Mittwoch, 19. September 2018

Das Fleisch ist butterzart, brauchst gar net kauen, zergeht auf der Zunge

(c) vousvoyez
Für alle Veganer unter euch: Dieser Spruch stammt aus einer Zeit, als Veganismus noch eine seltene Extravaganz war. Das muss man nämlich dazu sagen - besonders wenn man ein dermaßen großes Sammelsurium an Freunden und viralen "Fans" um sich hat wie ich. Was mich aber überhaupt nicht stört - im Gegenteil, denn so kann man einen Sachverhalt von mehreren Seiten betrachten, und der Blick über den Tellerrand fällt wesentlich leichter.

In letzter Zeit hab ich mich ja, was meine Beiträge betrifft, ziemlich in die schwurbelige Unterwelt begeben - und ihr könnt mir glauben, da findet man echt schwer wieder raus! In meinem letzten Artikel habe ich versucht, dies mit etwas Humor zu würzen. Obwohl es mir nicht leicht fällt, meine Zweifel an der Zukunft der menschlichen Intelligenz ad acta zu legen. Und Belege hierfür gibt es en masse.

Zum Beispiel das amerikanische Rechtssystem. Dieses kann Dummheit nämlich ebenfalls unterstützen - wenn es darum geht, wegen fehlender Warnhinweise zu klagen, kann es hierbei leicht mal um Millionenbeträge gehen. Was dazu führt, dass Hersteller immer absurdere Warnhinweise auf ihren Produkten anbringen. Ich hielt den Warnhinweis auf den Umhängen von Superman-Kostümen - ACHTUNG! In diesem Kostüm können Sie nicht fliegen! - lange Zeit für einen Scherz. Ich war zwar bereits in den USA, aber nicht zu Halloween. Da ich diese Information jedoch mittlerweile aus zwei voneinander unabhängigen Quellen habe (und inzwischen auch schon besser über Warnhinweise Bescheid weiß), bin ich mir sicher, dass es stimmt. Michael Mittermeiers lapidarer Kommentar dazu: "Es muss mindestens einen gegeben haben..." Michael Niavarani hingegen wetterte: "Glauben die, dass jemand, der so deppert ist, dass er glaubt, er kann mit dem Fetzen fliegen, lesen kann?"

Dass auf den Deckeln der Behälter von Coffee-to-go mittlerweile Caution hot! steht, hat sich inzwischen bekanntermaßen auch bei uns in Europa durchgesetzt. Ich verstehe überhaupt nicht, warum - eigentlich ging ich immer davon aus, dass ein heißer Kaffee gar nicht heiß ist. Aber okay. Auch der Zweck von Zündhölzern scheint manchen nicht ganz klar zu sein: Warnung! Der Inhalt dieser Schachtel könnte in Brand geraten! Außerdem ist es wohl notwendig, so manchen Führerschein-Besitzer über den Sinn eines Rückspiegels aufzuklären: Daran denken: Was im Rückspiegel erscheint, befindet sich hinter Ihnen! Auch Feuerlöscher sind keine schicke Dekoration: Inhalt nicht entflammbar! Ach so?

Die Eltern unter uns werden wahrscheinlich wissen, wie mühsam es manchmal ist, ein Kind dazu zu bringen, dass es sich waschen lässt. Auch so mancher Erwachsener scheint nicht allzu viel von Körperhygiene zu halten. Nun ist es doch aber so, dass zumindest in den westlichen Industrieländern kaum jemand mehr seine Wäsche mit der Hand wäscht, sondern eine dafür konstruierte Maschine benutzt. Wäre es nicht möglich, das widerspenstige Kind bzw. den uneinsichtigen Partner ebenfalls auf diese Weise sauber zu kriegen? Nur das nicht: Stecken Sie niemanden in diese Waschmaschine!, warnt die Verpackung eines solchen Haushaltsgerätes. Auch ist es nicht immer ratsam, in Ermangelung von Toilettenpapier nach Ersatz zu greifen: Nicht zur Körperhygiene benutzen!, rät ein Hersteller für Klobürsten. Manchmal ist es auch notwendig, die Benutzer von Toiletten darauf hinzuweisen, dass man dort nicht alles machen kann: Abziehwasser nicht zum Trinken geeignet! Überhaupt ist im Haushalt Vorsicht geboten; ein Bügeleisen-Hersteller warnt: Kleidung nicht am Körper bügeln! Man sollte es nicht für möglich halten, aber in einer Arbeitsstelle, in der ich beschäftigt war, soll so etwas tatsächlich einmal passiert sein.

Jaja, Kinder machen einem viel Freude, aber auch viel Kümmernis. Vor allen Dingen mangelt es an Möglichkeiten, sie platzsparend unterzubringen. So wird auf einem faltbaren Kinderwagen darauf hingewiesen: Kind vor dem Zusammenklappen entfernen! So was wird eben leicht mal übersehen... Aber auch das Spielzeug hält nicht immer das, was es verspricht. Ein Warnhinweis auf einem Kinderroller: Dieses Produkt bewegt sich, wenn es benutzt wird! Echt? Na ja, auf Kinder muss man eben immer aufpassen. Besonders im Haushalt, wie der Produzent eines Geschirrspülers erklärt: Erlauben Sie Kindern nie, in der Spülmaschine zu spielen! Dass nur ja niemand "spülen" mit "spielen" verwechselt!

Doch nicht nur auf Kinder, auch auf Erwachsene muss man manchmal gut aufpassen. Im Jahr 2005 bewarb Apple den neuen iPod shuffle, der kleiner war als eine Packung Kaugummi. Doch selbst die Internetseite des Elektronikkonzerns kam nicht ohne Warnhinweis aus: Den iPod shuffle nicht essen! Schade, ich hätte gern gewusst, ob Musik in meinem Magen noch besser klingt. Auch sonst sind Körperfunktionen eine Sache für sich - und so empfiehlt ein Hersteller von Fieberthermometern: Wenn dieses Thermometer rektal eingesetzt wird, sollte anschließend keine Messung im Mund durchgeführt werden. Igitt! Überhaupt sollte man aufpassen, was man in den Mund nimmt - eine Packung Angelhaken macht darauf aufmerksam: Herunterschlucken schädlich! Auch Zahnärzte sollten mit ihrer Kreativität vorsichtig sein und nicht etwa eine Tischlerfräse zweckentfremden: Nicht als Instrument zum Zähne bohren gedacht! Muss man wissen. Ebenso wie die Tatsache, dass auch Haarfärbemittel nur so angewendet werden sollten wie vorgesehen: Produkt nicht zum Verzieren von Speiseeis verwenden! Meine nächste Party fällt also schon mal ins Wasser. Auch aus der folgenden Idee wird wohl nichts, aus mir eine lebende Geburtstagstorte zu machen, denn ein Hersteller von Geburtstagskerzen warnt: Nicht als Ohrstöpsel oder für andere Zwecke verwenden, für die Einführung in Körperöffnungen nötig ist! Ihr habt übrigens bestimmt noch nicht gehört, dass auch Kettensägen unter Umständen gefährlich sein könnten: Nicht versuchen, die Kette mit der Hand anzuhalten! Man mag es sich nicht vorstellen. Aber auch bei Mixgeräten für die Küche ist Vorsicht geboten: Während der Benutzung kein Essen aus dem Mixer entfernen! Es könnte ja sein...

Ich hoffe, ihr habt das alles gut verstanden und beherzigt das auch. Wenn nicht, kommt ja nicht auf die Idee, mich zu verklagen - ich habe euch gewarnt!  Sollte ich etwas vergessen haben, wendet euch an die jeweiligen Hersteller. Auch wenn ich mitunter das Gefühl habe, dass die Menschheit auch vor der einen oder anderen Person gewarnt werden sollte. Also macht's gut und haltet die Augen offen!

vousvoyez

Mittwoch, 12. September 2018

Ihr lasst mich nicht einmal in Ruhe verblöden

Auf diese Art und Weise beschwerte sich meine Mutter darüber, dass sie als Mutter und Großmutter nicht die Zeit hat, sich der Alterssenilität hinzugeben. Andere haben zu viel Zeit - und verblöden dermaßen, dass sie ihre wertvolle Lebenszeit damit verschwenden, andere über nicht vorhandene Sachverhalte "aufzuklären" - und damit mehr Erfolg haben, als man meint. Was ich in meinem letzten Artikel auch schon erklärt habe. Doch diesmal möchte ich näher auf ein paar komplett hirnrissige Verschwörungstheorien eingehen.

