen. Ich verstand nicht was er meinte und nannte sie "Rüsseln". Und ich weiß auch, dass mein Vater immer sauer war, wenn wir spielten, dass wir gegen die Russen kämpften. Er wollte nicht, dass ich im Hass gegen andere Völker aufwuchs. Bin ich eigentlich auch gar nicht. Für mich war es ein Spiel - mehr nicht.

Das erste Ereignis, an das ich mich erinnere, wo auch jeder sagen kann, was er damals gemacht hat, war der 11. September 2001. Ich war 17 Jahre alt, und es war der letzte Tag der Sommerferien - danach fing mein letztes Schuljahr an. Meine Eltern kamen vom Einkaufen nach Hause, und während ich ihnen half, die Sachen einzuräumen, erzählte mein Vater, dass ein Flugzeug in das World Trade Center geflogen war. Ich verstand erst nicht, was er meinte - hatte Roland Emmerich sich einen Scherz erlaubt, um einen neuen Film anzupreisen? Die nachfolgenden Stunden sind für mich bis heute unbegreiflich - nichts war mehr so, wie es zuvor gewesen war. Ich verstand auf einmal, dass wir angreifbar waren - auch wenn wir bisher geglaubt hatten, Krieg und Terror seien ganz weit weg. Am nächsten Tag sah ich die Schlagzeile groß in der Zeitung: "Die Welt in Angst". In der Schule sprachen wir kaum über etwas anderes.

Heute werden Nachrichten neben dem Fernsehen auch über das Internet verbreitet. Wir fühlen uns nicht mehr sicher, weil wir glauben, dass wir angreifbarer sind als früher. Die Wahrheit ist - wir waren immer angreifbar. Unser Friede ist kostbar, und er ist ins Strudeln geraten. Die Generation nach uns hat keinen Begriff mehr davon, was einst in Europa passiert ist - hoffen wir, dass sie es nie erfahren werden.

Let's hope for peace!

vousvoyez

Samstag, 31. März 2018

Wer andern eine Grube gräbt, ist selbst ein Schwein

(c) vousvoyez
Und wer anderen nichts gönnt, sollte sich nicht wundern, wenn das irgendwann einmal auf ihn selbst zurückfällt. Braunes Gewäsch war in seligen Zeiten einmal ein Skandal. Heute ist das normal, und wir merken es nicht einmal. Wir finden es sogar richtig. Entweder man brüllt "Ausländer raus" oder man akzeptiert die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen, nur weil sie ihren Ursprung in einer anderen Kultur haben. Wer dazwischen steht, hat es heutzutage schwer. Und eigentlich ist der Titel dieses Artikels eine Beleidigung - für alle Schweine dieser Welt, die nichts dafür können, dass sie mit Menschen in Verbindung gebracht werden, die als solche bezeichnet werden. Wenn ich es mir recht überlege - kein Schwein hat mir jemals etwas getan. Aber ich habe schon vielen Schweinen was getan - ich habe sie verspeist und mich in ihre Haut gekleidet. Also ist wohl jedes Schwein besser als ich.

Übrigens, interessant ist: Laut Statistik hat dieser Blog mehr Leser aus den USA und Peru als aus Deutschland. Woher das wohl kommt? Gibt es in den USA eine Underground-Community, die mich als neue Göttin ansieht, die dabei helfen soll, das Trump-Regime zu stürzen? Da gibt es ja viel, worüber man diskutieren kann. Was mich in letzter Zeit wieder erschüttert hat, ist dieses legere Waffengesetz. Der Anschlag auf die Columbine High School passierte in meiner Jugend - aber bis heute hat sich an diesem Gesetz nichts geändert. Warum nur? Ganz einfach - weil vielen das Geld offenbar wichtiger ist als das Leben der eigenen Kinder. Und anstatt nicht jedem psychisch labilen Kind ein Maschinengewehr in die Hand zu drücken, denkt man darüber nach, die Lehrer zu bewaffnen. Mhm, sehr effektiv - mit noch mehr Waffen kann man auch bestimmt ruhiger schlafen. Sicher, in anderen Ländern sind die Waffengesetze ähnlich leger, und trotzdem passiert weit weniger - Tatsache ist aber, in den USA ist das nicht so! Und wenn ein Gesetz in der Form nicht funktioniert, gehört es eben verschärft, punktum. Warum muss man darüber diskutieren?

Warum mich das so aufregt, obwohl ich keine Amerikanerin bin oder wohl sein werde? Ganz einfach - weil mir Schusswaffen schon lange suspekt sind. Weil es nicht leicht ist, so viel Leid zu ertragen, das durch so unnötige Gesetze geschaffen wird. Und weil viele die USA als Vorbild sehen - was dort in ist, kommt in Europa über kurz oder lang auch irgendwann in Mode.
Was mich betrifft, ich war nie wirklich Amerika-Fan. Obwohl ich einen Besuch von Städten wie New York, New Orleans oder San Francisco nicht abgeneigt wäre. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und eines ist sicher - ich werde dort ohnehin keine Kinder großziehen.

Ich hoffe, liebe Amerikaner, ihr fühlt euch jetzt nicht angegriffen. Ich habe es in einem anderen Artikel schon einmal geschrieben - Idioten gibt es überall, und nette Leute ebenso. Wie unsere aktuelle Regierung zeigt, wimmelt es auch in meinem eigenen Land von Idioten. Aber ich versuche, es nach denen zu bewerten, die nicht dazu zählen, und so halte ich es auch mit den anderen Ländern, einschließlich USA.

vousvoyez

Dienstag, 13. März 2018

Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute, ich hab den Tennisball wieder gefunden; die schlechte, ich blutte!

(c) vousvoyez
Nein, das ist kein Schreibfehler, dieser Satz lautet genau so. Er stammt von einem Jungen, der fünf Jahre jünger ist als ich. Als ich ihn kennen lernte, waren wir noch Kinder. Mittlerweile ist er mir über den Kopf gewachsen. So wie die meisten Jungs, die ich schon von Kindesbeinen an kannte. Man spielt miteinander in der Sandkiste, man schaukelt bis zur völligen Erschöpfung, man pubertiert und hat sich nichts mehr zu sagen, man verliebt sich mehrere Male und immer ist es die große Liebe, und irgendwann ist man dann erwachsen und fragt sich, wo die Zeit hin ist. Das glatzköpfige Baby, das mich das erste Mal zur Tante machte, ist mittlerweile bald siebzehn. Viele aus meiner alten Klasse haben schon selbst Kinder. Und der Sohn meines Partners ist gerade volljährig geworden.

Ich erinnere mich gern an meine Kindheit. Auch wenn ich nicht finde, dass früher alles besser war. Die heutige Nostalgiewelle vergleiche ich gern mit der des frühen 20. Jahrhunderts, als man sich die Monarchie zurückwünschte. Verständlich, dass die Jugend in den fünfziger und sechziger Jahren nach neuen Wegen suchte - sie hatte ja nichts, woran sie sich orientieren konnte, außer der Heimatfilm-Nostalgie der Erwachsenen. Das wird irgendwann auch fad. Heute hingegen ist das Leben viel unsicherer, wir haben den Optimismus der damaligen Zeit nicht mehr. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum sich viele dorthin zurückwünschen. Aus der Ferne gesehen ist alles schön. Vieles vergisst man wohl auch mit der Zeit.

Auch ich erwische mich beizeiten dabei, wie ich einer Zeit nachtrauere, die inzwischen vorbei ist. Und dabei vieles außer Acht lasse, was damals nicht so schön war. Wenn ich darüber nachdenke, war meine beste Zeit wohl die zwischen 17 und 21. Und selbst damals war nicht alles eitel Wonne.
Aber ich bin froh, dass ich eine schöne Kindheit hatte, und dass ich so viele alte Lieder kennen gelernt habe, die sich alle großartig umtexten lassen. Hier eine Auswahl (mit Variationen):

Schlaf, Kindlein, schlaf,
dein Vater ist ein Schaf,
die Mutter ist ein Trampeltier,
was kannst du armes Kind dafür?
Schlaf, Kindlein, schlaf.

