Freitag, 17. August 2018

Wie der liebe Gott die Männer erschaffen hat, hat er sich nix dabei gedacht

Laut Bibel hat Gott ja zuerst den Mann erschaffen und dann die Frau. Ich denke ja, er war mit dem ersten Entwurf, dem Mann, nicht so recht zufrieden, und hat sich bei der Frau deswegen mehr Mühe gegeben. Meine Großtante wiederum behauptete, er hätte damals, als er den Mann erschuf, gerade einen schlechten Tag gehabt - und wohl deswegen nicht richtig aufgepasst.

Trotzdem wurde vor allem im Mittelalter die Frau als die Wurzel alles Bösen begriffen - was man darauf zurückführte, dass zu Anbeginn der Menschheit eine Nackerte einen Apfel gestohlen hat. Schriften, die die Hexenverbrennungen rechtfertigten, gingen sogar so weit, die Frau als Wesen zwischen Tier und Mensch einzuordnen. Wobei man auch darüber streiten kann, inwieweit ein Tier weniger wert sein soll als ein Mensch. Ich denke ja, der Mensch hat sich im Laufe der Geschichte ziemlich überbewertet. Aber das soll heute nicht das Thema sein.

Nein, heute möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen und auch ein wenig das ganze Drumherum auflösen. Die Geschichte ist schon älter, aber ich habe erst vor ein paar Tagen davon gehört. Vielleicht kennt sie der eine oder andere sogar - zumindest zum Teil, denn ihre Basis ist eine wahre Begebenheit.

Zu Beginn des Kalten Krieges starteten USA und UdSSR den so genannten "Wettlauf ins All". Daneben gab es jedoch noch andere Wettbewerbe zwischen den beiden Großmächten, und einer davon war die Eroberung der Tiefe - denn obgleich die damaligen Tiefenbohrungen hauptsächlich zu Forschungszwecken stattfanden, versuchten die USA und die Sowjetunion unaufhörlich, einander zu übertreffen, wenn es darum ging, das tiefste Loch zu bohren.

Am 24. Mai 1970 begann man mit der seit 1967 vorbereiteten geologischen Bohrung auf der russischen Halbinsel Kola in der Nähe der Stadt Murmansk. Anfangs wurde hierfür ein herkömmlicher Bohrturm namens Uralmasch-4E verwendet, dieser wurde jedoch 1975 durch den eigens entwickelten Uralmasch-15000 ersetzt, der in etwa die Höhe eines zwanzigstöckigen Hauses hatte. Am 6. Juni 1979 brach das Bohrloch den bisherigen Rekord des tiefsten Bohrlochs "Bertha Rogers" in Washita County/Oklahoma, das eine Tiefe von 9.583 m erreicht hatte. Doch damit gab man sich nicht zufrieden - man wollte in eine Tiefe bis zu 15.000 m vordringen.

Im Jahr 1989 erreichte die Bohrung eine Tiefe von 12.262 m. Dort herrschten nicht, wie angenommen, 100 °C, sondern 180 °C, wodurch das Vorankommen immer schwerer wurde. 1992 wurden die Bohrarbeiten endgültig eingestellt. Einige Forscher blieben noch vor Ort, um seismische und erdmagnetische Messungen durchzuführen, aber schließlich gingen auch sie, und das Loch wurde mit einer Metallkappe für immer verschlossen. Jahrelang lag die Bohrstation verlassen in der menschenleeren Einöde und wirkte, als hätte man sie überstürzt verlassen. 2009 wurde ein Viertel des Turms abgetragen, der Rest wurde einfach seinem Schicksal überlassen, und es sieht aus, als habe man den Ort überstürzt verlassen. Wie ich gehört habe, steht der Turm heute allerdings auch nicht mehr. Ich konnte darüber jedoch kaum was in Erfahrung bringen.

Auf dem Weg in Richtung Erdkern wurden einige erstaunliche Entdeckungen gemacht. So entdeckte man eine Substanz, die fast identisch mit Mondstein war, außerdem Kupfer, Nickel und Gold, 2 Milliarden Jahre alte Fossilien sowie in 6,7 m Tiefe mikroskopisch kleine Einzeller. Außerdem stieß man in großen Tiefen auf Wasser, bei dem es sich um so genanntes Kristallwasser aus dem Inneren der Mineralien handeln soll. Ich finde diese Entdeckungen fast ebenso faszinierend wie die eigentliche Geschichte, aber darum soll es jetzt nicht gehen. Also weiter.

Offiziell wurde erklärt, dass die Bohrungen wegen der großen Hitze im Erdinneren eingestellt werden mussten, da sich das Gestein bei diesen Temperaturen wie eine formbare Masse verhält. Zudem wuchs der Unmut der Regierung darüber, dass die Bohrung kaum noch Rohstofffunde abwarf. Dass die Anlagen so lange verlassen da lagen, erklärte man damit, dass nicht einmal für ihren Abriss Geld dagewesen sein soll. Aber es gibt noch eine andere Geschichte, die von vielen ins Reich der Legenden verwiesen wird, aber andere sind bis heute felsenfest davon überzeugt, dass sie wahr ist.

In einer Tiefe von 14.000 km sackte der Bohrer auf einmal ab, und der Bohrkopf drehte durch, was darauf hinwies, dass er auf einen Hohlraum gestoßen war. Die Temperatur stieg auf 1.100 °C an, und aus dem Bohrloch strömte eine gewaltige Gaswolke. Daraufhin ließ man Messgeräte herab sowie ein hitzeresistentes Mikrophon, das die seismischen Aktivitäten aufzeichnen sollte. Die seltsamen Geräusche, die über dieses Mikrophon nach oben drangen, hielten sie zunächst für Störgeräusche, also wurde alles noch einmal überprüft, das Gerät neu eingestellt und erneut herabgelassen. Was man hörte, waren menschliche Stimmen, Millionen durchdringender Schreie aus Schmerz und Verzweiflung.

Man hatte natürlich keinen Zweifel daran, was die Verantwortlichen da entdeckt hatten: Sie waren bis in die Hölle vorgedrungen! Ein Jahr später geriet eine weitere Geschichte in Umlauf. In der Nacht nach den Tonaufzeichnungen war eine Säule aus phosphoreszierendem Gas aus dem Bohrloch geschossen, und aus den Wolkenmassen tauchte eine strahlende Gestalt mit Fledermausflügeln auf; am Himmel aber erschienen die Worte "Ich habe erobert". Die Forscher waren von der sowjetischen Regierung mit Morddrohungen und Schweigegeldern allerdings vorläufig ruhig gestellt worden. Dennoch geriet eine Kopie der Bandaufnahme bereits kurz nach diesem Ereignis an die Öffentlichkeit. Einer der verantwortlichen Mitarbeiter, Dr. Dimitri Azzacove, erklärte nicht lange nach dem Fall des Eisernen Vorhangs: "Als Kommunist glaube ich nicht an Gott, aber als Wissenschaftler glaube ich jetzt an die Hölle!"

Die Geschichte mit der Gestalt mit Fledermausflügeln wurde ziemlich schnell widerlegt. Ein Pastor aus Kalifornien hörte über das Trinity Broadcasting Network, kurz TBN, das größte religiöse Fernsehnetzwerk der USA, von der Geschichte der angeblichen Schreie aus der Hölle. Tags darauf bekam er Besuch von einem Lehrer aus Norwegen, der mit ihm studiert hatte. Die beiden beschlossen, die Leichtgläubigkeit der Menschen auf die Probe zu stellen, und so fertigte er eine Falschübersetzung eines norwegischen Artikels an, in der er die Geschichte der Gestalt erzählte und dass die Anwesenden von der sowjetischen Regierung ruhig gestellt wurden. Doch trotz gegenteiliger Beweise halten viele diese Geschichte nach wie vor für echt.

Es gibt inzwischen Wissenschaftler, die überzeugt sind, dass die vermeintlichen Schreie durch Wahnvorstellungen zustande kamen, die durch die Gase zu erklären sind, die aus der Tiefe drangen. Die Geräusche selbst sind durch den Überdruck zu erklären, mit denen diese Gase aus dem Bohrloch austraten – oder auch durch die Erdbewegung, wenn das Gestein aufeinander drückt, ähnlich wie bei den „Singenden Dünen“ in der Wüste. Die angeblichen Originalbänder sind bis heute im Internet im Umlauf - allerdings gibt es keinerlei Beweise, dass sie tatsächlich von diesen Tonbandaufnahmen stammen - tatsächlich sollen sie ein variierter und mit Effekten unterlegter Remix des Soundtracks aus Mario Bavas Horrorfilm Baron Blood von 1972 sein.

Die Vorstellungen einer jenseitigen Unterwelt sind fast so alt wie die Menschheit selbst. Auch die alten Ägypter, Römer und Griechen glaubten an ein Jenseits, das den christlichen Höllenvorstellungen nicht unähnlich ist. Selbst die östlichen Religionen glauben an eine Art Hölle, ganz zu schweigen von den Juden und den Muslimen. Die Hölle war auch in der Kunst zu allen Zeiten ein wichtiges Motiv, man denke nur an den Garten der Lüste von Hieronymus Bosch. Am meisten geprägt hat unser Bild von der Hölle aber wohl Dante Alighieris Göttliche Komödie aus dem 14. Jahrhundert, in deren erstem Teil "Inferno" er die Qualen des Höllenschlunds mit nahezu sadistischer Genauigkeit beschreibt.