In meiner Schulzeit bekam ich im Musikunterricht zufällig zweimal dieselbe Dokumentation vorgeführt - einmal mit 12 und einmal mit 15. Sie stammte aus den achtziger Jahren, und ihre Grundaussage war, dass Heavy Metal alle Jugendlichen zu Mord und Suizid verführt und dass alle Teenager, die bestimmte Rock-Platten rückwärts hören, Satanismus, Drogenkonsum oder Unzucht verfallen. Letzteres kann wohl eindeutig der Kategorie "Verschwörungstheorie" zugeordnet werden - Ersteres ist wohl eher dem Generationenkonflikt zu verdanken (in den Neunzigern hieß es ja auch, alle Jugendlichen, die Rap hören, werden kriminell).

Seit den 1960er Jahren gab es immer wieder Bands, die zum Spaß in ihre Platten Botschaften einbauten, die man hören konnte, wenn man die Platte rückwärts ablaufen ließ. Seitdem gab es immer wieder irgendwelche Leute, die versuchten, aus rückwärts gespielten Platten versteckte Botschaften herauszuhören - ein Phänomen, das mit strenggläubig christlichen Gruppierungen in den USA der 1980er Jahre seinen Höhepunkt erreichte und sogar bis vor Gericht ging. Und tatsächlich - wenn man Another One Bites The Dust von Queen rückwärts hört, erkennt man ganz deutlich die Worte "It's fun to smoke marijuana" - außerdem braucht man auch viel Phantasie und einen heftigen Dachschaden, und man muss vorher natürlich seinen Aluhut aufgesetzt haben. Und wirklich versuchte man in den Bundesstaaten Kalifornien und Arkansas, Gesetze gegen Rückwärtsbotschaften durchzusetzen. Als ich zwölf war, hat mich das schon gebührend beeindruckt - drei Jahre später war das schon ganz anders. Und da Schallplatten Mitte bis Ende der Neunziger eine Nostalgie-Angelegenheit waren und man für das Rückwärts-Abspielen einer CD ein spezielles Gerät braucht, war das für uns auch nicht wirklich Thema.

Die Ursprünge der nächsten Ideologie sind weitaus älter, und man möchte meinen, dass ihre Anhänger im 21. Jahrhundert bereits ausgestorben sind. Weit gefehlt! Und zwar geht es um die "Flat Earth Society".
In der Schule haben wir alle gelernt, dass die Menschen im Mittelalter geglaubt haben, die Erde sei eine Scheibe. Das stimmt so nicht ganz, soll aber nicht das Thema sein. Jedenfalls kristallisierte sich im 19. Jahrhundert eine Bewegung heraus, die ebendiese Meinung vertrat, aber nicht allzu viel Resonanz erfuhr. Trotzdem überlebte die Theorie aus irgendeinem Grund, seit 2009 gewinnt sie vor allem durch das Internet wieder an Popularität und heute gibt es tatsächlich Menschen, die behaupten, die Erde sei flach und von einem Ring aus Eis umgeben.
Natürlich fragt man sich, wie man so was glauben kann, wo es doch bereits Menschen gab, die im Weltall waren und die runde Erde sogar gefilmt und fotografiert haben. Die Flat Earther haben dafür eine einfache Erklärung: Das alles sei gelogen, die Aufnahmen seien alle miteinander gefälscht. Auf welche Weise man das erkennen kann, wird jedoch nicht erklärt, statt dessen werden alle Raumfahrt-Nationen seit den Fünfzigern - USA, Sowjetunion, Russland, China, Japan, Indien - als Teil einer großen Verschwörung bezeichnet, die uns ein X für ein U vormachen will. Überhaupt scheinen die Flacherdler Beweise und plausible Erklärungen für unnötig zu halten. Ihr Hauptargument: Der Horizont ist immer flach, das Wasser ist immer flach, und die Vermessungstechnologie ist zu kompliziert, als dass man ihr Glauben schenken kann - denn was ich nicht verstehe, kann nicht stimmen, und überhaupt ist die Wissenschaft ohnehin nur ein Lügengebilde. Es geht nicht darum, andere mit stichhaltigen Fakten vom Gegenteil zu überzeugen, es geht einfach nur darum, gegen alles zu sein, was die "Masse" behauptet. Das erklärt auch, warum auf Gegenargumente oft nur mit Beleidigungen geantwortet wird.
Welches Interesse aber haben die "Mächtigen" daran, uns glauben zu lassen, die Erde sei rund, wenn dem gar nicht so ist? Nun ja - wenn die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, sondern nur ein kleiner Planet in einer gewaltigen Galaxie, die auch nur eine von unfassbar vielen ist, wenn es möglich ist, dass irgendwo da draußen noch andere Lebewesen existieren, dann wäre der Mensch nicht die Krone der Schöpfung. Und wer sich für klein und unbedeutend hält, ist leichter zu kontrollieren. Und bevor das passiert, leugnet man alle Errungenschaften der Menschheit - und nutzt eine davon, das Internet, um diese Idee zu verbreiten.

Wer aber jetzt denkt, noch mehr Wahnsinn ist nicht möglich, der irrt - es geht noch abstruser. Es gibt nämlich Menschen, die der Ansicht sind, dass wir in Wirklichkeit gar nicht von menschlichen Machthabern beherrscht werden, sondern von Außerirdischen, die halb Mensch, halb Reptil sind, sich aber so verwandeln können, dass sie wie Menschen aussehen - außerdem sind sie Vampire, Satanisten und Pädophile, denn sie benötigen das Blut von richtigen Menschen, um sich verwandeln zu können. Prominente Reptiloide bzw. Echsenmenschen sind beispielsweise Queen Elizabeth, Barack Obama, Angela Merkel, Papst Benedikt XVI., Wladimir Putin, Miley Cyrus, Katie Perry und Justin Bieber. Die Anhänger dieser Theorie stützen sich bei dieser Behauptung auf schlecht bearbeitete Fotos im Internet, an den Haaren herbeigezogene Vergleiche der Körperteile Prominenter mit Reptilien, verschwommene Videos, auf Grund derer die Pupillen einer Person senkrecht erscheinen können, und Behauptungen angeblicher Augenzeugen, die so eine Verwandlung schon einmal gesehen haben wollen. Prominentester Vertreter dieser Theorie ist der englische ehemalige Profifußballer, Publizist und "Jesus" David Icke, ein merkwürdig farbloser Mann in einem türkisen Jogginganzug, der sich 1991 von der Bemerkung des Moderators einer britischen Talkshow, das Publikum würde nicht über ihn lachen, sondern ihn auslachen, überhaupt nicht beirren ließ. Übrigens sagte er damals ebenfalls den Weltuntergang voraus. Beweise hat er keine - er behauptet einfach, so wie viele andere Vertreter seiner Theorie auch. Science-Fiction ist wohl doch nicht so harmlos, wie wir glauben.