Alle meine Entchen
schwimmen im Klosett,
wenn man dann die Spülung drückt,
sind sie alle weg.

Alle meine Entchen
schwimmen im Spinat,
rutschen übers Spiegelei,
landen im Salat.

Leise rieselt die Vier
auf das Zeugnispapier,
hört nur wie lieblich es schallt
wenn Vaters Ohrfeige knallt.

Leise rieselt der Schnee,
Albert sitzt am WC,
hört nur wie lieblich er flucht
weil er das Klopapier sucht.

O Gaslatern, o Gaslatern,
wie haben dich die Hunde gern.
Sie heben hoch das rechte Bein
und flößen dir Petrolum ein.
O Gaslatern, o Gaslatern,
wie haben dich die Hunde gern.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
mir geht beim Oasch die Haut net zamm.
Ich schieb sie hin, ich schieb sie her,
die Haut beim Oasch, sie wird nicht mehr.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
mir geht beim Oasch die Haut net zamm.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
der Opa sitzt im Kofferraum.
Die Oma klescht den Deckel zu,
der Opa schreit: "Du blöde Kuh!"
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
der Opa sitzt im Kofferraum.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
die Oma hängt am Gartenzaun.
Der Opa ruft die Feuerwehr,
die Oma schreit: "Ich kann nicht mehr!"
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
die Oma hängt am Gartenzaun.

Happy Birthday to you,
Marmelade im Schuh,
Coca-Cola im Pullover,
Zucchini im Bikini.

Happy Birthday to you,
Marmelade im Schuh,
Aprikosen in der Hosen
und ein Arschtritt dazu.

Hoch soll er leben,
an der Decke kleben,
runterfallen, Popschi knallen,
ja, so ist das Leben!

Frère Jacques, halt die Klappe,
dormez-vous, blöde Kuh,
sonnez les matines, alte Waschmaschine,
ding dang dong, Luftballon.

Hänschen klein ging allein
in den Wiener Sportverein,
schießt ein Tor übers Ohr
bis der Tormann nackert war.

Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling.
Macht mir auf das Fenster, draußen sind Gespenster,
drinnen sind Soldaten, schießen mit Tomaten!
Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling.

Von den blauen Bergen kommen wir,
und der Lehrer ist genauso blöd wie wir!
Mit der Brille auf der Nase sieht er aus wie ein Osterhase,
von den blauen Bergen kommen wir!

Und falls mich jetzt jemand für kindisch hält: Nur zu! Auch unser inneres Kind braucht ab und zu mal Zeit. Also verliert bloß euren Humor nicht!

vousvoyez

Sonntag, 21. Januar 2018

Du bist heißer als jedes Bügeleisen

Der Kollege, der diesen Spruch geprägt hat, ist Experte für dubiose Komplimente. Jenes Kompliment galt allerdings nicht mir, sondern einer Kollegin, die alt genug war, seine Mutter zu sein.

Kreative Komplimente können manchmal schon ganz schön nach hinten losgehen. Werden oftmals aber auch honoriert. Als ich vor über zehn Jahren mal Urlaub in Gambia machte, sagte mir einer: "When I saw you I was thinking an angel was passing by." Ich hätte mich gefreut, hätte ich nicht gewusst, dass die meisten dieser jungen Männer bestrebt sind, ihre Heimat zu verlassen, um in Europa ihr Glück zu versuchen.

Was mich zu einem Thema bringt, das mir schon seit geraumer Zeit auf der Seele liegt, nämlich den positiven Rassismus. Das begann damit, dass ich die Autobiographie des bayerisch-nigerianischen Kabarettisten Simon Pearce gelesen habe. Eine erfrischende Alternative zu all den ernsthaften Intellektuellen, die sich schon auf den Schlips getreten fühlen, wenn man "negativ" sagt. Die waren nämlich schuld daran, dass mich der Begriff "positiver Rassismus" früher so auf die Palme gebracht hat. Man darf nichts Negatives über Schwarze sagen, aber auch nichts Positives, so nach dem Motto: "Die haben den Rhythmus im Blut." Doch nach jahrelanger Erfahrung, zehn Jahren an der Seite eines Steirers aus dem Kongo und der Lektüre von Pearce und Ayaan Hirsi Ali denke ich über die Sache doch ein wenig anders.

Als Nachfahrin der Hippie-Generation bin ich ja quasi mit positivem Rassismus aufgewachsen. Schwarze können besser singen, besser tanzen und besser Basketball spielen. Und wenn mal ein Schwarzer auf einem anderen Gebiet glänzt, als Arzt oder Schriftsteller oder von mir aus bildender Künstler, sind wir gleich ganz begeistert, weil wir das nicht so kennen. Und wenn wir mal einem begegnet sind, wird sofort die Klischeekiste ausgepackt. Und die hat es in sich. Ich möchte anmerken: Mein Partner ist in der Tat ein außergewöhnlicher Sportler, hat aber kein überragendes musikalisches Talent und tanzt wie ein betrunkener Clown. Wagt es aber dennoch, mein gewiss nicht sehr ausgeprägtes tänzerisches Talent zu kritisieren. Das aber nur nebenbei.

In meinen späten Jugendjahren kam ich dann mit weißen Dreadlock-Trägern in Berührung, die kifften und ihre Wochenenden auf Reggae-Ragga-Partys verbrachten. Ich war jahrelang auf diesen Partys, auf denen sich weiße Mädels mit grün-gelb-roten Strickpullovern afrikanischen Männern an den Hals warfen. Der Grund, warum ich irgendwann aufhörte, diese Clubbings zu besuchen, war, dass einer der DJs die Missionierung zum Rastafarismus wohl etwas zu ernst zu nehmen schien; da kamen beispielsweise ein paar Takte eines voll guten Songs von Bob Marley oder Lucky Dube, dann drückte er auf Stop und röhrte ins Mikrofon so Sachen wie "Yeah, Jah Rastafari, burn Babylon, one love, one heart, Haile Selassie I", um dann wieder das Lied von vorn abzuspielen, an der gleichen Stelle zu stoppen und wieder ins Mikrofon zu rülpsen: "Yeah, bumbo claad, blood a gonna run, one love, one heart, one destiny, one unity...", um dann mit einem weiteren Lied denselben Käse abzuspulen. Das war mir dann doch irgendwann zu viel.

Mittlerweile rollen sich mir die Zehennägel schon auf, wenn ich so Sachen höre wie: "Ach, bist du schon so lange mit deinem Freund zusammen? Das ist ja super, solche Beziehungen halten ja normalerweise nicht so lange." Was sind "solche Beziehungen"? Abgesehen von den unterschiedlichen Hautfarben ist unsere Beziehung, wie ich denke, nicht so viel anders als die anderer Menschen. Wir streiten, wir versöhnen uns, wir teilen Interessen, und ab und zu sind wir uns auch uneinig. Ich teile zum Beispiel seine Fußball-Leidenschaft nicht. Aber ich glaube, in jeder Partnerschaft braucht man etwas Eigenes. Die zweite Bemerkung, die mich auf die Palme bringt: "Mei, warum habt's ihr denn kein Kind, das wäre sicher voll süß!" Fazit: Ein weißes Baby wäre voll 08/15, ein schwarzes Baby (um das N-Wort auszusparen) "voll süß". Im Grunde genommen denken wir es ja immer noch, auch wenn wir schamhaft vermeiden, es auszusprechen. Und das dritte: "Wow, der spricht ja sogar unseren Dialekt, voll witzig!" Hier wächst inzwischen eine Generation heran, die in ihrer Abstammung weitaus heterogener ist als wir. Sollten wir nicht langsam damit aufhören, erstaunt zu sein, wenn sie auch unsere Sprache, mit der sie immerhin aufgewachsen sind, perfekt beherrschen?