Natürlich ist die Vorstellung einer drohenden ewigen Verdammnis durch die Hölle das beste Mittel, um Leuten Angst zu machen und sie zu beherrschen. Als einfacher Mensch kann ich die Frage, ob es Gott, Paradies und Hölle gibt, nicht beantworten, und das ist auch nicht meine Aufgabe. Ich nehme mir aber heraus, zu behaupten, egal was die Russen damals gefunden haben, die Hölle war es mit Sicherheit nicht. Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass man tatsächlich die Hölle angebohrt hat, und die Echtheit der Tonbänder wird angezweifelt. Zwar behaupten diejenigen, die damals vor Ort waren, nach wie vor, sie hätten damals die Hölle entdeckt, aber wer weiß, was sie da tatsächlich entdeckt haben. Ich habe schon einmal erwähnt, dass spannend-mysteriöse Geschichten oft enttäuschend unmysteriöse Erklärungen nach sich ziehen. Und ich fürchte, so ist es auch mit dieser Geschichte. Natürlich gibt es auch Personen, die sich davon in ihrem Glauben nicht abhalten lassen. In YouTube-Kommentaren gab es Leute, die meinten, Adolf Hitlers Stimme herausgehört zu haben; andere wiederum behaupteten, man könne den Satz "allahu akbar" hören. Mit Phantasie geht eben alles.

Das war's dann wieder, meine Lieben, ich hoffe, ich habe euch ein wenig unterhalten und nicht zu sehr Angst gemacht, hihi! Bis zum nächsten Mal!

vousvoyez

Weiterführende Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kola-Bohrung
https://www.focus.de/wissen/schreie-aus-der-tiefe-sowjets-bohrten-1970-tiefstes-loch-der-erde-noch-heute-erzaehlen-sie-gruselgeschichten_id_8656472.html
https://www.epochtimes.de/genial/wissen-genial/tiefste-bohrung-der-welt-schaurige-geraeusche-aus-der-tiefe-bevor-loch-fuer-immer-geschlossen-wurde-a2198148.html
https://www.lamundus.de/als-die-sowjets-die-holle-anbohrten-die-kola-bohrung/
https://www.youtube.com/watch?v=VWo6kTsoiv4

Freitag, 27. Juli 2018

Oh, I have got underarm-smell, I need a deo!

(c) vousvoyez
Zwei häufige Probleme in der Pubertät: Einerseits die hormonelle Ausdünstung, die häufige Körperpflege erforderlich macht, andererseits das Absinken des Lernwillens, weshalb auch die englische Sprache zur Qual wird. Tjaja, die Zeit des Heranwachsens ist keine leichte. Aber alle müssen da durch.

In meinem letzten Post habe ich mich mit einem Phänomen befasst, der im Moment die Jugend weltweit in Atem hält. Und da ich ja leider viel zu viel Zeit und kein eigenes Leben habe (weil ich mich aktuell gerade von einem kleinen Virus erhole, und warum rechtfertige ich mich eigentlich, wenn mir eh niemand Vorwürfe macht?), habe ich mich ein wenig tiefer in das Thema hineingelesen. Leider bin ich drauf gekommen, dass ein YouTuber dieselbe Idee hatte und bei der Umsetzung etwas schneller war. Aber egal - da ich für den jungen Mann in meinem letzten Artikel bereits Werbung gemacht habe, setze ich das mal fort.

Was ich meine, sind Kettenbriefe - etwas, das wohl jeder kennt. Wie das entstanden ist und wer die Idee dazu als erster hatte, ist wohl irgendwann einmal in grauer Vorzeit verloren gegangen. Aber durch das Internet sterben sie auch nicht aus - ganz im Gegenteil, es werden immer mehr.

Meinen ersten Kettenbrief bekam ich auf die ganz uncoole, altmodische Art - per Post. Ich war damals so zwischen acht und elf Jahre alt, jedenfalls war das zu einer Zeit, als das Internet noch als Luxus galt und viele sich gar nichts drunter vorstellen konnten. Eines Tages gab mir meine Mutter einen Brief mit unbekanntem Absender. Er enthielt ein Schreiben, das erzählte, man solle diesen Brief  ich weiß nicht mehr wie viele Male kopieren und weiterschicken. Dann wurden einige Geschichten erzählt von Leuten, die das nicht gemacht hatten und die dann beispielsweise krank wurden oder eine Prüfung verpatzten, und anderen, die es taten und die dann zum Beispiel im Lotto gewannen. Meine Mutter riet mir davon ab, diesen Brief weiterzuschicken. Ich hätte auch gar nicht so viele Leute gekannt, an die ich ihn hätte schicken können. Ich warf den Brief weg und es passierte - ganz genau, nichts.

Ich bekam nie wieder einen Kettenbrief per Post. Aber ich erhielt noch viele über E-Mail, Facebook, SMS oder Whatsapp. Ich habe sie in der Regel nicht weitergeschickt (außer die Botschaft war eindeutig scherzhaft gemeint) - besonders nicht, wenn sie eine Drohung enthielten von wegen, wenn ich sie nicht weiterschicke, geschieht irgendein Unglück. Ich war auf studiVZ sogar in einer Gruppe, die hieß "Warum sterbe ich nicht, weil ich Kettenbriefe nie beantworte?"

Ganz heftig finde ich allerdings jene Kettenbriefe, die mit Folter oder gar Tod drohen - und die meist auch von angeblich Toten geschrieben wurden. So einen habe ich (zum Glück) nie bekommen, aber die scheinen vor allem unter jüngeren Leuten die Runde zu machen. Ich weiß nicht, ob das an den Sommerferien liegt, jedenfalls hört man in letzter Zeit immer wieder von solchen gruseligen Kettenbriefen.

Darauf gestoßen bin ich, als ich mich mit diesem Momo-Thema befasst habe. Das Ganze scheint ziemliche Wellen geschlagen zu haben, jedenfalls ist jetzt unter anderem auch ein Kettenbrief im Umlauf, vor dem sogar von der Polizei gewarnt wird. Wobei ich mir denke, ein von Freunden verschickter Grusel-Kettenbrief ist wohl noch das geringste Problem.

Ich habe in meinem letzten Post schon angedeutet, dass ich beim Lesen dieser Nachricht das Gefühl hatte, sie könnte nur von einem Kind geschrieben worden sein - sie ist voller orthographischer und grammatikalischer Fehler (gut, auch viele Erwachsene beherrschen die deutsche Schriftsprache nicht wirklich), und auch der Inhalt wirkt lächerlich kindisch. In dem Kettenbrief wird behauptet, Momo sei vor drei Jahren von einem Auto angefahren worden und gestorben (sehr originell), außerdem wird gedroht, wenn der Empfänger diese Nachricht nicht weiterschickt, werde Momo um Mitternacht zu ihm ins Zimmer kommen (und wer will diese schauerliche Fratze schon nachts bei sich im Zimmer haben?). Um diese Argumente zu untermauern, wird das Beispiel einer Elfjährigen gebracht, die diesen Kettenbrief nicht weiterschickte; daraufhin suchte Momo sie in der Nacht heim und am nächsten Tag fand man sie tot in ihrem Bett (seltsam - so etwas hätte doch Schlagzeilen machen müssen?). Außerdem wird von einem Fünfzehnjährigen berichtet, der die Nachricht statt an die geforderten 15 nur an sechs Leute weiterschickte; daraufhin soll er am nächsten Morgen mit einem abgefressenen Arm und einem abgeschnittenen Bein aufgewacht sein (eigentlich müsste man doch spüren, wenn einem die Gliedmaßen nachts im Schlaf abgefressen und -geschnitten werden, oder?). Am besten gefällt mir aber die Geschichte der dreizehnjährigen Linda - sie ist die Brave in der Geschichte, sie hat die Nachricht an alle weitergeschickt, daraufhin hat sie ihre große Liebe gefunden und wohnt heute mit ihrem Freund in einer Villa - Moment, sie war dreizehn??? Das heißt, heute kann sie nicht älter als 16 sein! Was bedeutet - ihr Freund muss wohl ein alter Lustmolch sein, wie wollen die beiden mit ihrem Taschengeld sonst eine Villa finanzieren?
Also wir sehen schon bei der Nachricht, der Brief ist abgekupfert und das nicht einmal besonders gut - zumindest für Erwachsene ist er leicht zu durchschauen.

Eine weitere interessante Geschichte, auf die ich gestoßen bin, ist die von Teresa Fidalgo. Sie verbreitet sich schon seit längerem in den sozialen Netzwerken. Die Rede ist von einem jungen Mädchen, das im Jahr 1983 in Portugal bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein soll. Zwanzig Jahre später tauchte ein Video auf, gedreht mit Handkamera, in dem eine Gruppe Jugendlicher gezeigt wird, die mit dem Auto unterwegs sind. Am Straßenrand lesen sie ein Mädchen auf, das ziemlich verstört wirkt. Anfangs sagt sie nichts außer ihrem Vornamen, aber dann deutet sie auf eine Stelle neben der Straße, an der sie einen Unfall gehabt haben und gestorben sein soll. Danach hört man einen schrillen Schrei, die Kamera scheint ihrem Besitzer aus der Hand gefallen zu sein, und im anschließend eingeblendeten Text wird behauptet, man habe dieses Video nach einem Autounfall geborgen - die Insassen wären alle tot.
Die Geschichte ist inzwischen schon längst aufgeklärt - sie ist frei erfunden. Es handelt sich hierbei um eine Art Werbung im Stil von Blair Witch Projekt für einen Horrorfilm, den man sich per DVD im Internet bestellen kann. Dennoch tauchte schon zu Zeiten von Studi- und SchülerVZ ein Kettenbrief auf, der angeblich von dieser Teresa Fidalgo stammen soll und in dem damit gedroht wird, dass sie neben dem Empfänger im Bett schlafen würde, wenn dieser den Brief nicht an zwanzig Personen weitergeschickt wird. Da hätte sie wohl in vielen Betten nächtigen müssen - und nein, ich finde es nicht cool, dass sie ausgerechnet meinen Vornamen trägt!

Weitaus heftiger finde ich folgende - wenn auch wieder nur frei erfundene - Geschichte:
Es handelt sich hierbei um einen Kettenbrief, der in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Darin geht es um ein zehnjähriges Mädchen namens Clarissa, das ihre Eltern umgebracht haben soll, so dass es in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Dort habe sie alle Mitarbeiter umgebracht (wie ein Mensch, speziell ein zehnjähriges Mädchen, dazu fähig sein sollte, ohne Hilfsmittel das gesamte Personal einer Psychiatrie umzubringen, wird natürlich nicht erklärt), und die Regierung beschloss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Man brachte sie in einen speziell eingerichteten Raum, wo man versuchte, sie auf humane Art zu töten, aber irgendwas ging schief, und sie starb nach mehreren Stunden unter heftigen Qualen. In diesem Kettenbrief wird behauptet, dass derjenige, der ihn nicht an zehn andere Kontakte weiterleitet, von ihr heimgesucht würde; sie würde ihm dann die Kehle durchschneiden, woraufhin er einen langsamen, qualvollen Tod erleide. Die Geschichte an sich ist schon extrem schauerlich, wie ich finde - ebenso wie die Drohungen.