Als ob das nicht schon genug wäre, gibt es noch etwas, das unser Leben auf der Erde massiv beeinflusst. Uns ist allen bekannt, dass Flugzeuge, die in etwa 8 Kilometern oder höher über uns hinweg fliegen, durch Wasserdampf und sonstige Abgase sowie Unterdruck in Verbindung mit den niedrigen Temperaturen in dieser Höhe weiße Kondensstreifen bilden. Was ihr vielleicht noch nicht wusstet - das sind überhaupt keine normalen Abgase, sondern "Chemtrails".
Die Gefahr dieser Chemtrails ist nicht ausschließlich die Umweltbelastung, von der wir ja alle wissen. Nein, neben den üblichen Abgasen enthalten sie auch noch andere Substanzen, die absichtlich ausgebracht werden, um das Wetter zu kontrollieren und die Menschen zu schädigen! Natürlich ist das eine weitere Methode der Machthaber, um uns alle zu beherrschen und zu kontrollieren, wie könnte es auch anders sein? Neben der Beeinflussung des Wetters (Stichwort Geo-Engineering), die nur laut Aussage der manipulativen Medien reine Theorie ist, und der Kontrolle durch das Militär enthalten diese Chemtrails auch noch eine Substanz, die uns impotent macht, und beeinflussen die Ernte, wodurch die Bevölkerung sich drastisch reduzieren wird. Erzwungene Empfängnisverhütung also. Abgesehen davon verursachen sie auch Alzheimer. Schützen kann man sich nur mit falschen Steinen und potthässlichen Säulen, die für sehr viel Geld überall im Internet zu haben sind - aber für seine Gesundheit und Sicherheit sollte einem doch nichts zu teuer sein, oder?
Chemtrails lassen sich leicht "beweisen" - man braucht nur in den Himmel schauen und erkennen, dass Kondensstreifen seit den Neunzigern mehr und langlebiger geworden sind. Logisch, wenn man bedenkt, dass Flugzeuge seit damals weitaus stärker und leistungsfähiger geworden sind. Und was der ehemalige Oppositions-Kandidat unseres aktuellen Bundespräsidenten sagt, ist sowieso die reine und letzte Wahrheit! Was sagt das über uns Österreicher aus, dass er beim Wahlkampf an der Spitze dabei war? Untersuchungen belegen die Existenz von Chemtrails zwar in keiner Weise, und auch jeder Pilot und jeder, der sich mit Flugzeugtechnik auskennt, kann diese Behauptungen widerlegen, aber wer bis hierher gelesen hat, weiß sowieso, dass alle Wissenschaftler und Experten Lügner sind!

Schlussendlich möchte ich mich hier noch mit ganz speziellen Kandidaten aus der Kategorie der Verschwörungstheoretiker beschäftigen, und zwar den so genannten "Reichsdeutschen" oder "Reichsbürgern" - wohl eine moderne Version der seit dem 16. Jahrhundert allseits beliebten Schildbürger. Diese sind der Meinung, die Bundesrepublik Deutschland, so wie wir sie heute kennen, existiere rechtlich überhaupt nicht, statt dessen gäbe es immer noch das Deutsche Reich, weshalb die heutige Verfassung bzw. die Gesetze des heutigen Deutschland keine Gültigkeit hätten. Darüber hinaus sei der Zweite Weltkrieg auch keineswegs zu Ende, da es nie einen (völkerrechtlich nicht erforderlichen) Friedensvertrag gegeben hat. In Wirklichkeit sei Deutschland eine "Firma" und die deutschen Staatsbürger das "Personal", was man daran festmacht, dass Deutsche über einen "Personalausweis" verfügen (dass der Wortstamm des Personalausweises "Personalien" lautet, können wir getrost weglassen). Um all dem entgegenzuwirken, druckt man falsche Dokumente, die außerhalb der Community nirgends anerkannt werden, und weigert sich, Steuern oder Strafen zu zahlen - auch wenn man Einrichtungen und Annehmlichkeiten, die durch Steuerzahlungen möglich sind, durchaus zu genießen weiß, aber zahlen sollen das mal schön die anderen. Außerdem reichen sie auch gerne dubiose Klagen ein bei Gerichten, die sie eigentlich gar nicht anerkennen - zumindest nicht, wenn es um die eigenen Vergehen geht. Ein prominenter Reichsbürger ist unser Meister der pseudo-tiefgründigen Songtexte Xaiver Naidoo. Vertreter der Reichsbürger-Ideologie finden sich übrigens auch in Österreich - nur nennen die sich "Souveräne" oder "Freemen".

Es gibt natürlich noch mehr dubiose Gruppierungen, die merkwürdige Behauptungen verbreiten, aber das würde hier wohl zu weit führen. Bei Gelegenheit werde ich vielleicht wieder darüber schreiben, aber mal sehen - im Moment glüht mein Aluhut ein bisschen zu sehr. Und überdies wissen die großen Checker, so wie ich und wohl auch die meisten meiner Generation, dass die Welt sowieso von zwei weißen ehemaligen Labormäusen beherrscht wird, aber das wird uns von den Machthabern natürlich verschwiegen, weil sie nicht zugeben wollen, dass sie in Wirklichkeit nur Marionetten sind.

vousvoyez


Infos zu Rückwärtsbotschaften: http://www.spiegel.de/einestages/40-jahre-satanische-botschaften-rock-n-roll-im-rueckwaertsgang-a-948217.html

Infos zur Flat Earth Society: https://www.livescience.com/24310-flat-earth-belief.html

Infos zu Chemtrails: https://sedl.at/Chemtrails/Untersuchungen

Infos zu den Reichsbürgern bzw. Reichsdeutschen: https://blog.dergoldenealuhut.de/2017/04/18/reichsbuergerleitfaden/

Dienstag, 11. September 2018

Was du heute kannst besorgen, kannst du ebenso gut auch morgen

(c) vousvoyez
Dieser Gedanke, ebenfalls vor vielen Jahren von meinem (leider bereits verstorbenen) Vater formuliert, drängt sich mir oft auf, wenn es um unangenehme Erledigungen geht. Und manchmal auch in Zusammenhang mit diesem Blog. Der Grund: Es mangelt mir keineswegs an Themen, aber leider immer wieder an Zeit, und überdies ist es auch nicht immer so leicht, ein Thema zu Ende zu bringen, besonders wenn es spannend ist - und so sind meine unveröffentlichten Archive oft voll von nicht beendeten Artikeln oder solchen, die schlicht und einfach zu lang sind. Diesen hier möchte ich wieder mit einer Geschichte beginnen - aber nur mit einer ganz kurzen.

Es ist schon eine Weile her, da stieß ich durch den Facebook-Algorithmus auf einen Web-Artikel. Dieser berichtete vom Fund eines toten Landstreichers, bei dessen Untersuchung man festgestellt hatte, dass seine DNA identisch sei mit der von Bob Marley. Das Lustige an der Sache - ein paar Wochen zuvor entdeckte ich einen anderen Artikel mit genau demselben Wortlaut, nur ging es diesmal um die DNA von John Lennon.

Der frühe Tod von genialen Musikern wie Bob Marley und John Lennon löste weltweit tiefe Bestürzung aus - namentlich Lennons Erschießung, die von einem Tag auf den anderen einen Traum zerstörte. Und es ist nicht leicht, einzusehen, dass diese außergewöhnlichen Talente die Welt für immer verlassen haben sollen und nie wieder zurückkommen werden. Aber wir dürfen uns der Tatsache nicht verschließen, dass auch Superstars nur Menschen sind - Menschen mit Fehlern und Menschen, die sterben können. Und die Behauptung, es handle sich hierbei um eine Verschwörung der Medien und sie seien in Wirklichkeit noch am Leben, macht diese Tatsache nicht ungeschehen. Ich fürchte, wir werden uns damit abfinden müssen, dass Elvis & Co. tatsächlich gestorben sind - und zwar an dem Tag und so, wie wir es aus den Medien wissen. Die anerkannten Medien sind kein Quell unumstößlicher Wahrheit - aber bestimmte Sachverhalte zu behaupten oder zu vertuschen, ist eher die Sache dubioser Internet-Quellen.