Mein Wunsch: Wir sollten uns vermischen, und zwar vollständig. Jede Hautfarbe soll an jeder Uni, in jeder Toilette, auf jeder Ausstellung, in jeder Arztpraxis, in jedem Kindergarten und in jeder Schule vertreten sein. Weil dann stellen sich gewisse Fragen nicht mehr. Niemand würde mehr auf Grund von Äußerlichkeiten bevorzugt oder benachteiligt werden. Man würde lernen, normal miteinander umzugehen. Ohne einen Österreicher mit exotischerem Aussehen fragen zu müssen: "Wo kommst du denn her, sprichst du deutsch?" oder ihn prinzipiell auf Englisch anzusprechen oder so Sachen zu sagen wie: "Woher du kommen? Du Afrika?" Das würde bedeuten, dass wir unsere Vorurteile tatsächlich überwunden haben.

One love, one heart, one destiny, one unity!

vousvoyez

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Kräht der Hahn am Mist, ändert sich's Wetter, oder es bleibt wie's ist!

Ja ja, das Wetter ist ein prima Thema, um ein Gespräch anzufangen. Mal ist es zu warm, mal ist es zu kalt, mal regnet es zu viel, mal zu wenig, mal wartet man auf den Schnee, mal geht er einem auf die Nerven. Was mich betrifft, ich bin kein großer Fan dieses beliebten Small-Talk-Themas. Viel lieber rede ich über Filme. Auch über Horrorfilme. Wobei ich subtile Thriller und unvergessliche Klassiker den plakativen Splatter-Filmen vorziehe. Der beste Horrorfilm aller Zeiten ist für mich nach wie vor Nosferatu - Symphonie des Grauens. Fast hundert Jahre alt, funktioniert der Film bis heute, und das ohne Ton und in Schwarz-Weiß. Was mich zu meinem heutigen Thema bringt. Ich habe diesen Artikel etwas umgeschrieben, da die erste Version ziemlich unausgegoren war. Im Wesentlichen geht es aber um dasselbe - um Logikfehler in Horrorfilmen. Inspiriert zu dieser Idee hat mich übrigens ein alter Artikel von Umberto Eco, bei dem es um Logikfehler in Westernfilmen ging. Und eine Diskussion in einer Horrorfilm-Gruppe bei Facebook, die ich mit Freunden fortgeführt habe. Das Ergebnis liegt in folgendem Artikel vor.

Was man von Horrorfilmen lernen kann

1. Prinzipiell gilt:
  • Komische Leute sind gefährlich
  • Kinder sind gefährlich
  • Videokassetten sind gefährlich
  • Autoreifen sind gefährlich
  • Hühner sind gefährlich
  • Das Internet ist gefährlich
  • Hölzerne Spielbretter sind gefährlich
  • Puppen sind gefährlich
  • SMS sind gefährlich
  • Anrufe sind gefährlich
  • schwarzhaarige Mädchen sind gefährlich
  • Masken, Pakete, Wälder, Autos, Erbsen...
... also gib dich niemals der Illusion hin "Mir kann ja gar nichts passieren" ...

2. Wenn dir jemand sagt: "Gehe niemals an diesen und jenen Ort", geh sofort hin! Besonders ratsam ist es, in verlassenen Häusern oder dunklen Wäldern herumzuirren. Am besten alleine - ansonsten könnte dich ja jemand retten. Wenn man zu zweit oder in Gruppen unterwegs ist, tendieren die anderen aber sowieso oft dazu, schwerhörig zu sein ("Habt ihr was gehört?" - "Nein, was denn?"). Wichtig ist es auch, mindestens einmal wegen einer Katze, einem Vogel oder irgend einem anderen harmlosen Kleintier zu erschrecken.

3. Autos starten immer erst nach mehreren Versuchen, und Telefonleitungen sind grundsätzlich tot - auch wenn man noch so viel drauf herumhämmert. Wenn ihr schon im Handy-Zeitalter angekommen seid, ist grundsätzlich kein Empfang oder der Akku ist leer.

4. Nimm immer irgendeine kleine Funzel mit, eine Mini-Taschenlampe oder eine Kerze. ACHTUNG: Kerze immer genau vors Gesicht halten, ansonsten siehst du zu viel! Solltest du dich in einem Haus befinden, ja nicht das Licht anmachen - eine Kerze oder Taschenlampe macht viel mehr Stimmung! Außerdem fallen die sowieso immer aus der Hand - und sind dann auch meist kaputt.

5. Wenn man
  • eine sexy Blondine
  • ein gut aussehender, aber hirnloser Athlet oder
  • Angehöriger einer ethnischen Minderheit ist,
stirbt man immer zuerst.

6. Wer Sex hast, stirbt meist zuerst! Außerdem wird man als Frau häufig angegriffen, wenn man kaum etwas anhat

7. Eine großartige Idee ist es auch, in ein Haus zu ziehen, in dem schon mehrere Leute auf mysteriöse Art verstorben sind. Im übrigen flieht man auch grundsätzlich nie aus dem Haus, sondern immer in die oberen Stockwerke oder in den Keller! Am besten in den Keller, denn dort gibt es grundsätzlich kaum oder kein Licht. Wenn dort übrigens seltsame Geräusche, kein Licht oder rotes Licht, plötzlich Wasser oder auf einmal Nebel ist, muss man sofort nachschauen! Sonst steht einem ein langweiliger Abend bevor. Wenn ihr euch verstecken wollt, dann am besten in Schränken. Das ist so originell, da sieht garantiert nie jemand nach. Eine super Idee ist es auch, eine Türklinke mit einem Stuhl zu blockieren - das hält selbst tonnenschwere Monster eine Zeitlang auf.

8. Wenn ihr draußen in der Natur seid - Flüsse enden immer in einem Wasserfall und Höhlen stürzen grundsätzlich ein, wenn man sie verlassen will!

9. Intelligent ist es, ganz laut Sachen wie "Hallo?" und "Ist da jemand?" zu rufen. Sollte man jemanden verfolgen, ist es besonders wichtig, "Bleib stehen!" zu schreien. Das gilt übrigens auch für Cartoons.

10. Wenn ihr seht, dass aus einem Badezimmer Wasser, Blut, Nebel etc. hervorsickert, müsst ihr die Tür sofort aufmachen! Blutspuren sollten immer mit Interesse verfolgt, Schleimspuren immer angefasst und zwischen den Fingern zerrieben werden.

11. Wenn ihr wegrennt, ist es ratsam
  • erst einmal stehen zu bleiben und ein erschrockenes Gesicht zu machen,
  • immer wieder stehen zu bleiben und euch umzudrehen, um zu sehen, ob der Killer auch nachkommt
  • alle paar Meter hinzufallen
  • vorher noch die Katze zu retten
12. Wenn ihr zu Fuß vor einem Auto davonlauft, müsst ihr immer schön mitten auf der Straße rennen und dürft nicht in unwegsames Gelände ausweichen!

13. Gruppen müssen sich grundsätzlich immer trennen; Monster in Gruppen greifen nie gleichzeitig an, sondern immer einer nach dem anderen, sonst sind alle verwirrt.

14. Monster bleiben immer gerne unter extrem schweren Gegenständen stehen, die nur mit einem Seil an der Decke befestigt sind.

15. Wenn ihr den Killer überwältigt, solltet ihr die Waffe immer neben ihm liegen lassen! Grundsätzlich sterben die nie beim ersten Anlauf, und so ist es eine gute Idee, ihm gleich eine Waffe frei Haus zu liefern!

16. Bevor der Killer zur Tat schreitet, erklärt er seinem Opfer gerne lang und breit, was er vorhat und warum.

17. Und schließlich und endlich: Wenn eine Frau umgebracht wird, muss sie immer so laut wie möglich schreien. Das hilft in dieser Situation ungemein.