Die letzte Geschichte, auf die ich noch eingehen will, ist die von Carmen Winstead, einer 17jährigen Schülerin. Sie war mit ihren Eltern in eine andere Stadt gezogen, so dass sie ihre alte Schule und alle ihre Freunde zurücklassen musste. In der neuen Schule fiel es ihr schwer, Anschluss zu finden, und sie war die meiste Zeit alleine - eine Situation, die auch ich nur allzu gut kenne. Dann allerdings lernte sie eine Clique von fünf Mädchen kennen, von denen sie anfangs dachte, sie seien ihre Freundinnen. Sie fand allerdings heraus, dass die Mädchen hinter ihrem Rücken schlecht über sie redeten und böse Gerüchte in die Welt setzten. Nachdem sie sie zur Rede gestellt hatte, kam es zu offener Aggression; sie wurde immer mehr von diesen Mädchen gemobbt, bis sie beschloss, mit ihrem Lehrer darüber zu reden. Doch dazu kam es nicht mehr. In der Schule fand eine Feueralarm-Übung statt, und nachdem sich alle Schüler im Hof versammelt hatten, bedrängten die fünf Mädchen Carmen und schubsten sie schließlich in einen offenen Kanalschacht - sie wollten sie vor der gesamten Schule demütigen. Als dem Lehrer auffiel, dass sie nicht da war, und die Mädchen verkündeten, sie sei in den Gully gefallen, fand man sie dort mit verdrehtem Hals und abgerissenem Gesicht - sie hatte sich bei dem Sturz das Genick gebrochen und war tot. Die Mädchen erzählten der Polizei, sie hätten gesehen, wie Carmen selbst in den Schacht gestürzt sei, und ihr Tod wurde als Unfall zu den Akten gelegt. Monate später hätten die fünf Mädchen E-Mails bekommen, in denen es hieß, Carmens Tod sei kein Unfall und sie sollten sich stellen. Als dies nicht geschah, wurden sie nacheinander tot in eben diesem Kanalschacht gefunden, mit abgerissenem Gesicht und verdrehtem Hals. Anschließend seien auch andere ihrer ehemaligen Mitschüler, die dieser Geschichte nicht glaubten, auf dieselbe Weise umgebracht worden. Die ganze Geschichte ist frei erfunden - nicht frei erfunden ist jedoch der Kettenbrief, der sie erzählt und dem Empfänger damit droht, ihn auf dieselbe Art und Weise umzubringen, sollte er diesen Brief nicht weiterleiten.

Kettenbriefe können schon ganz schön ärgerlich und manchmal auch recht lustig sein. Die Beispiele, die ich gebracht habe, sind alles andere als lustig. Die einzige Möglichkeit, solch verstörende Botschaften möglichst zu reduzieren, ist, diese Nachrichten nicht weiterzuleiten. Erwachsene wie ich - und wie meine geschätzten Leser - lassen sich durch solche Geschichten nicht mehr so leicht einschüchtern. Aber Jugendliche, die weitaus weniger gefestigt sind und auch noch keine Lebenserfahrung haben, können durch solche Geschichten ganz schön Angst bekommen. Es gab auch schon zu Zeiten, als Kettenbriefe hauptsächlich auf die Post angewiesen waren, ziemlich grenzwertige Inhalte, aber ich habe das Gefühl, dass sie seit der Verbreitung des Internets weitaus heftiger geworden sind. Ich jedenfalls erinnere mich nicht daran, dass früher behauptet wurde, sie wären von irgendwelchen Geistern geschickt worden, die mit Umbringen drohten. Und mir ist auch kein Beispiel bekannt, dass irgendwann einmal ein Kettenbrief in Umlauf war, der tatsächlich auf einer wahren Geschichte beruht.

Also merkt euch eins - passt auf, welche Nachrichten ihr verbreitet!

vousvoyez

Mittwoch, 25. Juli 2018

Mach das Fenster zu, es ist zu viel Luft hier drin!

(c) vousvoyez
Tja, zu viel Luft kann einem das Leben ganz schön versauen. Wobei es das erste Mal war, dass ich gehört habe, dass sich jemand über zu viel Luft beschwert. Fremdsprachen können schon ein ganz schöner Stolperstein sein - auch wenn man sie schon Jahre benutzt. Noch schlimmer - wenn man nach einer Information sucht, die fast nur in einer Sprache zur Verfügung steht, die man kaum beherrscht. So ging es mir beispielsweise letzten Samstag. Was mich zu meinem Thema bringt. Ein Thema, das aktuell viele Mitglieder unserer weitläufigen Internet-Familie zu beschäftigen scheint. Aber mal zum Anfang.

Wer mich kennt, weiß vielleicht, dass ich unter anderem auch ein Faible für gruselige Geschichten habe. Geschichten, die einem auch schon mal Angst machen können. Von der Persönlichkeit her bin ich allerdings eher rational und realistisch eingestellt. Ich habe in meinem Leben schon oft die Erfahrung gemacht, dass hinter vielen spektakulär mysteriösen Geschichten enttäuschend unmysteriöse Erklärungen stecken. Was wahrscheinlich daran liegt, dass die Phantasie oft weitaus aufregender ist als die Realität. Als ich ein Kind war, erzählte mir meine Mutter oft, dass sie sich, als sie mit meinem Bruder den Film "Halloween" angeschaut hat, so gefürchtet hat, dass sie sich nicht allein aufs Klo getraut hat. In ihrer Erzählung klang auch alles ganz spannend und unheimlich. Als ich dann älter war, war ich dann mal allein zu Hause und dieser Film lief im Fernsehen. Voller Vorfreude sah ich ihn mir an, war dann aber schrecklich enttäuscht - ich fand ihn nicht halb so gruselig, wie die Erzählung meiner Mutter vermutet hätte.

So, jetzt zu der Geschichte: Manche von euch werden möglicherweise schon davon gehört haben. Ich muss ehrlich sagen, dass ich bis letzten Samstag so gut wie nichts davon wusste - und dem auch keine Beachtung geschenkt habe. Nachdem ich davon erfuhr, habe ich versucht, mich umfassend zu informieren, musste aber feststellen, dass außer ein paar YouTube-Videos kaum Google-Treffer außerhalb des spanischen Sprachraums existierten. Mittlerweile ist das aber anders geworden. Der Trend verbreitet sich rasend schnell. Da inzwischen genügend Quellen existieren, wo man sich informieren kann, will ich jetzt nicht so detailliert darauf eingehen wie ursprünglich geplant - ich versuche nur, einen Überblick zu verschaffen.

Im Großen und Ganzen geht es um eine Handynummer aus Japan mit einem unheimlichen Whatsapp-Account. Das Profilbild dieses Accounts ist tatsächlich gruselig - ein Gesicht mit riesigen, hervortretenden, lidlosen Augen, einer Nase, die aussieht, als wäre ein Auto drübergefahren, und einem diabolisch grinsenden Mund, der von einer Seite des Gesichts zur anderen zu reichen scheint. Der Name dieser Figur soll Momo sein.

Anfangs wurde berichtet, dass Momos Profil plötzlich in den Kontakten anderer Leute auftauchte und kryptische Botschaften verschickt haben soll. Andere haben diese Nummer offenbar in ihr Handy gespeichert und diese Person angeschrieben, woraufhin sie Beleidigungen, Drohungen sowie Bilder erhalten haben sollen, die zerstückelte Leichen zeigten. Außerdem soll diese Person private Details über ihren Chat-Partner gewusst haben, von denen niemand weiß, wie sie diese in Erfahrung gebracht haben soll.

So weit, so gut. Wie in vielen Artikeln und Videos bereits erklärt, handelt es sich bei diesem unheimlichen Profilbild um das Foto einer Skulptur aus einer Ausstellung in Tokio über alternative Kunst - eine gruselige Gestalt, die aus diesem Kopf mit Vogelfüßen besteht. Es gibt zwar inzwischen auch Videos auf Instagram mit diesem Gesicht - aber wir wissen ja, wie einfach es mittlerweile ist, Videos zu bearbeiten. Im Großen und Ganzen kann man davon ausgehen, dass das Ganze ein schlechter Scherz war von einer oder mehreren Personen, die andere einfach nur zur Gaudi in Angst und Schrecken versetzen wollten. Das Problem ist nur, dass dieser Scherz zu einem Selbstläufer geworden ist.

Denn die drei Nummern, bei denen es sich um die Originale handeln soll - die schon erwähnte aus Japan, eine weitere aus Kolumbien und eine aus Mexiko - sind nicht mehr aktiv. Dennoch gibt es immer noch zahlreiche YouTuber, die sich dabei filmen, wie sie angeblich die japanische Originalnummer kontaktieren und tatsächlich Antwort bekommen. Eine Person geht sogar so weit, zu behaupten, Momo habe sie bis vor ihre Haustür verfolgt. Dies ist jedoch nur eine denkbar billige Methode, um möglichst oft angeklickt zu werden. Und meiner Meinung nach auch unverantwortlich - viele dieser Personen, die diese Videos machen, sind erwachsen und versetzen Jugendliche unnötig in Angst und Schrecken, denn es gibt ganz offensichtlich immer noch sehr viele, die sie trotz gegenteiliger Belege weiterhin für echt halten.