Abstruse Verschwörungstheorien sind ja ein gefundenes Fressen für Leute wie mich, die gern alles durch den Kakao ziehen. Und in Zeiten des World Wide Web finden sie auch immer wieder große Verbreitung. Aber für viele sind selbst unglaubwürdige Geschichten ein unumstößlicher Fakt, und keine Verschwörungstheorie dieser Welt ist zu lächerlich, als dass sie nicht irgendwo auf unserem Planeten ihre Anhänger findet. Das Mühselige daran ist, dass diese Menschen oft auch immun gegen harte Fakten und unumstößliche Beweise zu sein scheinen - und im Gegenzug dazu auch weder das eine noch das andere liefern. Zu groß ist die Gefahr, dass sich die Verschwörungstheorie bei einer echten Überprüfung als falsch herausstellen könnte - und schwupp, schon hat man keinen Lebensinhalt mehr. Deswegen werden bei Videos bzw. Artikeln zu Verschwörungstheorien oft Teile ausgelassen, die diese widerlegen könnten - wie man bei jenen erkennen kann, die in den Flugzeug-Attentaten von 9/11 eine "kontrollierte Sprengung" sehen wollen.

Warum das so ist, kann ich nur begrenzt vermuten bzw. mich auf die Vermutung anderer stützen. Besonders wenn die eigene Lebenssituation schwierig ist, kann man die Verantwortung wunderbar abgeben, indem man die Schuld bei anderen sucht - und das ist neben dem Elternhaus und Einflüssen von außen (Stichwort Flüchtlinge) ganz oft "das System". Dieses liefert auch gleich die mundgerechte Ausrede dafür, warum man an der eigenen Situation nicht aktiv was verändert. Die zweite Erklärung ist, dass Verschwörungstheorien unsere immer komplexer werdende Welt ganz gut simplifizieren können. Durch einen großen Teil der Verschwörungstheorien wird die hochkomplizierte Menschheit in zwei einfache Kategorien unterteilt: die Guten und die Bösen - wobei man selbst natürlich zu den Guten gehört. Ein weiterer Punkt kann sein, dass Menschen sich gern aus der Masse erheben wollen - was in vielen Fällen auch die Degradierung der Gegner von Verschwörungstheorien (Stichwort "Schlafschafe") erklärt. Die Befürworter wollen gerne etwas Besonderes sein, zu einer illustren Gruppe gehören, die durch das, was sie als "Wissen" begreifen, der breiten Masse überlegen sind. Ich bin ja der Meinung, dass es dabei zeitweise gar keine Rolle spielt, ob eine Behauptung für ihre Anhänger tatsächlich glaubwürdig ist (Stichwort "Flat Earth Society"). Es reicht, wenn man etwas behauptet, das nur die Wenigsten glauben - vor allem, weil es oft schon tausendmal widerlegt ist. Wenn man es nicht geschafft hat, durch Talent oder andere besondere Attribute Aufmerksamkeit zu erregen, sucht man sich eben so etwas, um sich wichtig fühlen zu können. Was allerdings nicht bedeutet, dass alle Anhänger von Verschwörungstheorien dumm, ungebildet, geltungssüchtig oder asozial sind - leider gibt es auch unter Leuten, von denen man denken könnte, die müssten es eigentlich besser wissen, Anhänger von Verschwörungstheorien. Und nicht nur das - niemand, nicht einmal ich, ist völlig immun dagegen.

Die meisten Verschwörungstheorien sind natürlich äußerst amüsant; viele können allein durch gesunden Menschenverstand schnell widerlegt werden. Das heißt aber nicht, dass sie ungefährlich sind - die Theorie einer Weltverschwörung durch die Juden gipfelte im Holocaust; im 15. Jahrhundert kostete der Volksglaube, dass Schadenszauberer, namentlich Hexen, für Krankheiten und Naturkatastrophen verantwortlich seien, bis zu 60.000 unschuldigen Menschen das Leben, und nicht überall auf der Welt ist dies heute nur noch tragische Vergangenheit; die Weigerung, Kinder impfen zu lassen, erschwert die Ausrottung gefährlicher Krankheiten, und auch die alternative Medizin ist keineswegs so harmlos, wie viele denken - das angebliche "Wundermittel" MMS (Miracle Mineral Supplement), das als Allheilmittel für praktisch alles angepriesen wird, ist in Wirklichkeit in hohem Maße gesundheitsschädlich. Und es gibt Leute, die glauben, Hitler habe sich in Wirklichkeit für den Weltfrieden eingesetzt und der Holocaust sei nur eine Propaganda der Juden, um die Deutschen als böse dastehen zu lassen.

Was mich betrifft, mein Verständnis für diese Geschichten stößt auf seine Grenzen, wenn ich mir überlege, dass unsere Welt auch ohne Verschwörungstheorien schon genügend Probleme hat - Probleme, um die man sich eher kümmern sollte als um Chemtrails und die Abschaffung der Impfpflicht, Probleme, die den Versuch, die Welt davon zu überzeugen, dass die Erde flach sei, mehr als nur lächerlich erscheinen lassen. Doch wir erschaffen künstlich neue Probleme, die vollkommen überflüssig sind, und ziehen naive Menschen da mit rein. Wir stellen Behauptungen auf, die nachweislich falsch sind, ohne uns über die Folgen im Klaren zu sein. Aber warum muss man sich unbedingt von der Masse abheben wollen, um seine Einzigartigkeit zu beweisen? Das Besondere liegt in uns selbst, und wir sollten uns lieber darauf konzentrieren, anstatt uns selbst zur Lachnummer zu degradieren. Denn kein Mensch ist wie der andere.

vousvoyez


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Freitag, 17. August 2018

Wie der liebe Gott die Männer erschaffen hat, hat er sich nix dabei gedacht

Laut Bibel hat Gott ja zuerst den Mann erschaffen und dann die Frau. Ich denke ja, er war mit dem ersten Entwurf, dem Mann, nicht so recht zufrieden, und hat sich bei der Frau deswegen mehr Mühe gegeben. Meine Großtante wiederum behauptete, er hätte damals, als er den Mann erschuf, gerade einen schlechten Tag gehabt - und wohl deswegen nicht richtig aufgepasst.

Trotzdem wurde vor allem im Mittelalter die Frau als die Wurzel alles Bösen begriffen - was man darauf zurückführte, dass zu Anbeginn der Menschheit eine Nackerte einen Apfel gestohlen hat. Schriften, die die Hexenverbrennungen rechtfertigten, gingen sogar so weit, die Frau als Wesen zwischen Tier und Mensch einzuordnen. Wobei man auch darüber streiten kann, inwieweit ein Tier weniger wert sein soll als ein Mensch. Ich denke ja, der Mensch hat sich im Laufe der Geschichte ziemlich überbewertet. Aber das soll heute nicht das Thema sein.

Nein, heute möchte ich euch eine kleine Geschichte erzählen und auch ein wenig das ganze Drumherum auflösen. Die Geschichte ist schon älter, aber ich habe erst vor ein paar Tagen davon gehört. Vielleicht kennt sie der eine oder andere sogar - zumindest zum Teil, denn ihre Basis ist eine wahre Begebenheit.

Zu Beginn des Kalten Krieges starteten USA und UdSSR den so genannten "Wettlauf ins All". Daneben gab es jedoch noch andere Wettbewerbe zwischen den beiden Großmächten, und einer davon war die Eroberung der Tiefe - denn obgleich die damaligen Tiefenbohrungen hauptsächlich zu Forschungszwecken stattfanden, versuchten die USA und die Sowjetunion unaufhörlich, einander zu übertreffen, wenn es darum ging, das tiefste Loch zu bohren.

Am 24. Mai 1970 begann man mit der seit 1967 vorbereiteten geologischen Bohrung auf der russischen Halbinsel Kola in der Nähe der Stadt Murmansk. Anfangs wurde hierfür ein herkömmlicher Bohrturm namens Uralmasch-4E verwendet, dieser wurde jedoch 1975 durch den eigens entwickelten Uralmasch-15000 ersetzt, der in etwa die Höhe eines zwanzigstöckigen Hauses hatte. Am 6. Juni 1979 brach das Bohrloch den bisherigen Rekord des tiefsten Bohrlochs "Bertha Rogers" in Washita County/Oklahoma, das eine Tiefe von 9.583 m erreicht hatte. Doch damit gab man sich nicht zufrieden - man wollte in eine Tiefe bis zu 15.000 m vordringen.