So, ich hoffe, ihr habt was gelernt. Und um das Maß noch voll zu machen, will ich mit einem Zitat aus Joseph Conrads Herz der Finsternis schließen: "The Horror, the Horror!"

vousvoyez

Sonntag, 10. Dezember 2017

Die Soldaten entblößten sich mit ihren Schwertern

(c) vousvoyez
Das war wohl einer der besten Übersetzungsfehler, passiert bei einer Lateinschularbeit in meiner damaligen Klasse. Der eigentliche Satz hätte lauten sollen: "Die Soldaten zogen ihre Schwerter." Wörtlich "Die Soldaten entblößten ihre Schwerter". Also so weit hergeholt ist das gar nicht. Wobei böse Zungen auch behaupten könnten, dass Freud dabei wohl auch eine Rolle spielt; denn welche Gedanken treiben ein sechzehnjähriges Mädchen wohl um?

Wobei das ja von den Jungs ja oft noch getoppt wird. Und heute sind Mädchen sowieso generell früher dran. Natürlich gab es schon zu jeder Zeit frühreife Dreizehnjährige, die eine längere Liste an Verflossenen hatten als manch andere in ihrem ganzen Leben. Aber in letzter Zeit kommt es mir so vor, als hätte es sich gehäuft. Damals, als ich sechzehn war, hatte ein ein Jahr jüngerer Freund von mir seinen ersten Sex mit einer Dreizehnjährigen, die aussah wie mindestens siebzehn und am Strand gern ihre Brüste entblößte. Ein gefundenes Fressen für alle anderen Mütter - ihre eigene war bei jenem Urlaub gar nicht dabei -, die ihr Befremden über das jugendliche Busenwunder nur allzu lautstark kundtaten. Der einzige Kommentar meiner eigenen Mutter, die älter war als die meisten anderen, war, dass sie doch einen schönen Busen hätte. Und das stimmte auch - körperlich war sie nahezu absurd ausgereift. Es gab auch eine Menge Zickenkrieg zwischen ihr, mir und meinen Freundinnen. Heute verstehe ich mich ausgezeichnet mit ihr - irgendwann wird man halt doch erwachsen.

Obgleich ich es ehrlich gesagt befremdlich finde, dass Mädchen sich in einem Alter, in dem manche meines Jahrgangs noch mit Puppen gespielt haben, schon wie Erwachsene zu verhalten versuchen. Kindheit gibt es nur einmal - wenn sie vorbei ist, ist sie vorbei und kommt nie wieder. Und die gleichen Leute, die ihre achtjährigen Töchter in Miniröcken und ausgeschnittenen Oberteilen herumlaufen lassen, kriegen fast einen Anfall, wenn es darum geht, eine Dreijährige mit unbedeckter Brust im Schwimmbad herumlaufen zu lassen - aus Angst vor Pädophilen. Der erste Trend kommt von den Hollywood-Stars, den zweiten gab es vor zwanzig Jahren auch nur in den USA, als ein zehnjähriger Junge wegen sexueller Belästigung vor Gericht stand, obwohl er seiner Schwester nur beim Pipimachen geholfen hat.

Ich weiß, dass ich als Kinderlose nicht das Recht habe, Müttern vorzuschreiben, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben. Und ich weiß, dass man als Elternteil auch mit der Zeit gehen muss - aber man kann es auch übertreiben. Übertrieben ist für mich, wenn Sechsjährige in der Straßenbahn mit dem Smartphone spielen. Wenn Zehnjährige sich anziehen wie Pubertierende. Wenn Kinder ständig bespaßt werden müssen, weil sie sich nur ja nicht langweilen dürfen - und als Erwachsene können sie dann nicht mit Frustration umgehen. Wenn man seine Kinder möglichst in lückenlose Terminpläne zwängt - und dann die Beziehung darunter leidet. Wenn man Kinder nicht Kinder sein lässt, wie sie es eigentlich verdienen.

Erinnert euch doch an eure eigene Kindheit!

vousvoyez

Freitag, 1. Dezember 2017

Mein Großvater hatte zwei Gebisse: Eins für zu Hause und eins fürs Finanzamt

(c) vousvoyez
Zugegeben, er war nicht wirklich mein Großvater, sondern der zweite Ehemann meiner Großmutter mütterlicherseits. Mein leiblicher Großvater starb bereits im Alter von 26 Jahren im Zweiten Weltkrieg. Der Stiefvater meiner Mutter bekam zwei Pensionen; jedes Jahr ging er in seinem schäbigsten Anzug, mit einem löchrigen Hut und einem lockeren Gebiss zum Finanzamt, um zu beweisen, dass er auf die beiden Pensionen angewiesen war.

Da die Menschen immer älter werden, sind Zähne mitunter ein ernsthaftes Problem. Daran ist unter anderem aber auch schlechte Ernährung schuld. Was mich zum eigentlichen Thema bringt.

Wir leben ja in einer Zeit, in der Essen nicht allein der Ernährung dient, sondern zu einem Lifestyle geworden ist. Jeder kocht, und jeder ist Anhänger einer bestimmten Ernährungsweise, und jeder Zweite fotografiert sein Essen, um es in den Social Medias zu posten. Ich muss zugeben, ich habe noch nie meine Mahlzeiten auf Facebook gepostet. Vielleicht auch, weil mir bei weitem zu viel anderer Blödsinn einfällt. Und weil jeder Simpsons-Fan weiß, dass man mit Salat keine Freunde findet. Aber letztens feierten wir mit meiner Mutter deren Geburtstag in einem heimischen Restaurant, und ich beobachtete, wie am Nachbartisch zwei junge Herren, bevor sie das Essen auch nur anrührten, ihre vollen Teller eine Ewigkeit mit Spiegelreflex-Kameras fotografierten. Ich denke, als Food-Blogger läuft man Gefahr, zu verhungern, bevor man das richtige Foto gemacht hat.

Aber das Leben ist eben einfach nicht fair. So habe ich beispielsweise einen Arbeitskollegen, der zur Mittagsjause vier mit fettigen Aufstrichen belegte Weckerln verdrücken kann, dabei aber spindeldürr bleibt, während ich manchmal das Gefühl habe, dass ich ein Salatblatt nur anschauen muss, und schon nehme ich einen halben Kilo zu. Die Sache ist nur die: Wenn jemand dick ist, traut sich niemand, etwas über sein Gewicht zu sagen. Wenn jemand dünn ist, glauben alle, sie müssen ihren Senf dazugeben. Der beste Ratschlag ist ja, mehr zu essen. Aber helfen tut das niemandem. Wer trotz hoher Kalorienzufuhr nicht zunimmt, kann sowieso nichts machen. Und Magersüchtige können nicht einfach wieder zu essen anfangen, weil der Körper sich an das Hungern gewöhnt hat - und weil die Krankheit ja suggeriert, dass man zu dick ist, obwohl man nur noch ein Strich in der Landschaft ist. Und überdies finde ich auch, niemanden geht es etwas an, ob der andere zu dick oder zu dünn ist.

Andererseits weigere ich mich aber auch, auf der Trendwelle der Ernährungsreligion mitzuschwimmen. Zugegeben, ich versuche, wenig Fleisch und viel Gemüse zu essen. Aber das Wort "Flexitarier" klingt für mich eher wie irgendeine religiöse Sekte - so wie Frutarier. Ernährung als Lifestyle treibt die kuriosesten Blüten. So gibt es Menschen, die ihre Hunde und Katzen vegan ernähren und auch noch behaupten, das sei völlig natürlich. Und das, obwohl ich noch nie eine Wildkatze Blätter oder Früchte fressen gesehen habe - sie fressen nur Gras, um die Verdauung anzuregen und das, was sie nicht verdauen können, wie Haare oder Knochen, wieder herauszuwürgen. Wie ein erwachsener Mensch sich ernährt, ist seine Sache. Aber Fleisch fressende Tiere vegan zu ernähren, ist für mich Tierquälerei. Wer nicht damit fertig wird, dass ein Hund oder eine Katze Fleisch frisst, soll sich so ein Tier nicht anschaffen. Sich Tierfreund zu nennen und so etwas zu tun, ist nichts als Doppelmoral.