Das wirklich Gefährliche an der Sache ist jedoch, dass es mittlerweile wohl zahlreiche Nachahmer gibt. Sie verschicken Kettenbriefe, deren Inhalt auffällig an die Teresa-Fidalgo-Geschichte erinnert ( eine Horrorgestalt trägt meinen Vornamen, warum haben die mich nicht gefragt???) und die teilweise sogar Todesdrohungen erhalten, sollte der Empfänger diesen Kettenbrief nicht weiterschicken (wobei der Inhalt sowohl stilistisch als auch inhaltlich sehr kindlich ist), sie fordern Whatsapp-User auf, persönliche Daten von sich preiszugeben (Name, Adresse usw.), sie versetzen Menschen in einem sensiblen Alter - also Jugendliche - unnötig in Angst und Schrecken. Und ab da hört es auf, lustig zu sein.

Wobei ich mich frage, warum es immer noch Menschen gibt - nicht nur Jugendliche, sondern auch meines Alters! -, die aus lauter Neugierde und Sensationslust unbedingt nach diesen Profilen suchen müssen? Ich denke in letzter Zeit oft daran, dass George Orwell mit seinem Roman 1984 schon recht hatte, aber es sich wohl nie träumen hätte lassen, dass man die Menschen gar nicht dazu zwingen muss, privateste Dinge von sich preiszugeben - sie tun es freiwillig! Und manchmal denke ich auch an diesen Jugendtrend, den es vor kurzem gab, als es plötzlich cool war, diese Waschmitteltabs in den Mund zu nehmen und darauf herumzukauen - mit einem Wort, dümmer zu sein als jedes Kindergartenkind, denn die wissen, dass man so etwas nicht tut. Obwohl man weiß, dass es gefährlich sein kann, diese Nummer zu suchen - nicht, weil es dieses Momo wirklich gibt, sondern weil man sich ungeheuer angreifbar macht, indem man seine eigene Nummer einer wildfremden Person preisgibt - und ihr somit die Möglichkeit gibt, an den privaten Inhalt des eigenen Handys zu kommen.

Ich schreibe über dieses Thema, weil ich echt erstaunt bin, wie schnell sich so ein Trend durch unsere vernetzte Welt mittlerweile verbreitet - und dies auch zum Ausdruck bringen will. Und weil ganz offensichtlich nicht nur Jugendliche, sondern mittlerweile auch Erwachsene auf diesen Zug aufspringen. Und weil ich hoffe, dem einen oder anderen vielleicht deutlich machen zu können, dass man nicht jede Modeerscheinung einfach mitmachen soll. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, braucht ihr nur zu googeln - es ist alles da, und es gibt zum Glück inzwischen auch seriöse Aufklärungs-Videos auf YouTube.

In diesem Sinne, haltet die Augen offen!

vousvoyez

P. S.: Falls irgendjemand nach wie vor nicht davon überzeugt ist, dass diese YouTube-Videos gefaket sind, oder jemanden aufklären will, gibt es dazu ein aufschlussreiches Video - einfach den Link anklicken. Im übrigen sind die User MythenAkte und CreepyPastaPunch ein heißer Tipp für all jene, die nach seriösen Videos zu dem Thema suchen.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Man soll seine Arbeit nicht mit nach Hause nehmen, außer man arbeitet in einer Brauerei

(c) vousvoyez
Trotzdem lässt es sich nicht vermeiden, dass man etwas vom Arbeitsalltag mit nach Hause nimmt. Und neben der Arbeit auch noch zu bloggen, ist nicht immer einfach. Obwohl der eine oder andere Arbeitskollege auch hin und wieder für eine "Weisheit der Woche" gut ist. Besonders derjenige, der mir diese geliefert hat - und auch schon für zwei weitere, von mir schon besprochene Weisheiten Pate stand.

Also, was sind die Weisheiten der Woche? Ganz einfach - das sind aufgeschnappte, manchmal auch von mir selbst entwickelte Sätze, die einen Anstoß zu meinen jeweiligen Gedanken geben sollen. Manche haben auch nicht unmittelbar etwas mit der Aussage dieser Sätze zu tun - und trotzdem ist es immer wieder interessant, wohin sie mich manchmal tragen. Ab und zu will ich auch über etwas anderes schreiben - und muss dann die Kurve kriegen von dem Titel eines Artikels bis zu dem, worüber ich eigentlich erzählen will.

Ich habe lange gebraucht, ehe ich überhaupt mal anfangen konnte, einen Blog zu publizieren, weil es so viel Zeit in Anspruch genommen hat, bevor ich mir klar war, was ich eigentlich schreiben will. Und vor allem, wie dieser Blog eigentlich aussehen soll. Die besten Ideen kommen immer unmittelbar. Mein Bruder hat einmal erzählt, die besten Einfälle hat er immer an einem stillen Örtchen. Was ich von mir nicht unbedingt behaupten kann - ich kann eigentlich gar nicht sagen, wann und wo ich die besten Ideen habe. Die Idee der "Weisheiten der Woche" kam mir zum Beispiel, als ich mich nach einem anstrengenden Arbeitstag durch diverse Youtube-Videos geklickt habe. Da bin ich auf den Satz gestoßen "Wie kann man berühmt werden, wenn man nur heimlich spioniert?" Es tut mir wirklich leid, ich weiß echt nicht mehr, wo ich den gehört habe. Aber da habe ich mir gedacht, eigentlich könnte ich doch solch kuriose Sätze zum Programm machen. Dann habe ich mich hingesetzt und ein paar andere Sätze aufgeschrieben, die ich lustig fand und von denen ich mir vorstellen konnte, dass sie auch andere lustig finden. Bewusst ohne den Urheber zu nennen und ohne auf berühmte Zitate zurückzugreifen - weil diese für sich selbst stehen sollten. Dann habe ich sie wöchentlich auf Facebook gestellt, um zu sehen, wie andere darauf reagieren. Die Antworten waren durchaus positiv - viele meiner FB-Freunde haben mir rückgemeldet, dass sie immer schon auf die nächste Weisheit warten. Leider bin ich nicht mehr so konsequent wie früher - weil es nicht leicht ist, jede Woche einen guten Satz zu finden. Aber da meine Reihe schon über ein Jahr läuft, habe ich einen ordentlichen Fundus gewonnen, also wird dieser Blog weiterhin gute Wachstumschancen haben.

Es dauerte noch einige Zeit, bis ich aus meinen Weisheiten auf Facebook einen Blog machen konnte - was vor allem daran lag, dass ich erst checken musste, wo ich ihn am besten erstellen kann. Und ich habe mich durch verschiedene Blogs gelesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie so etwas aussehen sollte. Natürlich ist das, was ich schreibe, nicht so spezifisch wie in den meisten anderen Blogs - die meisten haben ein Thema. Ich stieß auf einen Blogger, der Artikel aus der Vergangenheit zu einer amüsanten Internetseite verwoben hat, die besonders die Herzen von Nostalgie-Fans höher schlagen lässt. Eine junge Frau schrieb auf ironische Weise über ihre Magersucht, eine andere versuchte, durch Bloggen ihr Übergewicht zu akzeptieren. Ein paar Damen versuchten, einen offiziellen Gedenktag für die "Opfer" der Trennung von Take That durchzuboxen - darüber möchte ich übrigens auch noch was schreiben - und eine Person schrieb Filmkritiken. Zu praktisch jedem Thema gibt es einen Blog - und ich habe einen, in dem fast jedes Thema vorkommt.

Liebe Leser, ich danke euch allen, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, diese Seite anzuklicken und zu lesen. Ich hoffe, es werden noch viel mehr - denn der Inspiration schlägt keine Stunde.

vousvoyez

Freitag, 27. April 2018

Ganz dumme Vögel seilen sich ab, wenn das Nest brennt

(c) vousvoyez
Dumme Vögel gibt es überall. Und dumme Leute auch. Genauso wie es überall intelligente Vögel und intelligente Leute gibt. Ich bin über die Intelligenz mancher Vögel immer wieder erstaunt. Mein Freund hat erzählt, dass sein Arbeitskollege einmal Steine nach ein paar Krähen geworfen hat. Daraufhin hat ihm eine der Krähen in der Mittagspause die brennende Zigarette direkt aus der Hand geklaut - und das war auch noch seine letzte. Erstaunlich daran ist schon mal - wie kann ein Vogel wissen, dass es einem Menschen so wichtig ist, so ein Kraut anzuzünden und in die Lunge zu ziehen? Anderes Beispiel - vor vielen Jahren wohnte ich einmal unter dem Dach. Den ganzen Tag hörte ich das nervtötende Gurren der Tauben - einmal flog eine sogar ins Klo, und ich hab sie mit dem Besen rausgejagt. Meine Mitbewohnerin, die das Balkonzimmer hatte, hat sich dann so einen Plastik-Raben angeschafft - der war nur nach wenigen Tagen voller Taubenscheiße. So dumm sind die also doch nicht.

Manche Menschen kommen mir im Vergleich zu Tieren sogar noch doofer vor. Ach ja, übrigens soll im August wieder mal die Welt untergehen. Wer sich darauf vorbereiten will, sollte meinen Artikel Ein Steinbock fliegt nicht herum lesen. Man sollte doch für alle Eventualitäten gewappnet sein, oder etwa nicht? Immerhin bereiten wir uns schon seit dem Mittelalter auf die Apokalypse vor. Mir fällt da eine Panorama-Doku aus den Siebzigern ein, die ich mal gesehen habe - da bereitet sich ein Familienvater auf den bevorstehenden Atomkrieg vor. Mit der damals gängigen Methode, sich erst mal mit Wasser abzuspritzen, ehe man in den Atombunker darf - damit der Atom ja nicht mitgeschleppt wird. Clever, gell? Übrigens wurde der Atom in dem James-Bond-Film Die Welt ist nie genug leuchtend blau dargestellt. Wenn alles nur so einfach wäre!

Und wenn man sich dagegen die Tiere ansieht: Junge Schimpansen trösten einen von ihnen, der von einer erwachsenen Schimpansin am Finger verletzt wurde. Eine Krähe organisiert sich ihr Futter mittels eines abgebrochenen Astes. Als ich einmal weinend im Park saß, setzte sich ein Hund neben mich und ließ mich nicht allein, bis ich mich beruhigt hatte. Als ich zum ersten Mal ritt und Angst hatte, blieb das Pferd immer wieder stehen, sobald die Angst zu groß wurde. Elefanten gehen noch nach Jahren zu dem Ort, wo einer der Ihren gestorben ist, und trauern um ihn. Ich wette, René Descartes hat das alles nie gesehen, als er die Behauptung aufstellte, dass Tiere Maschinen seien.