Im Jahr 1989 erreichte die Bohrung eine Tiefe von 12.262 m. Dort herrschten nicht, wie angenommen, 100 °C, sondern 180 °C, wodurch das Vorankommen immer schwerer wurde. 1992 wurden die Bohrarbeiten endgültig eingestellt. Einige Forscher blieben noch vor Ort, um seismische und erdmagnetische Messungen durchzuführen, aber schließlich gingen auch sie, und das Loch wurde mit einer Metallkappe für immer verschlossen. Jahrelang lag die Bohrstation verlassen in der menschenleeren Einöde und wirkte, als hätte man sie überstürzt verlassen. 2009 wurde ein Viertel des Turms abgetragen, der Rest wurde einfach seinem Schicksal überlassen, und es sieht aus, als habe man den Ort überstürzt verlassen. Wie ich gehört habe, steht der Turm heute allerdings auch nicht mehr. Ich konnte darüber jedoch kaum was in Erfahrung bringen.

Auf dem Weg in Richtung Erdkern wurden einige erstaunliche Entdeckungen gemacht. So entdeckte man eine Substanz, die fast identisch mit Mondstein war, außerdem Kupfer, Nickel und Gold, 2 Milliarden Jahre alte Fossilien sowie in 6,7 m Tiefe mikroskopisch kleine Einzeller. Außerdem stieß man in großen Tiefen auf Wasser, bei dem es sich um so genanntes Kristallwasser aus dem Inneren der Mineralien handeln soll. Ich finde diese Entdeckungen fast ebenso faszinierend wie die eigentliche Geschichte, aber darum soll es jetzt nicht gehen. Also weiter.

Offiziell wurde erklärt, dass die Bohrungen wegen der großen Hitze im Erdinneren eingestellt werden mussten, da sich das Gestein bei diesen Temperaturen wie eine formbare Masse verhält. Zudem wuchs der Unmut der Regierung darüber, dass die Bohrung kaum noch Rohstofffunde abwarf. Dass die Anlagen so lange verlassen da lagen, erklärte man damit, dass nicht einmal für ihren Abriss Geld dagewesen sein soll. Aber es gibt noch eine andere Geschichte, die von vielen ins Reich der Legenden verwiesen wird, aber andere sind bis heute felsenfest davon überzeugt, dass sie wahr ist.

In einer Tiefe von 14.000 km sackte der Bohrer auf einmal ab, und der Bohrkopf drehte durch, was darauf hinwies, dass er auf einen Hohlraum gestoßen war. Die Temperatur stieg auf 1.100 °C an, und aus dem Bohrloch strömte eine gewaltige Gaswolke. Daraufhin ließ man Messgeräte herab sowie ein hitzeresistentes Mikrophon, das die seismischen Aktivitäten aufzeichnen sollte. Die seltsamen Geräusche, die über dieses Mikrophon nach oben drangen, hielten sie zunächst für Störgeräusche, also wurde alles noch einmal überprüft, das Gerät neu eingestellt und erneut herabgelassen. Was man hörte, waren menschliche Stimmen, Millionen durchdringender Schreie aus Schmerz und Verzweiflung.

Man hatte natürlich keinen Zweifel daran, was die Verantwortlichen da entdeckt hatten: Sie waren bis in die Hölle vorgedrungen! Ein Jahr später geriet eine weitere Geschichte in Umlauf. In der Nacht nach den Tonaufzeichnungen war eine Säule aus phosphoreszierendem Gas aus dem Bohrloch geschossen, und aus den Wolkenmassen tauchte eine strahlende Gestalt mit Fledermausflügeln auf; am Himmel aber erschienen die Worte "Ich habe erobert". Die Forscher waren von der sowjetischen Regierung mit Morddrohungen und Schweigegeldern allerdings vorläufig ruhig gestellt worden. Dennoch geriet eine Kopie der Bandaufnahme bereits kurz nach diesem Ereignis an die Öffentlichkeit. Einer der verantwortlichen Mitarbeiter, Dr. Dimitri Azzacove, erklärte nicht lange nach dem Fall des Eisernen Vorhangs: "Als Kommunist glaube ich nicht an Gott, aber als Wissenschaftler glaube ich jetzt an die Hölle!"

Die Geschichte mit der Gestalt mit Fledermausflügeln wurde ziemlich schnell widerlegt. Ein Pastor aus Kalifornien hörte über das Trinity Broadcasting Network, kurz TBN, das größte religiöse Fernsehnetzwerk der USA, von der Geschichte der angeblichen Schreie aus der Hölle. Tags darauf bekam er Besuch von einem Lehrer aus Norwegen, der mit ihm studiert hatte. Die beiden beschlossen, die Leichtgläubigkeit der Menschen auf die Probe zu stellen, und so fertigte er eine Falschübersetzung eines norwegischen Artikels an, in der er die Geschichte der Gestalt erzählte und dass die Anwesenden von der sowjetischen Regierung ruhig gestellt wurden. Doch trotz gegenteiliger Beweise halten viele diese Geschichte nach wie vor für echt.

Es gibt inzwischen Wissenschaftler, die überzeugt sind, dass die vermeintlichen Schreie durch Wahnvorstellungen zustande kamen, die durch die Gase zu erklären sind, die aus der Tiefe drangen. Die Geräusche selbst sind durch den Überdruck zu erklären, mit denen diese Gase aus dem Bohrloch austraten – oder auch durch die Erdbewegung, wenn das Gestein aufeinander drückt, ähnlich wie bei den „Singenden Dünen“ in der Wüste. Die angeblichen Originalbänder sind bis heute im Internet im Umlauf - allerdings gibt es keinerlei Beweise, dass sie tatsächlich von diesen Tonbandaufnahmen stammen - tatsächlich sollen sie ein variierter und mit Effekten unterlegter Remix des Soundtracks aus Mario Bavas Horrorfilm Baron Blood von 1972 sein.

Die Vorstellungen einer jenseitigen Unterwelt sind fast so alt wie die Menschheit selbst. Auch die alten Ägypter, Römer und Griechen glaubten an ein Jenseits, das den christlichen Höllenvorstellungen nicht unähnlich ist. Selbst die östlichen Religionen glauben an eine Art Hölle, ganz zu schweigen von den Juden und den Muslimen. Die Hölle war auch in der Kunst zu allen Zeiten ein wichtiges Motiv, man denke nur an den Garten der Lüste von Hieronymus Bosch. Am meisten geprägt hat unser Bild von der Hölle aber wohl Dante Alighieris Göttliche Komödie aus dem 14. Jahrhundert, in deren erstem Teil "Inferno" er die Qualen des Höllenschlunds mit nahezu sadistischer Genauigkeit beschreibt.

Natürlich ist die Vorstellung einer drohenden ewigen Verdammnis durch die Hölle das beste Mittel, um Leuten Angst zu machen und sie zu beherrschen. Als einfacher Mensch kann ich die Frage, ob es Gott, Paradies und Hölle gibt, nicht beantworten, und das ist auch nicht meine Aufgabe. Ich nehme mir aber heraus, zu behaupten, egal was die Russen damals gefunden haben, die Hölle war es mit Sicherheit nicht. Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass man tatsächlich die Hölle angebohrt hat, und die Echtheit der Tonbänder wird angezweifelt. Zwar behaupten diejenigen, die damals vor Ort waren, nach wie vor, sie hätten damals die Hölle entdeckt, aber wer weiß, was sie da tatsächlich entdeckt haben. Ich habe schon einmal erwähnt, dass spannend-mysteriöse Geschichten oft enttäuschend unmysteriöse Erklärungen nach sich ziehen. Und ich fürchte, so ist es auch mit dieser Geschichte. Natürlich gibt es auch Personen, die sich davon in ihrem Glauben nicht abhalten lassen. In YouTube-Kommentaren gab es Leute, die meinten, Adolf Hitlers Stimme herausgehört zu haben; andere wiederum behaupteten, man könne den Satz "allahu akbar" hören. Mit Phantasie geht eben alles.