So, das war's dann wieder. Ich hoffe, dass ich bald wieder richtig in Stimmung bin, um eine weitere Bombe an Weisheit platzen lassen zu können.

vousvoyez

Sonntag, 19. November 2017

Waschen tun sich nur dreckige Leute

(c) vousvoyez
Dieser Satz stammt von meinem Vater und war eine Antwort auf die Bitte meiner Mutter, sich doch endlich duschen zu gehen. Neben einem Ausdruck von Faulheit war dies auch noch eine harsche Kritik an einem Übermaß an Hygiene. Wenn wir zu Zeiten der Pest mehr Hygiene betrieben hätten, dann hätte es die Pest nicht gegeben. Aber dem heutigen Übermaß an Hygiene verdanken wir unsere ganzen Allergien und Intoleranzen. Ich bin da schon beinahe nicht auf der Höhe der Zeit, denn ich habe weder das eine noch das andere - und das, obwohl ich jeden Tag dusche. Muss ich allerdings auch, denn bei meiner derzeitigen Tätigkeit bleibt man nicht sauber.

Ständig werden neue Waschmittel, Pflegeprodukte, Putzmittel angeboten. Da sie nicht mehr können, als sauber zu machen, muss man ihnen noch hunderttausend Eigenschaften andichten, damit sie sich doch noch von anderen Produkten unterscheiden. Schon in meiner Kindheit rühmten sich Waschmittel damit, "nicht nur sauber" zu waschen - was zum Teufel sollen sie denn tun, außer die Wäsche sauber zu machen, kruzifix? Und weil Pulver und Flüssigwaschmittel zu langweilig sind, werden dann auch noch irgendwelche Tabs oder Megapearls erfunden, um den Leuten weiszumachen, dass sie noch sauberer als sauber waschen - hey, das gibt es doch überhaupt nicht, ihr Vollpfosten!

Überhaupt hat die Werbung manchmal einen Hauch von Surrealismus. Eine Supermarktkette wirbt beispielsweise mit dem Attribut "Freunde". Ich soll also Leute, die ich nie gesehen habe, als meine Freunde anerkennen? Noch besser - die Konzerne wollen uns weismachen, unsere Familie zu sein. Um Mitglied zu werden, braucht man nur eine Plastikkarte oder ein Stück gefaltetes Papier, in das Rabattmarken eingeklebt werden. Da kommen dann noch so Sätze wie "Sammeln Sie Treuepunkte?" Nein, ich sammle keine Treuepunkte! Wieso auch? Das wäre eine Lüge, und das wissen sowohl der Kassier als auch ich - denn ich bin kein treuer Supermarktkunde. Wenn ich in einem Geschäft ein bestimmtes Produkt nicht finde, gehe ich in eines mit einem anderen Namen. Dafür bekomme ich für meine Nicht-Treue dann irgendwelches Geschirr oder ein hässliches Stofftier mit viel zu großem Kopf. So als ob ich mir nichts sehnlicher wünschen würde! Und dann soll man auch noch bei irgendwelchen Gewinnspielen mitmachen - bei denen in Wirklichkeit nicht der Mitspieler gewinnt, sondern diejenigen, die dir das Gewinnspiel andrehen. Es ist wohl kein Zufall, dass mein Vater das Ausgeben von Geld für einen Lottoschein als "Deppensteuer" bezeichnet hat.

Apropos Lotto: Mich nerven Lottospieler kolossal. Denn immer, wenn ich Zigaretten kaufen will (ja ich rauche, verurteilt mich doch!) und es eilig habe, steht in der Schlange vor mir einer von ihnen und drückt der Kassierin einen Stapel Lottoscheine in die Hand, die sie dann einzeln durch ein Gerät durchziehen muss. Und dann kauft er auch noch fünf verschiedene Lottoscheine, Rubbellose und Brieflose, nur um dann endlos im Münzfach seiner Geldtasche herumzukramen. Raaaaaaaaaaah!!!! Habe ich früher übrigens auch oft im Supermarkt erlebt: Steht man an der Kassa, vor dir nur eine einzige alte Dame, die mit ihren gichtigen Fingern die letzten paar Cents aus der Geldtasche puhlt: "Warten's, ich hab's genau!" Das stellt auch meine sprichwörtliche Geduld auf die Probe.

So, jetzt ist es raus. Ich hoffe, ich lenke jetzt nicht den Hass der Nichtraucher und Lottospieler auf mich. Wenn doch: Viel Spaß und bon voyage!

vousvoyez

Sonntag, 22. Oktober 2017

"Golden Eye" heißt auf Englisch "Golden Egg"

Interessant, dass man englische Phrasen noch einmal ins Englische übersetzen kann. Ich weiß nicht mehr, wer das in die Welt gesetzt hat, aber derjenige wollte wohl damit ausdrücken, dass die Engländer eine eigene Auffassung von Sprache haben: Zum Auge sagen sie Eye, zum Ei sagen sie Egg, zum Eck sagen sie Corner. Wer in der Schule Englisch gelernt hat, weiß, dass man gewisse Worte sofort zu verstehen glaubt, da sie ähnlich oder gar gleich klingen wie im Deutschen, sie heißen aber etwas ganz anderes. So wie tv programme für Fernsehsendung (Fernsehprogramm heißt tv guide), menu für Speisekarte (Menü heißt set meal) und become für werden (bekommen heißt get). Und wir ärgern uns, dass die bösen Engländer uns so viele Steine in den Weg gelegt haben, ohne darüber nachzudenken, wie seltsam die unsere Sprache mitunter finden. Ein Erasmusstudent aus London hat sich mal darüber beschwert, dass es für das Wort "Warum" im Deutschen so viele Synonyme gibt, während den Engländern why schon genügt.

Die Welt der Sprache ist im Großen und Ganzen ja äußerst spannend, auch wenn es ziemlich mühsam ist, wenn man sich mit Vokabeln, Grammatik und hunderttausend Ausnahmen herumschlagen muss. Mein Bruder kritisiert beispielsweise bei den meisten Sprachen deren Mangel an Logik. Vielleicht liegt das daran, dass Sprachen - sieht man jetzt mal von künstlich entstandenen wie Esperanto ab - nicht irgendwann einmal entstanden und dann so geblieben sind, sondern einem zeitlichen Wandel unterworfen sind. Auch heute wandelt sich die Sprache - besonders durch das, was wir als "digitale Revolution" bezeichnen, die Worte wie "googeln", "chatten", "twittern" und "tindern" hervorgebracht hat. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass man auf so rasante Art und Weise Zeuge des Sprachwandels wurde.

In diesem Zusammenhang verstehe ich auch so verquere Vereine wie den zur Reinerhaltung der deutschen Sprache nicht - die deutsche Sprache ist bereits dermaßen lange nicht mehr rein, dass sie ohne Fremd- und Lehnwörter nicht existieren könnte. Das Verschwinden von Dialekten und Minderheitensprachen ist ebenfalls höchst bedauerlich, jedoch auf Grund der anhaltenden Globalisierung wohl unvermeidlich. Die meisten afrikanischen Sprachen sind ja beispielsweise gar nicht mehr "rein", sondern haben sich mit den früheren Kolonialsprachen vermischt, die in den jeweiligen Ländern ja häufig Amtssprache sind. Übrigens habe ich neulich herausgefunden, dass Afrika insgesamt etwa über 2.000 Sprachen in sich vereint - das nur nebenbei bemerkt, auch für jene, die Afrika immer noch als einzelnen Staat und nicht als Kontinent mit ganzen 53 Staaten begreifen. Und das, obwohl Europa nur 47 Länder hat und im Vergleich zum "Schwarzen Kontinent" winzig ist.