Ich weiß, man soll Tiere nicht vermenschlichen - und was bedeutet das? Der Mensch ist sicher nicht die Krone der Schöpfung. Das zeigt sich schon bei der Geburt - die Schmerzen sind keine Strafe Gottes, weil vor Jahrtausenden eine Nackerte einen Apfel gegessen hat, sie sind einfach die logische Konsequenz dessen, dass wir angefangen haben, aufrecht zu gehen. Und dann haben wir uns über den Rest der Welt erhoben und behauptet, wir allein hätten das Recht, über alles zu bestimmen. Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt - das weiß niemand. Ich weiß nur eines: Nämlich dass wir uns wichtiger nehmen, als wir eigentlich sind. Und dass wir durch unseren Hochmut verlernt haben, demütig zu sein gegenüber dem, was uns umgibt - nämlich gegenüber der Natur und unseren Mitgeschöpfen. Denn wenn es einen Gott gibt, sind wir alle seine Geschöpfe - egal ob Tier oder Mensch, egal aus welchem Teil der Welt und egal wie wir aussehen.

vousvoyez

Donnerstag, 12. April 2018

Jeder braucht im Leben seinen Monk-Moment

(c) vousvoyez
Ich gebe zu, originell zu sein ist nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn man jede Woche geistreich sein sollte. Dieser Satz kam aus einer Zeit, als ich im Verkauf arbeitete und die langen Stunden, in denen nichts los war, damit verbrachte, Taschen nach dem Prinzip des Farbsprektrums zu ordnen. Dabei dachte ich daran, wie sehr eine populäre Fernsehserie in unseren Sprachschatz eingegangen ist. Und ich machte mir Gedanken darüber, wie sehr das Fernsehen mehrere Generationen geprägt hat.

Ich weiß von den Leuten, die diese Zeit erlebt haben, und auch aus Büchern, Kabarett und dem Fernsehen selbst, was für eine Sensation das Fernsehen in den fünfziger Jahren (des letzten Jahrhunderts, wenn es unbedingt sein muss) gewesen ist. Wer einen Fernseher besaß, musste alle Nachbarn zu bestimmten Sendungen einladen. Fernsehen war früher eine kollektive Angelegenheit, und in mancher Hinsicht ist es das noch heute. Aber vieles ist verschwunden. Als ich ein Teenager war, sprach man in meiner Schule über die letzte Wetten, dass...?-Sendung, und ich hatte die auch gesehen. Als ich ein Kind war, hatten fast alle in Österreich nur zwei Programme. Die ersten Kabelanschlüsse und Satellitenschüsseln spalteten die Kindergesellschaft; die einen konnten mitreden, weil sie auch deutsche Programme empfingen, die anderen konnten nicht mitreden, weil sie nur den ORF kannten. Für mich war es ein Segen, wenn ich bei Freunden auch ein paar der anderen Sender sehen konnte. Dann konnte ich auch in der Schule ein bisschen mitreden.

Aber einige Erinnerungen teilen alle aus meiner Generation. Wir kannten alle (Kinder)Serien wie Biene Maja oder Wickie und die starken Männer, wir kannten auch Asterix und Lucky Luke, wir kannten die Schlümpfe, Pumuckl und die Simpsons, Alfred J. Kwak, die Peanuts und Pinky & The Brain. Manche Sendungen vermisse ich bis heute. Zum Glück kann man viele im Internet sehen, und manche werden ab und zu auch im Fernsehen gezeigt.

Vieles, was passiert ist, erfuhr man übers Fernsehen. Den Mord an John F. Kennedy habe ich nicht erlebt, ebenso wenig wie die erste Mondlandung oder die Attentate der RAF. Für den Fall der Berliner Mauer war ich zu jung - mit fünf Jahren bekommt man so etwas wohl nur mit, wenn man unmittelbar vor Ort ist. Aber ich erinnere mich, wie ein Freund aus dem Kindergarten mir zuvor gesagt hatte, in Deutschland seien die Russen. Ich verstand nicht was er meinte und nannte sie "Rüsseln". Und ich weiß auch, dass mein Vater immer sauer war, wenn wir spielten, dass wir gegen die Russen kämpften. Er wollte nicht, dass ich im Hass gegen andere Völker aufwuchs. Bin ich eigentlich auch gar nicht. Für mich war es ein Spiel - mehr nicht.

Das erste Ereignis, an das ich mich erinnere, wo auch jeder sagen kann, was er damals gemacht hat, war der 11. September 2001. Ich war 17 Jahre alt, und es war der letzte Tag der Sommerferien - danach fing mein letztes Schuljahr an. Meine Eltern kamen vom Einkaufen nach Hause, und während ich ihnen half, die Sachen einzuräumen, erzählte mein Vater, dass ein Flugzeug in das World Trade Center geflogen war. Ich verstand erst nicht, was er meinte - hatte Roland Emmerich sich einen Scherz erlaubt, um einen neuen Film anzupreisen? Die nachfolgenden Stunden sind für mich bis heute unbegreiflich - nichts war mehr so, wie es zuvor gewesen war. Ich verstand auf einmal, dass wir angreifbar waren - auch wenn wir bisher geglaubt hatten, Krieg und Terror seien ganz weit weg. Am nächsten Tag sah ich die Schlagzeile groß in der Zeitung: "Die Welt in Angst". In der Schule sprachen wir kaum über etwas anderes.

Heute werden Nachrichten neben dem Fernsehen auch über das Internet verbreitet. Wir fühlen uns nicht mehr sicher, weil wir glauben, dass wir angreifbarer sind als früher. Die Wahrheit ist - wir waren immer angreifbar. Unser Friede ist kostbar, und er ist ins Strudeln geraten. Die Generation nach uns hat keinen Begriff mehr davon, was einst in Europa passiert ist - hoffen wir, dass sie es nie erfahren werden.

Let's hope for peace!

vousvoyez

Samstag, 31. März 2018

Wer andern eine Grube gräbt, ist selbst ein Schwein

(c) vousvoyez
Und wer anderen nichts gönnt, sollte sich nicht wundern, wenn das irgendwann einmal auf ihn selbst zurückfällt. Braunes Gewäsch war in seligen Zeiten einmal ein Skandal. Heute ist das normal, und wir merken es nicht einmal. Wir finden es sogar richtig. Entweder man brüllt "Ausländer raus" oder man akzeptiert die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen, nur weil sie ihren Ursprung in einer anderen Kultur haben. Wer dazwischen steht, hat es heutzutage schwer. Und eigentlich ist der Titel dieses Artikels eine Beleidigung - für alle Schweine dieser Welt, die nichts dafür können, dass sie mit Menschen in Verbindung gebracht werden, die als solche bezeichnet werden. Wenn ich es mir recht überlege - kein Schwein hat mir jemals etwas getan. Aber ich habe schon vielen Schweinen was getan - ich habe sie verspeist und mich in ihre Haut gekleidet. Also ist wohl jedes Schwein besser als ich.

Übrigens, interessant ist: Laut Statistik hat dieser Blog mehr Leser aus den USA und Peru als aus Deutschland. Woher das wohl kommt? Gibt es in den USA eine Underground-Community, die mich als neue Göttin ansieht, die dabei helfen soll, das Trump-Regime zu stürzen? Da gibt es ja viel, worüber man diskutieren kann. Was mich in letzter Zeit wieder erschüttert hat, ist dieses legere Waffengesetz. Der Anschlag auf die Columbine High School passierte in meiner Jugend - aber bis heute hat sich an diesem Gesetz nichts geändert. Warum nur? Ganz einfach - weil vielen das Geld offenbar wichtiger ist als das Leben der eigenen Kinder. Und anstatt nicht jedem psychisch labilen Kind ein Maschinengewehr in die Hand zu drücken, denkt man darüber nach, die Lehrer zu bewaffnen. Mhm, sehr effektiv - mit noch mehr Waffen kann man auch bestimmt ruhiger schlafen. Sicher, in anderen Ländern sind die Waffengesetze ähnlich leger, und trotzdem passiert weit weniger - Tatsache ist aber, in den USA ist das nicht so! Und wenn ein Gesetz in der Form nicht funktioniert, gehört es eben verschärft, punktum. Warum muss man darüber diskutieren?

Warum mich das so aufregt, obwohl ich keine Amerikanerin bin oder wohl sein werde? Ganz einfach - weil mir Schusswaffen schon lange suspekt sind. Weil es nicht leicht ist, so viel Leid zu ertragen, das durch so unnötige Gesetze geschaffen wird. Und weil viele die USA als Vorbild sehen - was dort in ist, kommt in Europa über kurz oder lang auch irgendwann in Mode.
Was mich betrifft, ich war nie wirklich Amerika-Fan. Obwohl ich einen Besuch von Städten wie New York, New Orleans oder San Francisco nicht abgeneigt wäre. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und eines ist sicher - ich werde dort ohnehin keine Kinder großziehen.

Ich hoffe, liebe Amerikaner, ihr fühlt euch jetzt nicht angegriffen. Ich habe es in einem anderen Artikel schon einmal geschrieben - Idioten gibt es überall, und nette Leute ebenso. Wie unsere aktuelle Regierung zeigt, wimmelt es auch in meinem eigenen Land von Idioten. Aber ich versuche, es nach denen zu bewerten, die nicht dazu zählen, und so halte ich es auch mit den anderen Ländern, einschließlich USA.

vousvoyez

Dienstag, 13. März 2018

Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute, ich hab den Tennisball wieder gefunden; die schlechte, ich blutte!