Das war's dann wieder, meine Lieben, ich hoffe, ich habe euch ein wenig unterhalten und nicht zu sehr Angst gemacht, hihi! Bis zum nächsten Mal!

vousvoyez

Weiterführende Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kola-Bohrung
https://www.focus.de/wissen/schreie-aus-der-tiefe-sowjets-bohrten-1970-tiefstes-loch-der-erde-noch-heute-erzaehlen-sie-gruselgeschichten_id_8656472.html
https://www.epochtimes.de/genial/wissen-genial/tiefste-bohrung-der-welt-schaurige-geraeusche-aus-der-tiefe-bevor-loch-fuer-immer-geschlossen-wurde-a2198148.html
https://www.lamundus.de/als-die-sowjets-die-holle-anbohrten-die-kola-bohrung/
https://www.youtube.com/watch?v=VWo6kTsoiv4

Freitag, 27. Juli 2018

Oh, I have got underarm-smell, I need a deo!

(c) vousvoyez
Zwei häufige Probleme in der Pubertät: Einerseits die hormonelle Ausdünstung, die häufige Körperpflege erforderlich macht, andererseits das Absinken des Lernwillens, weshalb auch die englische Sprache zur Qual wird. Tjaja, die Zeit des Heranwachsens ist keine leichte. Aber alle müssen da durch.

In meinem letzten Post habe ich mich mit einem Phänomen befasst, der im Moment die Jugend weltweit in Atem hält. Und da ich ja leider viel zu viel Zeit und kein eigenes Leben habe (weil ich mich aktuell gerade von einem kleinen Virus erhole, und warum rechtfertige ich mich eigentlich, wenn mir eh niemand Vorwürfe macht?), habe ich mich ein wenig tiefer in das Thema hineingelesen. Leider bin ich drauf gekommen, dass ein YouTuber dieselbe Idee hatte und bei der Umsetzung etwas schneller war. Aber egal - da ich für den jungen Mann in meinem letzten Artikel bereits Werbung gemacht habe, setze ich das mal fort.

Was ich meine, sind Kettenbriefe - etwas, das wohl jeder kennt. Wie das entstanden ist und wer die Idee dazu als erster hatte, ist wohl irgendwann einmal in grauer Vorzeit verloren gegangen. Aber durch das Internet sterben sie auch nicht aus - ganz im Gegenteil, es werden immer mehr.

Meinen ersten Kettenbrief bekam ich auf die ganz uncoole, altmodische Art - per Post. Ich war damals so zwischen acht und elf Jahre alt, jedenfalls war das zu einer Zeit, als das Internet noch als Luxus galt und viele sich gar nichts drunter vorstellen konnten. Eines Tages gab mir meine Mutter einen Brief mit unbekanntem Absender. Er enthielt ein Schreiben, das erzählte, man solle diesen Brief  ich weiß nicht mehr wie viele Male kopieren und weiterschicken. Dann wurden einige Geschichten erzählt von Leuten, die das nicht gemacht hatten und die dann beispielsweise krank wurden oder eine Prüfung verpatzten, und anderen, die es taten und die dann zum Beispiel im Lotto gewannen. Meine Mutter riet mir davon ab, diesen Brief weiterzuschicken. Ich hätte auch gar nicht so viele Leute gekannt, an die ich ihn hätte schicken können. Ich warf den Brief weg und es passierte - ganz genau, nichts.

Ich bekam nie wieder einen Kettenbrief per Post. Aber ich erhielt noch viele über E-Mail, Facebook, SMS oder Whatsapp. Ich habe sie in der Regel nicht weitergeschickt (außer die Botschaft war eindeutig scherzhaft gemeint) - besonders nicht, wenn sie eine Drohung enthielten von wegen, wenn ich sie nicht weiterschicke, geschieht irgendein Unglück. Ich war auf studiVZ sogar in einer Gruppe, die hieß "Warum sterbe ich nicht, weil ich Kettenbriefe nie beantworte?"

Ganz heftig finde ich allerdings jene Kettenbriefe, die mit Folter oder gar Tod drohen - und die meist auch von angeblich Toten geschrieben wurden. So einen habe ich (zum Glück) nie bekommen, aber die scheinen vor allem unter jüngeren Leuten die Runde zu machen. Ich weiß nicht, ob das an den Sommerferien liegt, jedenfalls hört man in letzter Zeit immer wieder von solchen gruseligen Kettenbriefen.

Darauf gestoßen bin ich, als ich mich mit diesem Momo-Thema befasst habe. Das Ganze scheint ziemliche Wellen geschlagen zu haben, jedenfalls ist jetzt unter anderem auch ein Kettenbrief im Umlauf, vor dem sogar von der Polizei gewarnt wird. Wobei ich mir denke, ein von Freunden verschickter Grusel-Kettenbrief ist wohl noch das geringste Problem.

Ich habe in meinem letzten Post schon angedeutet, dass ich beim Lesen dieser Nachricht das Gefühl hatte, sie könnte nur von einem Kind geschrieben worden sein - sie ist voller orthographischer und grammatikalischer Fehler (gut, auch viele Erwachsene beherrschen die deutsche Schriftsprache nicht wirklich), und auch der Inhalt wirkt lächerlich kindisch. In dem Kettenbrief wird behauptet, Momo sei vor drei Jahren von einem Auto angefahren worden und gestorben (sehr originell), außerdem wird gedroht, wenn der Empfänger diese Nachricht nicht weiterschickt, werde Momo um Mitternacht zu ihm ins Zimmer kommen (und wer will diese schauerliche Fratze schon nachts bei sich im Zimmer haben?). Um diese Argumente zu untermauern, wird das Beispiel einer Elfjährigen gebracht, die diesen Kettenbrief nicht weiterschickte; daraufhin suchte Momo sie in der Nacht heim und am nächsten Tag fand man sie tot in ihrem Bett (seltsam - so etwas hätte doch Schlagzeilen machen müssen?). Außerdem wird von einem Fünfzehnjährigen berichtet, der die Nachricht statt an die geforderten 15 nur an sechs Leute weiterschickte; daraufhin soll er am nächsten Morgen mit einem abgefressenen Arm und einem abgeschnittenen Bein aufgewacht sein (eigentlich müsste man doch spüren, wenn einem die Gliedmaßen nachts im Schlaf abgefressen und -geschnitten werden, oder?). Am besten gefällt mir aber die Geschichte der dreizehnjährigen Linda - sie ist die Brave in der Geschichte, sie hat die Nachricht an alle weitergeschickt, daraufhin hat sie ihre große Liebe gefunden und wohnt heute mit ihrem Freund in einer Villa - Moment, sie war dreizehn??? Das heißt, heute kann sie nicht älter als 16 sein! Was bedeutet - ihr Freund muss wohl ein alter Lustmolch sein, wie wollen die beiden mit ihrem Taschengeld sonst eine Villa finanzieren?
Also wir sehen schon bei der Nachricht, der Brief ist abgekupfert und das nicht einmal besonders gut - zumindest für Erwachsene ist er leicht zu durchschauen.

Eine weitere interessante Geschichte, auf die ich gestoßen bin, ist die von Teresa Fidalgo. Sie verbreitet sich schon seit längerem in den sozialen Netzwerken. Die Rede ist von einem jungen Mädchen, das im Jahr 1983 in Portugal bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein soll. Zwanzig Jahre später tauchte ein Video auf, gedreht mit Handkamera, in dem eine Gruppe Jugendlicher gezeigt wird, die mit dem Auto unterwegs sind. Am Straßenrand lesen sie ein Mädchen auf, das ziemlich verstört wirkt. Anfangs sagt sie nichts außer ihrem Vornamen, aber dann deutet sie auf eine Stelle neben der Straße, an der sie einen Unfall gehabt haben und gestorben sein soll. Danach hört man einen schrillen Schrei, die Kamera scheint ihrem Besitzer aus der Hand gefallen zu sein, und im anschließend eingeblendeten Text wird behauptet, man habe dieses Video nach einem Autounfall geborgen - die Insassen wären alle tot.
Die Geschichte ist inzwischen schon längst aufgeklärt - sie ist frei erfunden. Es handelt sich hierbei um eine Art Werbung im Stil von Blair Witch Projekt für einen Horrorfilm, den man sich per DVD im Internet bestellen kann. Dennoch tauchte schon zu Zeiten von Studi- und SchülerVZ ein Kettenbrief auf, der angeblich von dieser Teresa Fidalgo stammen soll und in dem damit gedroht wird, dass sie neben dem Empfänger im Bett schlafen würde, wenn dieser den Brief nicht an zwanzig Personen weitergeschickt wird. Da hätte sie wohl in vielen Betten nächtigen müssen - und nein, ich finde es nicht cool, dass sie ausgerechnet meinen Vornamen trägt!