Auch ich spreche den Dialekt meiner Heimatstadt kaum. Da im Rahmen meiner Erziehung die so genannte "Hochsprache" als "schön" und Dialekt als "schiach" (hässlich) begriffen wurde, wurde ich meine ganze Kindheit und Jugend hindurch dazu angehalten, Erstere zu sprechen. Allerdings nicht zu "deutsch" - denn wir sind immer noch Österreicher, und die Deutschen nachmachen müssen wir nicht. Wenn mein Vater meine Aufsätze las, regte er sich manchmal darüber auf, dass ich zu viele "deutsche" Begriffe verwendete. Das war jedoch unumgänglich, denn ich las nicht nur österreichische Bücher, sondern auch Bücher aus Deutschland und solche, die in Deutschland übersetzt worden waren. Und selbst die österreichischen Bücher werden nach deutschem Standard korrekturgelesen, nicht nach österreichischem - seltene Ausnahmen sind in der Kinderliteratur beispielsweise Christine Nöstlinger und in der Erwachsenenliteratur Thomas Bernhard. Bei diesen ist das österreichische Deutsch als Stilmittel akzeptiert.

Diese Einstellung, den Deutschen nicht alles nachmachen zu müssen, bezog sich übrigens nicht nur auf die Sprache. Ich erinnere mich beispielsweise, wie die meisten anderen auch, noch lebhaft an meinen ersten Schultag. Ich besuchte eine private katholische Volksschule, in die damals nur Mädchen aufgenommen wurden - trotz heftiger Gegenwehr, denn eigentlich wollte ich das überhaupt nicht. Dementsprechend begriff ich die Schule wohl bereits früher als die meisten anderen als eine Verschlechterung meiner Lebensbedingungen von der freien, unbeschwerten Kindergartenzeit, in der das Geschlecht noch völlig egal war, hin zu einer geordneten und eingeschränkten Schulzeit. Am ersten Tag war ich die einzige, die weder einen Rock noch ein Kleid anhatte - ich trug eine Hose, wie immer, wenn es mir gelang, nicht in ein Kleid gezwungen zu werden. Ein Umstand, der mir hinterher auch - mit lächelndem Gesicht - lange vorgeworfen wurde. Vor allem aber beneidete ich die anderen um ihre riesigen Schultüten - ich bekam nämlich keine. Die Schultüte war ein Brauch aus Nachkriegs-Deutschland, und meine Eltern waren der Meinung, wer seinem Kind eine Schultüte kaufte, würde "die Deutschen nachmachen". Mir war das ehrlich gesagt herzlich egal - ich sah nur, dass alle etwas bekamen, nur ich nicht. Meine Geschwister haben übrigens dasselbe erlebt. Zwei von ihnen haben heute auch Schulkinder - und auch bei ihnen war die Schultüte obligatorisch.

So, jetzt habe ich euch auch noch mit meinem einschneidenden Kindheitstrauma belästigt. Und dabei gibt es noch so viel über Sprache zu wissen - beispielsweise, dass fast alle Sprachen vom westlichsten Zipfel Europas bis hinüber nach Indien vermutlich die gleichen Wurzeln haben - nämlich das Indogermanische. Und dass die deutsche Sprache, wie wir sie heute kennen, aus einer vielfältigen Mischung von Dialekten entstanden ist. Allerdings würde das wohl auch wieder einmal den Rahmen sprengen. Und übrigens auch meine Möglichkeiten. Weiterführende Literatur gibt es ja zu Hauf! Im Großen und Ganzen ist es in einer globalisierten Welt auch nicht verkehrt, nicht nur eine einzige Sprache zu beherrschen. Denn die Welt ist groß, und ein Menschenleben reicht nicht aus, um sie in ihrer Gänze zu begreifen. In diesem Sinne, bon voyage! Arrivederci! Ciao Ciao! Goodbye! Adieu! Adios Amigos! Sayonara!

vousvoyez

Freitag, 22. September 2017

Ein Steinbock fliegt nicht herum

(c) vousvoyez
Eigentlich wollte ich diese Weisheit ja zum Anlass nehmen, um generell über den Sinn und Unsinn astrologischer Voraussagen zu reflektieren. Jetzt habe ich aber gerade erfahren, dass am 23. September 2017, also morgen, die Welt untergeht. Andere sprechen zwar erst vom 5. Oktober, aber da ich den genauen Termin nicht in Erfahrung bringen konnte, schreibe ich halt schon mal jetzt, um Nägel mit Köpfen zu machen. Und um ein fulminantes Kopfkino einzuleiten.

Laut der Liste der Weltuntergangsprophezeiungen hätte ich eigentlich gar nicht erst geboren werden sollen. Und auch sonst niemand, der heute auf dieser Welt lebt - also auch ihr nicht, meine verehrten gegenderten LeserInnen. Wenn Bhagwan, der Begründer des Neo-Sannyas, Recht gehabt hätte, dann hätte ich die Apokalypse innerhalb meiner ersten 15 Lebensjahre bereits erleben müssen - vielleicht hatte ich es deswegen auch so eilig damit, schwimmen zu lernen (denn er sagte u. a. eine Sintflut wie zu Noahs Lebzeiten voraus). Moses David, der Begründer der Children of God, sagte den Weltuntergang im Jahr 1993 voraus - nur die Angehörigen seiner Religionsgemeinschaft blieben von diesem Massensterben natürlich ausgenommen, also hätte ich, da ich dieser Gemeinschaft nicht angehöre, theoretisch schon im zarten Alter von 9 Jahren das Zeitliche segnen müssen - ich wäre heute also bereits 24 Jahre über der Zeit!!!

Der amerikanisch-christliche Fernsehkanal Trinity Broadcasting Network gab mir übrigens nur 4 Jahre, 8 Monate und 1 - 2 Tage zu leben; wie die auf diesen Termin gekommen sind, wüsste ich selbst gerne. Auch Charles Taylor, Wim Walgo und Norbert Lieth, Paul Kuhn, Hart Armstrong sowie eine Reihe hartgesottener Christen legten den Weltuntergangstermin für das Jahr 1988 fest; ein heißer Tipp, um schnell noch seine letzten Rechnungen zu bezahlen und bei der Apokalypse schuldenfrei zu sein. Da ich damals, wie gesagt, erst vier Jahre alt war, hätte mir zumindest Paul Kuhn, der religiöse Leiter der Michaelsvereinigung in Dozwil am Bodensee, noch eine Chance gegeben - denn laut seiner Prophezeiung wären Kinder von der allgemeinen Heuschrecken- und Skorpion-Invasion am 8. Mai 1988 verschont geblieben. Und dieses Luxusleben blieb mir versagt! Danke, Herr Kuhn! 1988 jährte sich übrigens die Gründung des Staates Israel zum 40. Mal - es gibt keine bessere Ausrede, als in Hysterie zu verfallen.