(c) vousvoyez
Nein, das ist kein Schreibfehler, dieser Satz lautet genau so. Er stammt von einem Jungen, der fünf Jahre jünger ist als ich. Als ich ihn kennen lernte, waren wir noch Kinder. Mittlerweile ist er mir über den Kopf gewachsen. So wie die meisten Jungs, die ich schon von Kindesbeinen an kannte. Man spielt miteinander in der Sandkiste, man schaukelt bis zur völligen Erschöpfung, man pubertiert und hat sich nichts mehr zu sagen, man verliebt sich mehrere Male und immer ist es die große Liebe, und irgendwann ist man dann erwachsen und fragt sich, wo die Zeit hin ist. Das glatzköpfige Baby, das mich das erste Mal zur Tante machte, ist mittlerweile bald siebzehn. Viele aus meiner alten Klasse haben schon selbst Kinder. Und der Sohn meines Partners ist gerade volljährig geworden.

Ich erinnere mich gern an meine Kindheit. Auch wenn ich nicht finde, dass früher alles besser war. Die heutige Nostalgiewelle vergleiche ich gern mit der des frühen 20. Jahrhunderts, als man sich die Monarchie zurückwünschte. Verständlich, dass die Jugend in den fünfziger und sechziger Jahren nach neuen Wegen suchte - sie hatte ja nichts, woran sie sich orientieren konnte, außer der Heimatfilm-Nostalgie der Erwachsenen. Das wird irgendwann auch fad. Heute hingegen ist das Leben viel unsicherer, wir haben den Optimismus der damaligen Zeit nicht mehr. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum sich viele dorthin zurückwünschen. Aus der Ferne gesehen ist alles schön. Vieles vergisst man wohl auch mit der Zeit.

Auch ich erwische mich beizeiten dabei, wie ich einer Zeit nachtrauere, die inzwischen vorbei ist. Und dabei vieles außer Acht lasse, was damals nicht so schön war. Wenn ich darüber nachdenke, war meine beste Zeit wohl die zwischen 17 und 21. Und selbst damals war nicht alles eitel Wonne.
Aber ich bin froh, dass ich eine schöne Kindheit hatte, und dass ich so viele alte Lieder kennen gelernt habe, die sich alle großartig umtexten lassen. Hier eine Auswahl (mit Variationen):

Schlaf, Kindlein, schlaf,
dein Vater ist ein Schaf,
die Mutter ist ein Trampeltier,
was kannst du armes Kind dafür?
Schlaf, Kindlein, schlaf.

Alle meine Entchen
schwimmen im Klosett,
wenn man dann die Spülung drückt,
sind sie alle weg.

Alle meine Entchen
schwimmen im Spinat,
rutschen übers Spiegelei,
landen im Salat.

Leise rieselt die Vier
auf das Zeugnispapier,
hört nur wie lieblich es schallt
wenn Vaters Ohrfeige knallt.

Leise rieselt der Schnee,
Albert sitzt am WC,
hört nur wie lieblich er flucht
weil er das Klopapier sucht.

O Gaslatern, o Gaslatern,
wie haben dich die Hunde gern.
Sie heben hoch das rechte Bein
und flößen dir Petrolum ein.
O Gaslatern, o Gaslatern,
wie haben dich die Hunde gern.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
mir geht beim Oasch die Haut net zamm.
Ich schieb sie hin, ich schieb sie her,
die Haut beim Oasch, sie wird nicht mehr.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
mir geht beim Oasch die Haut net zamm.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
der Opa sitzt im Kofferraum.
Die Oma klescht den Deckel zu,
der Opa schreit: "Du blöde Kuh!"
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
der Opa sitzt im Kofferraum.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
die Oma hängt am Gartenzaun.
Der Opa ruft die Feuerwehr,
die Oma schreit: "Ich kann nicht mehr!"
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
die Oma hängt am Gartenzaun.

Happy Birthday to you,
Marmelade im Schuh,
Coca-Cola im Pullover,
Zucchini im Bikini.

Happy Birthday to you,
Marmelade im Schuh,
Aprikosen in der Hosen
und ein Arschtritt dazu.

Hoch soll er leben,
an der Decke kleben,
runterfallen, Popschi knallen,
ja, so ist das Leben!

Frère Jacques, halt die Klappe,
dormez-vous, blöde Kuh,
sonnez les matines, alte Waschmaschine,
ding dang dong, Luftballon.

Hänschen klein ging allein
in den Wiener Sportverein,
schießt ein Tor übers Ohr
bis der Tormann nackert war.

Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling.
Macht mir auf das Fenster, draußen sind Gespenster,
drinnen sind Soldaten, schießen mit Tomaten!
Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling.

Von den blauen Bergen kommen wir,
und der Lehrer ist genauso blöd wie wir!
Mit der Brille auf der Nase sieht er aus wie ein Osterhase,
von den blauen Bergen kommen wir!

Und falls mich jetzt jemand für kindisch hält: Nur zu! Auch unser inneres Kind braucht ab und zu mal Zeit. Also verliert bloß euren Humor nicht!

vousvoyez

Sonntag, 21. Januar 2018

Du bist heißer als jedes Bügeleisen

Der Kollege, der diesen Spruch geprägt hat, ist Experte für dubiose Komplimente. Jenes Kompliment galt allerdings nicht mir, sondern einer Kollegin, die alt genug war, seine Mutter zu sein.

Kreative Komplimente können manchmal schon ganz schön nach hinten losgehen. Werden oftmals aber auch honoriert. Als ich vor über zehn Jahren mal Urlaub in Gambia machte, sagte mir einer: "When I saw you I was thinking an angel was passing by." Ich hätte mich gefreut, hätte ich nicht gewusst, dass die meisten dieser jungen Männer bestrebt sind, ihre Heimat zu verlassen, um in Europa ihr Glück zu versuchen.

Was mich zu einem Thema bringt, das mir schon seit geraumer Zeit auf der Seele liegt, nämlich den positiven Rassismus. Das begann damit, dass ich die Autobiographie des bayerisch-nigerianischen Kabarettisten Simon Pearce gelesen habe. Eine erfrischende Alternative zu all den ernsthaften Intellektuellen, die sich schon auf den Schlips getreten fühlen, wenn man "negativ" sagt. Die waren nämlich schuld daran, dass mich der Begriff "positiver Rassismus" früher so auf die Palme gebracht hat. Man darf nichts Negatives über Schwarze sagen, aber auch nichts Positives, so nach dem Motto: "Die haben den Rhythmus im Blut." Doch nach jahrelanger Erfahrung, zehn Jahren an der Seite eines Steirers aus dem Kongo und der Lektüre von Pearce und Ayaan Hirsi Ali denke ich über die Sache doch ein wenig anders.

Als Nachfahrin der Hippie-Generation bin ich ja quasi mit positivem Rassismus aufgewachsen. Schwarze können besser singen, besser tanzen und besser Basketball spielen. Und wenn mal ein Schwarzer auf einem anderen Gebiet glänzt, als Arzt oder Schriftsteller oder von mir aus bildender Künstler, sind wir gleich ganz begeistert, weil wir das nicht so kennen. Und wenn wir mal einem begegnet sind, wird sofort die Klischeekiste ausgepackt. Und die hat es in sich. Ich möchte anmerken: Mein Partner ist in der Tat ein außergewöhnlicher Sportler, hat aber kein überragendes musikalisches Talent und tanzt wie ein betrunkener Clown. Wagt es aber dennoch, mein gewiss nicht sehr ausgeprägtes tänzerisches Talent zu kritisieren. Das aber nur nebenbei.

In meinen späten Jugendjahren kam ich dann mit weißen Dreadlock-Trägern in Berührung, die kifften und ihre Wochenenden auf Reggae-Ragga-Partys verbrachten. Ich war jahrelang auf diesen Partys, auf denen sich weiße Mädels mit grün-gelb-roten Strickpullovern afrikanischen Männern an den Hals warfen. Der Grund, warum ich irgendwann aufhörte, diese Clubbings zu besuchen, war, dass einer der DJs die Missionierung zum Rastafarismus wohl etwas zu ernst zu nehmen schien; da kamen beispielsweise ein paar Takte eines voll guten Songs von Bob Marley oder Lucky Dube, dann drückte er auf Stop und röhrte ins Mikrofon so Sachen wie "Yeah, Jah Rastafari, burn Babylon, one love, one heart, Haile Selassie I", um dann wieder das Lied von vorn abzuspielen, an der gleichen Stelle zu stoppen und wieder ins Mikrofon zu rülpsen: "Yeah, bumbo claad, blood a gonna run, one love, one heart, one destiny, one unity...", um dann mit einem weiteren Lied denselben Käse abzuspulen. Das war mir dann doch irgendwann zu viel.

Mittlerweile rollen sich mir die Zehennägel schon auf, wenn ich so Sachen höre wie: "Ach, bist du schon so lange mit deinem Freund zusammen? Das ist ja super, solche Beziehungen halten ja normalerweise nicht so lange." Was sind "solche Beziehungen"? Abgesehen von den unterschiedlichen Hautfarben ist unsere Beziehung, wie ich denke, nicht so viel anders als die anderer Menschen. Wir streiten, wir versöhnen uns, wir teilen Interessen, und ab und zu sind wir uns auch uneinig. Ich teile zum Beispiel seine Fußball-Leidenschaft nicht. Aber ich glaube, in jeder Partnerschaft braucht man etwas Eigenes. Die zweite Bemerkung, die mich auf die Palme bringt: "Mei, warum habt's ihr denn kein Kind, das wäre sicher voll süß!" Fazit: Ein weißes Baby wäre voll 08/15, ein schwarzes Baby (um das N-Wort auszusparen) "voll süß". Im Grunde genommen denken wir es ja immer noch, auch wenn wir schamhaft vermeiden, es auszusprechen. Und das dritte: "Wow, der spricht ja sogar unseren Dialekt, voll witzig!" Hier wächst inzwischen eine Generation heran, die in ihrer Abstammung weitaus heterogener ist als wir. Sollten wir nicht langsam damit aufhören, erstaunt zu sein, wenn sie auch unsere Sprache, mit der sie immerhin aufgewachsen sind, perfekt beherrschen?