Weitaus heftiger finde ich folgende - wenn auch wieder nur frei erfundene - Geschichte:
Es handelt sich hierbei um einen Kettenbrief, der in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Darin geht es um ein zehnjähriges Mädchen namens Clarissa, das ihre Eltern umgebracht haben soll, so dass es in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Dort habe sie alle Mitarbeiter umgebracht (wie ein Mensch, speziell ein zehnjähriges Mädchen, dazu fähig sein sollte, ohne Hilfsmittel das gesamte Personal einer Psychiatrie umzubringen, wird natürlich nicht erklärt), und die Regierung beschloss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Man brachte sie in einen speziell eingerichteten Raum, wo man versuchte, sie auf humane Art zu töten, aber irgendwas ging schief, und sie starb nach mehreren Stunden unter heftigen Qualen. In diesem Kettenbrief wird behauptet, dass derjenige, der ihn nicht an zehn andere Kontakte weiterleitet, von ihr heimgesucht würde; sie würde ihm dann die Kehle durchschneiden, woraufhin er einen langsamen, qualvollen Tod erleide. Die Geschichte an sich ist schon extrem schauerlich, wie ich finde - ebenso wie die Drohungen.

Die letzte Geschichte, auf die ich noch eingehen will, ist die von Carmen Winstead, einer 17jährigen Schülerin. Sie war mit ihren Eltern in eine andere Stadt gezogen, so dass sie ihre alte Schule und alle ihre Freunde zurücklassen musste. In der neuen Schule fiel es ihr schwer, Anschluss zu finden, und sie war die meiste Zeit alleine - eine Situation, die auch ich nur allzu gut kenne. Dann allerdings lernte sie eine Clique von fünf Mädchen kennen, von denen sie anfangs dachte, sie seien ihre Freundinnen. Sie fand allerdings heraus, dass die Mädchen hinter ihrem Rücken schlecht über sie redeten und böse Gerüchte in die Welt setzten. Nachdem sie sie zur Rede gestellt hatte, kam es zu offener Aggression; sie wurde immer mehr von diesen Mädchen gemobbt, bis sie beschloss, mit ihrem Lehrer darüber zu reden. Doch dazu kam es nicht mehr. In der Schule fand eine Feueralarm-Übung statt, und nachdem sich alle Schüler im Hof versammelt hatten, bedrängten die fünf Mädchen Carmen und schubsten sie schließlich in einen offenen Kanalschacht - sie wollten sie vor der gesamten Schule demütigen. Als dem Lehrer auffiel, dass sie nicht da war, und die Mädchen verkündeten, sie sei in den Gully gefallen, fand man sie dort mit verdrehtem Hals und abgerissenem Gesicht - sie hatte sich bei dem Sturz das Genick gebrochen und war tot. Die Mädchen erzählten der Polizei, sie hätten gesehen, wie Carmen selbst in den Schacht gestürzt sei, und ihr Tod wurde als Unfall zu den Akten gelegt. Monate später hätten die fünf Mädchen E-Mails bekommen, in denen es hieß, Carmens Tod sei kein Unfall und sie sollten sich stellen. Als dies nicht geschah, wurden sie nacheinander tot in eben diesem Kanalschacht gefunden, mit abgerissenem Gesicht und verdrehtem Hals. Anschließend seien auch andere ihrer ehemaligen Mitschüler, die dieser Geschichte nicht glaubten, auf dieselbe Weise umgebracht worden. Die ganze Geschichte ist frei erfunden - nicht frei erfunden ist jedoch der Kettenbrief, der sie erzählt und dem Empfänger damit droht, ihn auf dieselbe Art und Weise umzubringen, sollte er diesen Brief nicht weiterleiten.

Kettenbriefe können schon ganz schön ärgerlich und manchmal auch recht lustig sein. Die Beispiele, die ich gebracht habe, sind alles andere als lustig. Die einzige Möglichkeit, solch verstörende Botschaften möglichst zu reduzieren, ist, diese Nachrichten nicht weiterzuleiten. Erwachsene wie ich - und wie meine geschätzten Leser - lassen sich durch solche Geschichten nicht mehr so leicht einschüchtern. Aber Jugendliche, die weitaus weniger gefestigt sind und auch noch keine Lebenserfahrung haben, können durch solche Geschichten ganz schön Angst bekommen. Es gab auch schon zu Zeiten, als Kettenbriefe hauptsächlich auf die Post angewiesen waren, ziemlich grenzwertige Inhalte, aber ich habe das Gefühl, dass sie seit der Verbreitung des Internets weitaus heftiger geworden sind. Ich jedenfalls erinnere mich nicht daran, dass früher behauptet wurde, sie wären von irgendwelchen Geistern geschickt worden, die mit Umbringen drohten. Und mir ist auch kein Beispiel bekannt, dass irgendwann einmal ein Kettenbrief in Umlauf war, der tatsächlich auf einer wahren Geschichte beruht.

Also merkt euch eins - passt auf, welche Nachrichten ihr verbreitet!

vousvoyez

Mittwoch, 25. Juli 2018

Mach das Fenster zu, es ist zu viel Luft hier drin!

(c) vousvoyez
Tja, zu viel Luft kann einem das Leben ganz schön versauen. Wobei es das erste Mal war, dass ich gehört habe, dass sich jemand über zu viel Luft beschwert. Fremdsprachen können schon ein ganz schöner Stolperstein sein - auch wenn man sie schon Jahre benutzt. Noch schlimmer - wenn man nach einer Information sucht, die fast nur in einer Sprache zur Verfügung steht, die man kaum beherrscht. So ging es mir beispielsweise letzten Samstag. Was mich zu meinem Thema bringt. Ein Thema, das aktuell viele Mitglieder unserer weitläufigen Internet-Familie zu beschäftigen scheint. Aber mal zum Anfang.

Wer mich kennt, weiß vielleicht, dass ich unter anderem auch ein Faible für gruselige Geschichten habe. Geschichten, die einem auch schon mal Angst machen können. Von der Persönlichkeit her bin ich allerdings eher rational und realistisch eingestellt. Ich habe in meinem Leben schon oft die Erfahrung gemacht, dass hinter vielen spektakulär mysteriösen Geschichten enttäuschend unmysteriöse Erklärungen stecken. Was wahrscheinlich daran liegt, dass die Phantasie oft weitaus aufregender ist als die Realität. Als ich ein Kind war, erzählte mir meine Mutter oft, dass sie sich, als sie mit meinem Bruder den Film "Halloween" angeschaut hat, so gefürchtet hat, dass sie sich nicht allein aufs Klo getraut hat. In ihrer Erzählung klang auch alles ganz spannend und unheimlich. Als ich dann älter war, war ich dann mal allein zu Hause und dieser Film lief im Fernsehen. Voller Vorfreude sah ich ihn mir an, war dann aber schrecklich enttäuscht - ich fand ihn nicht halb so gruselig, wie die Erzählung meiner Mutter vermutet hätte.