Laut der Sekte Church Universal and Triumphant, zu der ich leider nicht viele aufschlussreiche Informationen gefunden habe, hätte 1990 übrigens ein weltweiter Atomkrieg ausbrechen müssen - nach Ende dieses Jahres hieß es dann plötzlich: "Nein, jetzt noch nicht, aber bald!" Offensichtlich sind die mit Bunkern und Waffenlagern bis heute gut vorbereitet. Mir drängt sich hierbei allerdings die Frage auf, ob das Überleben eines Atomkrieges tatsächlich besonders erstrebenswert wäre - nach allzu viel Spaß hört sich das nicht an. Zumindest der Führer der südkoreanischen Tami Mission Church Lee Jang Rim bekam Konsequenzen der Panikmache zu spüren, die über den Verlust der Glaubwürdigkeit hinausreichten - seine falsche Prophezeiung des Weltuntergangs am 28. Oktober 1992, der vier Selbstmorde zur Folge hatte, wurde mit einer Geld- und Haftstrafe belegt. Im Großen und Ganzen standen meine Chancen schlecht, dass ich meinen 10. Geburtstag noch erleben würde - im Jahr 1993 erwarteten die Davidaner in Texas den Weltuntergang, und auch die russische Sektenführerin Maria Devi Christos legte den Termin für den Weltuntergang am 24. November 1993 fest - und hätte beinahe einen Massenselbstmord herbeigeführt. Dieser erfolgte erst ein Jahr später, allerdings durch 53 Mitglieder der Sonnentempler (wobei 38 von ihnen von den anderen umgebracht wurden, weil sie nicht freiwillig zum Planeten Sirius mitkommen wollten - manchmal muss man zu seinem Seelenheil wohl gezwungen werden). Allerdings buchten auch später einige Sonnentempler ein One-Way-Ticket in Richtung Sirius - einige sind eben unbelehrbar und lassen sich nicht einmal durch falsche Prophezeiungen davon abbringen, den Weg zur Erlösung zu suchen. Der Erzbischof Ussher of Armagh sagte den Weltuntergang 1996 übrigens bereits im Jahre 1659 voraus - wenn er das damals schon wusste, muss es ja wohl stimmen, oder? Äääääh...nein!!!!

Auch eine Deutschlehrerin, Anhängerin der Sternengeschwister, prophezeite den Weltuntergang nach einem Ausbruch des Atomkrieges, allerdings erst sechs Jahre nach dieser komischen amerikanischen Sekte. Da fällt mir ein, im Herbst 1996 wurde das Gymnasium, in dem ich meinen Abschluss machte, in einen Neubau umgesiedelt - dessen Keller als Atombunker gebaut worden war. Nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl zehn Jahre zuvor war das damals eine verpflichtende Maßnahme - ähnlich wie die alljährliche Petition, die jedem Schüler die Verabreichung von Kaliumjodidtabletten nach einem neuerlichen Super-GAU gewährleisten sollten, um Schilddrüsenkrebs vorzubeugen. Gibt's das eigentlich noch? Offensichtlich, denn im World Wide Web kann man die Einverständniserklärung tatsächlich noch herunterladen! Übrigens sagte das Biblische Astronomische Nachrichtenblatt am 10. April 1997 die Ankunft des Antichristen voraus - wer immer das auch sein mag. Jedenfalls scheint er im Jahr 1997 mehrere Termine versäumt zu haben - auch die Zahlenmystiker errechneten seine Ankunft 13 Jahre nach meiner Geburt (oh je, das auch noch!!!). Laut der Internationalen Hellsehervereinigung hätte sich die Apokalypse allerdings bis zum Jahr 2001 hinziehen müssen - offensichtlich hatten die eine sadistische Ader. Die Prophezeiung des Tag X auf den 25. Juli 1998, nach der einige Auserwählte von Außerirdischen auf die Raumschiffe des Sex(hihihihihi)-Gottes gebeamt werden sollten, während der Rest der Menschheit vernichtet würde, musste nach dem Verstreichen des Termins revidiert werden - der nächste Termin ist im Jahr 8661. Das nennt man sich Zeit verschaffen! In diesem Jahr wurde die Apokalypse übrigens vielleicht tatsächlich gerade noch verhindert - nämlich durch einen geplanten Anschlag amerikanischer christlicher Fanatiker auf die Al Aqsa Moschee in Jerusalem. Und natürlich mussten auch die Zahlenmystiker ihren Senf dazugeben - nachdem es 1997 nicht geklappt hatte, sollte der Weltuntergang ein Jahr später nachgeholt werden.

An diverse Weltuntergangstermine im Jahr 1999 erinnere ich mich sogar selbst noch - damals hätte praktisch jeden Tag die Welt untergehen sollen! Man prophezeite die Sintflut, den Atomkrieg, die Evakuierung der Erde durch Außerirdische, den Einschlag eines Planetoiden (ich sage nur eines: Uriella!), die Ankunft des lang ersehnten Kometen und die Sonnenfinsternis (die dann tatsächlich kam, aber außer ein paar Minuten Dunkelheit hielt sie nicht, was sie versprach). Angehörige einer indonesischen Sekte waren so wütend, dass sie nach dem 9. 9. 1999 wieder zur Arbeit mussten, dass sie drei ihrer Führer erschlugen. Nostradamus sagte für dieses Jahr den "großen Schreckenskönig" voraus - er hat sich mir allerdings nicht vorgestellt. Die Hysterie erreichte ihren Höhepunkt dann am 31. Dezember 1999 - dem letzten Tag des zweiten nachchristlichen Jahrtausends; für mich übrigens ein entspannter Tag auf Skiurlaub mit Familie und Freunden.

Natürlich war das Jahr 2000 voll von Verschwörungstheorien und Weltuntergangsprophezeiungen. Eine Frage, die übrigens auch Dr. Sommer, die Allwissende Müllhalde des BRAVO-Universums, beschäftigte. All diese Termine näher zu benennen, würde allerdings den Rahmen des Machbaren sprengen.

Der südafrikanische Reverend J. S. Malan verlegte die Apokalypse von 1995 auf 2002. Die typischen Terminprobleme eines Geistlichen. Im Jahr 2003 hätten abermals ein paar Auserwählte von den Aliens gerettet werden sollen - aber die hatten wohl was anderes zu tun. Laut George Curle hätte die Apokalypse übrigens von 1999 bis 2005 andauern sollen - komisch, dass ich davon nichts mitbekommen habe.

2012 war das nächste dankbare Jahr für Verschwörungstheoretiker - denken wir nur an das Ende des Maja-Kalenders am 21. 12. Das wird ein schwerer Schlag gewesen sein für all jene, die den weihnachtlichen Verwandtenbesuchen entgehen wollten.

Nun ja, und morgen ist also der nächste Termin. Was das alles mit fliegenden Steinböcken zu tun hat? Keine Ahnung - vielleicht überleben die ja die Apokalypse und fliegen dann im Weltall herum. In diesem Fall möchte ich mich dafür entschuldigen, dass der Titel dieses Artikels nicht der Wahrheit entspricht. Wir werden ja sehen.

vousvoyez

Mittwoch, 20. September 2017

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis der Brunnen leer ist

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Sprichworte gehören zum Alltag jeder Kultur und haben meist einen erzieherischen Charakter. Das Interessante daran ist, dass es in unterschiedlichen Kulturen ähnliche Sprichworte und Redewendungen gibt, auch wenn sie manchmal anders formuliert werden. Der Urheber der volkstümlichen Sprichwörter ist zumeist nicht bekannt. In meiner Schulzeit war es eine Zeit lang üblich, Aufsätze zu bekannten Sprichwörtern zu verfassen, meist aus unserem eigenen Erfahrungsschatz. Häufig sahen es Lehrer nicht so gerne, wenn der eine oder andere eine Geschichte schrieb, die in der Welt der Phantasie angesiedelt war. Ein Freund von mir hatte als Facebook-Profilbild einmal die letzte Seite eines Schulaufsatzes, dessen Handlung auf einem Computerspiel basierte. Auffällig war die ordentlich verfasste, wie üblich mit Rotstift gehaltene Anmerkung der Lehrerin, die da geschrieben hatte: "Du sollst keine Phantasiegeschichte schreiben, sondern einen Erlebnisaufsatz!" Das letzte Wort war doppelt unterstrichen. Dies machte aus der überbordenden Phantasie eines Zehnjährigen einen Akt des Ungehorsams. Und es wirft in mir die Frage auf, ob Lehrende ohne Humor und Phantasie nicht ihren Beruf verfehlt haben, denn jener kleine Junge von damals verdient heute mit seiner Phantasie sein Geld.