Mein Wunsch: Wir sollten uns vermischen, und zwar vollständig. Jede Hautfarbe soll an jeder Uni, in jeder Toilette, auf jeder Ausstellung, in jeder Arztpraxis, in jedem Kindergarten und in jeder Schule vertreten sein. Weil dann stellen sich gewisse Fragen nicht mehr. Niemand würde mehr auf Grund von Äußerlichkeiten bevorzugt oder benachteiligt werden. Man würde lernen, normal miteinander umzugehen. Ohne einen Österreicher mit exotischerem Aussehen fragen zu müssen: "Wo kommst du denn her, sprichst du deutsch?" oder ihn prinzipiell auf Englisch anzusprechen oder so Sachen zu sagen wie: "Woher du kommen? Du Afrika?" Das würde bedeuten, dass wir unsere Vorurteile tatsächlich überwunden haben.

One love, one heart, one destiny, one unity!

vousvoyez

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Kräht der Hahn am Mist, ändert sich's Wetter, oder es bleibt wie's ist!

Ja ja, das Wetter ist ein prima Thema, um ein Gespräch anzufangen. Mal ist es zu warm, mal ist es zu kalt, mal regnet es zu viel, mal zu wenig, mal wartet man auf den Schnee, mal geht er einem auf die Nerven. Was mich betrifft, ich bin kein großer Fan dieses beliebten Small-Talk-Themas. Viel lieber rede ich über Filme. Auch über Horrorfilme. Wobei ich subtile Thriller und unvergessliche Klassiker den plakativen Splatter-Filmen vorziehe. Der beste Horrorfilm aller Zeiten ist für mich nach wie vor Nosferatu - Symphonie des Grauens. Fast hundert Jahre alt, funktioniert der Film bis heute, und das ohne Ton und in Schwarz-Weiß. Was mich zu meinem heutigen Thema bringt. Ich habe diesen Artikel etwas umgeschrieben, da die erste Version ziemlich unausgegoren war. Im Wesentlichen geht es aber um dasselbe - um Logikfehler in Horrorfilmen. Inspiriert zu dieser Idee hat mich übrigens ein alter Artikel von Umberto Eco, bei dem es um Logikfehler in Westernfilmen ging. Und eine Diskussion in einer Horrorfilm-Gruppe bei Facebook, die ich mit Freunden fortgeführt habe. Das Ergebnis liegt in folgendem Artikel vor.

Was man von Horrorfilmen lernen kann

1. Prinzipiell gilt:
  • Komische Leute sind gefährlich
  • Kinder sind gefährlich
  • Videokassetten sind gefährlich
  • Autoreifen sind gefährlich
  • Hühner sind gefährlich
  • Das Internet ist gefährlich
  • Hölzerne Spielbretter sind gefährlich
  • Puppen sind gefährlich
  • SMS sind gefährlich
  • Anrufe sind gefährlich
  • schwarzhaarige Mädchen sind gefährlich
  • Masken, Pakete, Wälder, Autos, Erbsen...
... also gib dich niemals der Illusion hin "Mir kann ja gar nichts passieren" ...

2. Wenn dir jemand sagt: "Gehe niemals an diesen und jenen Ort", geh sofort hin! Besonders ratsam ist es, in verlassenen Häusern oder dunklen Wäldern herumzuirren. Am besten alleine - ansonsten könnte dich ja jemand retten. Wenn man zu zweit oder in Gruppen unterwegs ist, tendieren die anderen aber sowieso oft dazu, schwerhörig zu sein ("Habt ihr was gehört?" - "Nein, was denn?"). Wichtig ist es auch, mindestens einmal wegen einer Katze, einem Vogel oder irgend einem anderen harmlosen Kleintier zu erschrecken.

3. Autos starten immer erst nach mehreren Versuchen, und Telefonleitungen sind grundsätzlich tot - auch wenn man noch so viel drauf herumhämmert. Wenn ihr schon im Handy-Zeitalter angekommen seid, ist grundsätzlich kein Empfang oder der Akku ist leer.

4. Nimm immer irgendeine kleine Funzel mit, eine Mini-Taschenlampe oder eine Kerze. ACHTUNG: Kerze immer genau vors Gesicht halten, ansonsten siehst du zu viel! Solltest du dich in einem Haus befinden, ja nicht das Licht anmachen - eine Kerze oder Taschenlampe macht viel mehr Stimmung! Außerdem fallen die sowieso immer aus der Hand - und sind dann auch meist kaputt.

5. Wenn man
  • eine sexy Blondine
  • ein gut aussehender, aber hirnloser Athlet oder
  • Angehöriger einer ethnischen Minderheit ist,
stirbt man immer zuerst.

6. Wer Sex hast, stirbt meist zuerst! Außerdem wird man als Frau häufig angegriffen, wenn man kaum etwas anhat

7. Eine großartige Idee ist es auch, in ein Haus zu ziehen, in dem schon mehrere Leute auf mysteriöse Art verstorben sind. Im übrigen flieht man auch grundsätzlich nie aus dem Haus, sondern immer in die oberen Stockwerke oder in den Keller! Am besten in den Keller, denn dort gibt es grundsätzlich kaum oder kein Licht. Wenn dort übrigens seltsame Geräusche, kein Licht oder rotes Licht, plötzlich Wasser oder auf einmal Nebel ist, muss man sofort nachschauen! Sonst steht einem ein langweiliger Abend bevor. Wenn ihr euch verstecken wollt, dann am besten in Schränken. Das ist so originell, da sieht garantiert nie jemand nach. Eine super Idee ist es auch, eine Türklinke mit einem Stuhl zu blockieren - das hält selbst tonnenschwere Monster eine Zeitlang auf.

8. Wenn ihr draußen in der Natur seid - Flüsse enden immer in einem Wasserfall und Höhlen stürzen grundsätzlich ein, wenn man sie verlassen will!

9. Intelligent ist es, ganz laut Sachen wie "Hallo?" und "Ist da jemand?" zu rufen. Sollte man jemanden verfolgen, ist es besonders wichtig, "Bleib stehen!" zu schreien. Das gilt übrigens auch für Cartoons.

10. Wenn ihr seht, dass aus einem Badezimmer Wasser, Blut, Nebel etc. hervorsickert, müsst ihr die Tür sofort aufmachen! Blutspuren sollten immer mit Interesse verfolgt, Schleimspuren immer angefasst und zwischen den Fingern zerrieben werden.

11. Wenn ihr wegrennt, ist es ratsam
  • erst einmal stehen zu bleiben und ein erschrockenes Gesicht zu machen,
  • immer wieder stehen zu bleiben und euch umzudrehen, um zu sehen, ob der Killer auch nachkommt
  • alle paar Meter hinzufallen
  • vorher noch die Katze zu retten
12. Wenn ihr zu Fuß vor einem Auto davonlauft, müsst ihr immer schön mitten auf der Straße rennen und dürft nicht in unwegsames Gelände ausweichen!

13. Gruppen müssen sich grundsätzlich immer trennen; Monster in Gruppen greifen nie gleichzeitig an, sondern immer einer nach dem anderen, sonst sind alle verwirrt.

14. Monster bleiben immer gerne unter extrem schweren Gegenständen stehen, die nur mit einem Seil an der Decke befestigt sind.

15. Wenn ihr den Killer überwältigt, solltet ihr die Waffe immer neben ihm liegen lassen! Grundsätzlich sterben die nie beim ersten Anlauf, und so ist es eine gute Idee, ihm gleich eine Waffe frei Haus zu liefern!

16. Bevor der Killer zur Tat schreitet, erklärt er seinem Opfer gerne lang und breit, was er vorhat und warum.

17. Und schließlich und endlich: Wenn eine Frau umgebracht wird, muss sie immer so laut wie möglich schreien. Das hilft in dieser Situation ungemein.

So, ich hoffe, ihr habt was gelernt. Und um das Maß noch voll zu machen, will ich mit einem Zitat aus Joseph Conrads Herz der Finsternis schließen: "The Horror, the Horror!"

vousvoyez

Sonntag, 10. Dezember 2017

Die Soldaten entblößten sich mit ihren Schwertern

(c) vousvoyez
Das war wohl einer der besten Übersetzungsfehler, passiert bei einer Lateinschularbeit in meiner damaligen Klasse. Der eigentliche Satz hätte lauten sollen: "Die Soldaten zogen ihre Schwerter." Wörtlich "Die Soldaten entblößten ihre Schwerter". Also so weit hergeholt ist das gar nicht. Wobei böse Zungen auch behaupten könnten, dass Freud dabei wohl auch eine Rolle spielt; denn welche Gedanken treiben ein sechzehnjähriges Mädchen wohl um?

Wobei das ja von den Jungs ja oft noch getoppt wird. Und heute sind Mädchen sowieso generell früher dran. Natürlich gab es schon zu jeder Zeit frühreife Dreizehnjährige, die eine längere Liste an Verflossenen hatten als manch andere in ihrem ganzen Leben. Aber in letzter Zeit kommt es mir so vor, als hätte es sich gehäuft. Damals, als ich sechzehn war, hatte ein ein Jahr jüngerer Freund von mir seinen ersten Sex mit einer Dreizehnjährigen, die aussah wie mindestens siebzehn und am Strand gern ihre Brüste entblößte. Ein gefundenes Fressen für alle anderen Mütter - ihre eigene war bei jenem Urlaub gar nicht dabei -, die ihr Befremden über das jugendliche Busenwunder nur allzu lautstark kundtaten. Der einzige Kommentar meiner eigenen Mutter, die älter war als die meisten anderen, war, dass sie doch einen schönen Busen hätte. Und das stimmte auch - körperlich war sie nahezu absurd ausgereift. Es gab auch eine Menge Zickenkrieg zwischen ihr, mir und meinen Freundinnen. Heute verstehe ich mich ausgezeichnet mit ihr - irgendwann wird man halt doch erwachsen.

Obgleich ich es ehrlich gesagt befremdlich finde, dass Mädchen sich in einem Alter, in dem manche meines Jahrgangs noch mit Puppen gespielt haben, schon wie Erwachsene zu verhalten versuchen. Kindheit gibt es nur einmal - wenn sie vorbei ist, ist sie vorbei und kommt nie wieder. Und die gleichen Leute, die ihre achtjährigen Töchter in Miniröcken und ausgeschnittenen Oberteilen herumlaufen lassen, kriegen fast einen Anfall, wenn es darum geht, eine Dreijährige mit unbedeckter Brust im Schwimmbad herumlaufen zu lassen - aus Angst vor Pädophilen. Der erste Trend kommt von den Hollywood-Stars, den zweiten gab es vor zwanzig Jahren auch nur in den USA, als ein zehnjähriger Junge wegen sexueller Belästigung vor Gericht stand, obwohl er seiner Schwester nur beim Pipimachen geholfen hat.

Ich weiß, dass ich als Kinderlose nicht das Recht habe, Müttern vorzuschreiben, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben. Und ich weiß, dass man als Elternteil auch mit der Zeit gehen muss - aber man kann es auch übertreiben. Übertrieben ist für mich, wenn Sechsjährige in der Straßenbahn mit dem Smartphone spielen. Wenn Zehnjährige sich anziehen wie Pubertierende. Wenn Kinder ständig bespaßt werden müssen, weil sie sich nur ja nicht langweilen dürfen - und als Erwachsene können sie dann nicht mit Frustration umgehen. Wenn man seine Kinder möglichst in lückenlose Terminpläne zwängt - und dann die Beziehung darunter leidet. Wenn man Kinder nicht Kinder sein lässt, wie sie es eigentlich verdienen.

Erinnert euch doch an eure eigene Kindheit!

vousvoyez

Freitag, 1. Dezember 2017

Mein Großvater hatte zwei Gebisse: Eins für zu Hause und eins fürs Finanzamt

(c) vousvoyez
Zugegeben, er war nicht wirklich mein Großvater, sondern der zweite Ehemann meiner Großmutter mütterlicherseits. Mein leiblicher Großvater starb bereits im Alter von 26 Jahren im Zweiten Weltkrieg. Der Stiefvater meiner Mutter bekam zwei Pensionen; jedes Jahr ging er in seinem schäbigsten Anzug, mit einem löchrigen Hut und einem lockeren Gebiss zum Finanzamt, um zu beweisen, dass er auf die beiden Pensionen angewiesen war.

Da die Menschen immer älter werden, sind Zähne mitunter ein ernsthaftes Problem. Daran ist unter anderem aber auch schlechte Ernährung schuld. Was mich zum eigentlichen Thema bringt.

Wir leben ja in einer Zeit, in der Essen nicht allein der Ernährung dient, sondern zu einem Lifestyle geworden ist. Jeder kocht, und jeder ist Anhänger einer bestimmten Ernährungsweise, und jeder Zweite fotografiert sein Essen, um es in den Social Medias zu posten. Ich muss zugeben, ich habe noch nie meine Mahlzeiten auf Facebook gepostet. Vielleicht auch, weil mir bei weitem zu viel anderer Blödsinn einfällt. Und weil jeder Simpsons-Fan weiß, dass man mit Salat keine Freunde findet. Aber letztens feierten wir mit meiner Mutter deren Geburtstag in einem heimischen Restaurant, und ich beobachtete, wie am Nachbartisch zwei junge Herren, bevor sie das Essen auch nur anrührten, ihre vollen Teller eine Ewigkeit mit Spiegelreflex-Kameras fotografierten. Ich denke, als Food-Blogger läuft man Gefahr, zu verhungern, bevor man das richtige Foto gemacht hat.

Aber das Leben ist eben einfach nicht fair. So habe ich beispielsweise einen Arbeitskollegen, der zur Mittagsjause vier mit fettigen Aufstrichen belegte Weckerln verdrücken kann, dabei aber spindeldürr bleibt, während ich manchmal das Gefühl habe, dass ich ein Salatblatt nur anschauen muss, und schon nehme ich einen halben Kilo zu. Die Sache ist nur die: Wenn jemand dick ist, traut sich niemand, etwas über sein Gewicht zu sagen. Wenn jemand dünn ist, glauben alle, sie müssen ihren Senf dazugeben. Der beste Ratschlag ist ja, mehr zu essen. Aber helfen tut das niemandem. Wer trotz hoher Kalorienzufuhr nicht zunimmt, kann sowieso nichts machen. Und Magersüchtige können nicht einfach wieder zu essen anfangen, weil der Körper sich an das Hungern gewöhnt hat - und weil die Krankheit ja suggeriert, dass man zu dick ist, obwohl man nur noch ein Strich in der Landschaft ist. Und überdies finde ich auch, niemanden geht es etwas an, ob der andere zu dick oder zu dünn ist.

Andererseits weigere ich mich aber auch, auf der Trendwelle der Ernährungsreligion mitzuschwimmen. Zugegeben, ich versuche, wenig Fleisch und viel Gemüse zu essen. Aber das Wort "Flexitarier" klingt für mich eher wie irgendeine religiöse Sekte - so wie Frutarier. Ernährung als Lifestyle treibt die kuriosesten Blüten. So gibt es Menschen, die ihre Hunde und Katzen vegan ernähren und auch noch behaupten, das sei völlig natürlich. Und das, obwohl ich noch nie eine Wildkatze Blätter oder Früchte fressen gesehen habe - sie fressen nur Gras, um die Verdauung anzuregen und das, was sie nicht verdauen können, wie Haare oder Knochen, wieder herauszuwürgen. Wie ein erwachsener Mensch sich ernährt, ist seine Sache. Aber Fleisch fressende Tiere vegan zu ernähren, ist für mich Tierquälerei. Wer nicht damit fertig wird, dass ein Hund oder eine Katze Fleisch frisst, soll sich so ein Tier nicht anschaffen. Sich Tierfreund zu nennen und so etwas zu tun, ist nichts als Doppelmoral.

So, das war's dann wieder. Ich hoffe, dass ich bald wieder richtig in Stimmung bin, um eine weitere Bombe an Weisheit platzen lassen zu können.

vousvoyez

Sonntag, 19. November 2017

Waschen tun sich nur dreckige Leute

(c) vousvoyez
Dieser Satz stammt von meinem Vater und war eine Antwort auf die Bitte meiner Mutter, sich doch endlich duschen zu gehen. Neben einem Ausdruck von Faulheit war dies auch noch eine harsche Kritik an einem Übermaß an Hygiene. Wenn wir zu Zeiten der Pest mehr Hygiene betrieben hätten, dann hätte es die Pest nicht gegeben. Aber dem heutigen Übermaß an Hygiene verdanken wir unsere ganzen Allergien und Intoleranzen. Ich bin da schon beinahe nicht auf der Höhe der Zeit, denn ich habe weder das eine noch das andere - und das, obwohl ich jeden Tag dusche. Muss ich allerdings auch, denn bei meiner derzeitigen Tätigkeit bleibt man nicht sauber.

Ständig werden neue Waschmittel, Pflegeprodukte, Putzmittel angeboten. Da sie nicht mehr können, als sauber zu machen, muss man ihnen noch hunderttausend Eigenschaften andichten, damit sie sich doch noch von anderen Produkten unterscheiden. Schon in meiner Kindheit rühmten sich Waschmittel damit, "nicht nur sauber" zu waschen - was zum Teufel sollen sie denn tun, außer die Wäsche sauber zu machen, kruzifix? Und weil Pulver und Flüssigwaschmittel zu langweilig sind, werden dann auch noch irgendwelche Tabs oder Megapearls erfunden, um den Leuten weiszumachen, dass sie noch sauberer als sauber waschen - hey, das gibt es doch überhaupt nicht, ihr Vollpfosten!

Überhaupt hat die Werbung manchmal einen Hauch von Surrealismus. Eine Supermarktkette wirbt beispielsweise mit dem Attribut "Freunde". Ich soll also Leute, die ich nie gesehen habe, als meine Freunde anerkennen? Noch besser - die Konzerne wollen uns weismachen, unsere Familie zu sein. Um Mitglied zu werden, braucht man nur eine Plastikkarte oder ein Stück gefaltetes Papier, in das Rabattmarken eingeklebt werden. Da kommen dann noch so Sätze wie "Sammeln Sie Treuepunkte?" Nein, ich sammle keine Treuepunkte! Wieso auch? Das wäre eine Lüge, und das wissen sowohl der Kassier als auch ich - denn ich bin kein treuer Supermarktkunde. Wenn ich in einem Geschäft ein bestimmtes Produkt nicht finde, gehe ich in eines mit einem anderen Namen. Dafür bekomme ich für meine Nicht-Treue dann irgendwelches Geschirr oder ein hässliches Stofftier mit viel zu großem Kopf. So als ob ich mir nichts sehnlicher wünschen würde! Und dann soll man auch noch bei irgendwelchen Gewinnspielen mitmachen - bei denen in Wirklichkeit nicht der Mitspieler gewinnt, sondern diejenigen, die dir das Gewinnspiel andrehen. Es ist wohl kein Zufall, dass mein Vater das Ausgeben von Geld für einen Lottoschein als "Deppensteuer" bezeichnet hat.

Apropos Lotto: Mich nerven Lottospieler kolossal. Denn immer, wenn ich Zigaretten kaufen will (ja ich rauche, verurteilt mich doch!) und es eilig habe, steht in der Schlange vor mir einer von ihnen und drückt der Kassierin einen Stapel Lottoscheine in die Hand, die sie dann einzeln durch ein Gerät durchziehen muss. Und dann kauft er auch noch fünf verschiedene Lottoscheine, Rubbellose und Brieflose, nur um dann endlos im Münzfach seiner Geldtasche herumzukramen. Raaaaaaaaaaah!!!! Habe ich früher übrigens auch oft im Supermarkt erlebt: Steht man an der Kassa, vor dir nur eine einzige alte Dame, die mit ihren gichtigen Fingern die letzten paar Cents aus der Geldtasche puhlt: "Warten's, ich hab's genau!" Das stellt auch meine sprichwörtliche Geduld auf die Probe.

So, jetzt ist es raus. Ich hoffe, ich lenke jetzt nicht den Hass der Nichtraucher und Lottospieler auf mich. Wenn doch: Viel Spaß und bon voyage!

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