Zurück zu den Sprichwörtern. Sprichwörter können in ihrer erzieherischen Intention auch ganz schön nervig sein. Das liegt auch daran, dass man sie irgendwann einmal auswendig kann - genauso wie die üblichen Sätze diverser Eltern, Großeltern oder anderer älterer Familienmitglieder. Und dass die Tugenden, die darin genannt werden, mitunter schon sehr veraltet sind. Mein Vater reagierte darauf, indem er Weltmeister im Verdrehen von Sprichwörtern wurde - und so hat es das eine oder andere Prachtexemplar auch in meine Sammlung der Weisheiten geschafft. So wie das Sprichwort "Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht" - das vor allem in einem Land an Sinn verliert, das sein Wasser aus Wasserleitungen oder Flaschen im Supermarkt bezieht. So sind Brunnen aller Art in der heutigen Zeit fast nur noch historische Zierobjekte. Als Kind faszinierten mich vor allem die Brunnen in alten Schlössern, deren Öffnungen mit einem Gitter verschlossen sind, so dass man bis auf den Grund sehen kann. Manche sind so tief, dass man Nebelschwaden sehen kann - da Schlösser und Burgen gerne auf Anhöhen gebaut wurden, war es nicht so einfach, an Grundwasser zu kommen. Es sieht gefährlich und faszinierend zugleich aus. Vielleicht sind Brunnen deswegen so oft in volkstümlichen Märchen und Sagen vertreten - denken wir nur an Frau Holle oder den Froschkönig.

Im übertragenen Sinn hat das Sprichwort natürlich inzwischen nichts mehr mit einem wirklichen Brunnen zu tun, sondern bezeichnet die Ausnutzung des Wohlwollens seines Gegenübers. Eine Erfahrung, die wohl jeder kennt und die ich auch schon mehrfach gemacht habe - und zwar auf beiden Seiten. Im Großen und Ganzen beruhen Geben und Nehmen nicht nur in unserer Kultur auf Gegenseitigkeit. Die geringste Erwartung bezieht sich auf den Respekt des Nehmenden gegenüber des Gebenden. Aber überall auf der Welt gibt es Menschen, die dies offensichtlich nicht verstanden haben - und sei es auch nur, weil diese Art von Geben und Nehmen meist erst erlernt werden muss. Und selbst da gibt es Personen, die es nie lernen - vor allem jene, die beispielsweise an eine Kollektivschuld glauben. Das kann verschiedene Länder genauso betreffen wie einzelne Personen. Wenn ich glaube, jemand ist mir etwas schuldig, weil beispielsweise dessen Großvater meinem Großonkel etwas weggenommen hat, begreife ich das Wohlwollen dieser Person als Selbstverständlichkeit. Und das, obwohl ich mit meinem Großonkel so wenig zu tun habe wie er mit seinem Großvater. Basierend auf dieser Art von Konflikt sind viele große literarische Werke entstanden - denken wir nur an Romeo und Julia oder an die griechische Sage von Atreus und Thyestes. Mit der Individualisierung denken wir heute in unserer Kultur aber anders - jeder ist für sich selbst verantwortlich, und niemand sollte für etwas bestraft werden, was beispielsweise ein Verwandter verbrochen hat. Ausnahmen bilden nur Kinder, die noch nicht strafmündig sind und der Aufsicht und Anleitung Erwachsener bedürfen. Im Großen und Ganzen ist das eine Errungenschaft, die es wert ist, beibehalten zu werden.

vousvoyez

Samstag, 9. September 2017

Der Mensch sucht sich nicht die Maschine, sondern die Maschine sucht sich den Menschen

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Diese Aussage war ursprünglich auf die Eigenwilligkeit von Nähmaschinen bezogen. Manchmal hat man allerdings wirklich das Gefühl, dass wir immer mehr von Technik beherrscht werden. In meiner kranken Phantasie stelle ich mir manchmal vor, wie es wäre, wenn es plötzlich kein Internet mehr gebe. Die jüngeren Leute, die schon damit aufgewachsen sind, würden wahrscheinlich wahnsinnig, wenn sie nicht mehr alles googeln könnten. Und dann wären wahrscheinlich wieder die Älteren gefragt, die in ihrer Jugend ohne diesen ganzen Firlefanz auskommen mussten, weil er noch gar nicht erfunden war. Ich bin ja inzwischen schon in einem Alter, in dem ich mir einen Spaß daraus machen kann, jüngere Leute zu schockieren. Indem ich beispielsweise von einer grauen Vorzeit erzähle, in der Internet und Handy noch Luxusgüter waren und der Durchschnittsmensch auf Telefonbücher, Lexika, Festnetztelefone und Zeitungen angewiesen war, um voll informiert zu sein.

In meiner Kindheit konnte ich mir unter Internet eigentlich gar nichts vorstellen. Ich kannte zwar andere, die im Internet surften, aber irgendwie stellte ich mir tatsächlich so etwas wie Windsurfen darunter vor - was das sein sollte, konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Meinen ersten Computer bekam ich mit zwölf, er war schwarzweiß und wurde mehr oder weniger von der ganzen Familie genutzt. Internet fand größtenteils in der Schule statt, in einem eigenen Computerraum, wo man uns zeigte, wie man Suchmaschinen benutzt und wo man sich in prähistorischen sozialen Netzwerken wie talk city mit Jugendlichen aus aller Welt schriftlich austauschte. Manche machten sich einen Spaß daraus, mittels gefälschter Identitäten zu flirten.

Auch das Telefonieren war noch nicht mobil. Wir hatten drei Festnetztelefone in der Wohnung: eines im Vorzimmer, eines im Salon (so nannten wir das Wohnzimmer) und eines im Schlafzimmer der Eltern. Unsere Telefone hatten Tastenfelder, was damals schon sehr modern war; viele hatten noch Wählscheibentelefone. Mobil telefonieren war für uns, ein Telefon zu haben, dessen Kabel lang genug war, dass man es in ein anderes Zimmer tragen konnte. Später erbten wir ein schnurloses Telefon, was meine Eltern veranlasste, meine telefonsüchtige Schwester ständig zu fragen: "Wo ist das Telefon?" Außerhalb der Wohnung konnte man es nicht verwenden. Wir kamen uns schon mit einem Autotelefon wahnsinnig gut vor. Und so war die erste Frage meiner Schwester, wenn sie nach Hause kam: "Hat wer angerufen?" (Ja, ich weiß, dass das grammatikalisch nicht richtig ist, aber bei uns ist das halt Umgangssprache.)

Die ersten Handys waren so riesig, dass man gefühlt jemanden damit erschlagen konnte. Sie hatten lange Antennen, die man rausziehen musste, ehe man telefonieren konnte. Mitte der Neunziger waren Handybesitzer meist Angeber; junge Männer, die möglichst laut überall mit dem Handy telefonierten, um allen zu zeigen, wie cool sie waren. Jeder schimpfte über sie, aber dann kaufte sich doch einer nach dem anderen das erste Handy. Ende der Neunziger waren Handyverträge dann von ein Jahr auf das andere für jeden erschwinglich, und auf einmal war es normal, dass die Leute überall telefonierten. Solange Telefonieren nicht mobil war, war der Satz "Wo bist du?" eher unsinnig; sobald jeder ein Handy hatte, wurde er normal.

Heute ist nicht nur das Telefonieren, sondern auch das Internet mobil. Und so starrt in Wartezimmern und in öffentlichen Verkehrsmitteln nahezu jeder auf einen winzigen Bildschirm. Manchmal ist das etwas mühsam - beispielsweise wenn man sich mit jemandem unterhalten will, der nur Augen für sein Smartphone hat. Ich habe das Smartphone lange verweigert, und auch heute weigere ich mich, in der Straßenbahn nur noch aufs Handy zu starren. Vielleicht wäre es anders, wenn ich zehn oder zwanzig Jahre jünger wäre. Das Internet hingegen nutze ich gerne und oft - vor allem, um euch mit meinen großartigen Weisheiten zu unterhalten!

vousvoyez