So, jetzt zu der Geschichte: Manche von euch werden möglicherweise schon davon gehört haben. Ich muss ehrlich sagen, dass ich bis letzten Samstag so gut wie nichts davon wusste - und dem auch keine Beachtung geschenkt habe. Nachdem ich davon erfuhr, habe ich versucht, mich umfassend zu informieren, musste aber feststellen, dass außer ein paar YouTube-Videos kaum Google-Treffer außerhalb des spanischen Sprachraums existierten. Mittlerweile ist das aber anders geworden. Der Trend verbreitet sich rasend schnell. Da inzwischen genügend Quellen existieren, wo man sich informieren kann, will ich jetzt nicht so detailliert darauf eingehen wie ursprünglich geplant - ich versuche nur, einen Überblick zu verschaffen.

Im Großen und Ganzen geht es um eine Handynummer aus Japan mit einem unheimlichen Whatsapp-Account. Das Profilbild dieses Accounts ist tatsächlich gruselig - ein Gesicht mit riesigen, hervortretenden, lidlosen Augen, einer Nase, die aussieht, als wäre ein Auto drübergefahren, und einem diabolisch grinsenden Mund, der von einer Seite des Gesichts zur anderen zu reichen scheint. Der Name dieser Figur soll Momo sein.

Anfangs wurde berichtet, dass Momos Profil plötzlich in den Kontakten anderer Leute auftauchte und kryptische Botschaften verschickt haben soll. Andere haben diese Nummer offenbar in ihr Handy gespeichert und diese Person angeschrieben, woraufhin sie Beleidigungen, Drohungen sowie Bilder erhalten haben sollen, die zerstückelte Leichen zeigten. Außerdem soll diese Person private Details über ihren Chat-Partner gewusst haben, von denen niemand weiß, wie sie diese in Erfahrung gebracht haben soll.

So weit, so gut. Wie in vielen Artikeln und Videos bereits erklärt, handelt es sich bei diesem unheimlichen Profilbild um das Foto einer Skulptur aus einer Ausstellung in Tokio über alternative Kunst - eine gruselige Gestalt, die aus diesem Kopf mit Vogelfüßen besteht. Es gibt zwar inzwischen auch Videos auf Instagram mit diesem Gesicht - aber wir wissen ja, wie einfach es mittlerweile ist, Videos zu bearbeiten. Im Großen und Ganzen kann man davon ausgehen, dass das Ganze ein schlechter Scherz war von einer oder mehreren Personen, die andere einfach nur zur Gaudi in Angst und Schrecken versetzen wollten. Das Problem ist nur, dass dieser Scherz zu einem Selbstläufer geworden ist.

Denn die drei Nummern, bei denen es sich um die Originale handeln soll - die schon erwähnte aus Japan, eine weitere aus Kolumbien und eine aus Mexiko - sind nicht mehr aktiv. Dennoch gibt es immer noch zahlreiche YouTuber, die sich dabei filmen, wie sie angeblich die japanische Originalnummer kontaktieren und tatsächlich Antwort bekommen. Eine Person geht sogar so weit, zu behaupten, Momo habe sie bis vor ihre Haustür verfolgt. Dies ist jedoch nur eine denkbar billige Methode, um möglichst oft angeklickt zu werden. Und meiner Meinung nach auch unverantwortlich - viele dieser Personen, die diese Videos machen, sind erwachsen und versetzen Jugendliche unnötig in Angst und Schrecken, denn es gibt ganz offensichtlich immer noch sehr viele, die sie trotz gegenteiliger Belege weiterhin für echt halten.

Das wirklich Gefährliche an der Sache ist jedoch, dass es mittlerweile wohl zahlreiche Nachahmer gibt. Sie verschicken Kettenbriefe, deren Inhalt auffällig an die Teresa-Fidalgo-Geschichte erinnert ( eine Horrorgestalt trägt meinen Vornamen, warum haben die mich nicht gefragt???) und die teilweise sogar Todesdrohungen erhalten, sollte der Empfänger diesen Kettenbrief nicht weiterschicken (wobei der Inhalt sowohl stilistisch als auch inhaltlich sehr kindlich ist), sie fordern Whatsapp-User auf, persönliche Daten von sich preiszugeben (Name, Adresse usw.), sie versetzen Menschen in einem sensiblen Alter - also Jugendliche - unnötig in Angst und Schrecken. Und ab da hört es auf, lustig zu sein.

Wobei ich mich frage, warum es immer noch Menschen gibt - nicht nur Jugendliche, sondern auch meines Alters! -, die aus lauter Neugierde und Sensationslust unbedingt nach diesen Profilen suchen müssen? Ich denke in letzter Zeit oft daran, dass George Orwell mit seinem Roman 1984 schon recht hatte, aber es sich wohl nie träumen hätte lassen, dass man die Menschen gar nicht dazu zwingen muss, privateste Dinge von sich preiszugeben - sie tun es freiwillig! Und manchmal denke ich auch an diesen Jugendtrend, den es vor kurzem gab, als es plötzlich cool war, diese Waschmitteltabs in den Mund zu nehmen und darauf herumzukauen - mit einem Wort, dümmer zu sein als jedes Kindergartenkind, denn die wissen, dass man so etwas nicht tut. Obwohl man weiß, dass es gefährlich sein kann, diese Nummer zu suchen - nicht, weil es dieses Momo wirklich gibt, sondern weil man sich ungeheuer angreifbar macht, indem man seine eigene Nummer einer wildfremden Person preisgibt - und ihr somit die Möglichkeit gibt, an den privaten Inhalt des eigenen Handys zu kommen.

Ich schreibe über dieses Thema, weil ich echt erstaunt bin, wie schnell sich so ein Trend durch unsere vernetzte Welt mittlerweile verbreitet - und dies auch zum Ausdruck bringen will. Und weil ganz offensichtlich nicht nur Jugendliche, sondern mittlerweile auch Erwachsene auf diesen Zug aufspringen. Und weil ich hoffe, dem einen oder anderen vielleicht deutlich machen zu können, dass man nicht jede Modeerscheinung einfach mitmachen soll. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, braucht ihr nur zu googeln - es ist alles da, und es gibt zum Glück inzwischen auch seriöse Aufklärungs-Videos auf YouTube.

In diesem Sinne, haltet die Augen offen!

vousvoyez

P. S.: Falls irgendjemand nach wie vor nicht davon überzeugt ist, dass diese YouTube-Videos gefaket sind, oder jemanden aufklären will, gibt es dazu ein aufschlussreiches Video - einfach den Link anklicken. Im übrigen sind die User MythenAkte und CreepyPastaPunch ein heißer Tipp für all jene, die nach seriösen Videos zu dem Thema suchen.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Man soll seine Arbeit nicht mit nach Hause nehmen, außer man arbeitet in einer Brauerei

(c) vousvoyez
Trotzdem lässt es sich nicht vermeiden, dass man etwas vom Arbeitsalltag mit nach Hause nimmt. Und neben der Arbeit auch noch zu bloggen, ist nicht immer einfach. Obwohl der eine oder andere Arbeitskollege auch hin und wieder für eine "Weisheit der Woche" gut ist. Besonders derjenige, der mir diese geliefert hat - und auch schon für zwei weitere, von mir schon besprochene Weisheiten Pate stand.

Also, was sind die Weisheiten der Woche? Ganz einfach - das sind aufgeschnappte, manchmal auch von mir selbst entwickelte Sätze, die einen Anstoß zu meinen jeweiligen Gedanken geben sollen. Manche haben auch nicht unmittelbar etwas mit der Aussage dieser Sätze zu tun - und trotzdem ist es immer wieder interessant, wohin sie mich manchmal tragen. Ab und zu will ich auch über etwas anderes schreiben - und muss dann die Kurve kriegen von dem Titel eines Artikels bis zu dem, worüber ich eigentlich erzählen will.

Ich habe lange gebraucht, ehe ich überhaupt mal anfangen konnte, einen Blog zu publizieren, weil es so viel Zeit in Anspruch genommen hat, bevor ich mir klar war, was ich eigentlich schreiben will. Und vor allem, wie dieser Blog eigentlich aussehen soll. Die besten Ideen kommen immer unmittelbar. Mein Bruder hat einmal erzählt, die besten Einfälle hat er immer an einem stillen Örtchen. Was ich von mir nicht unbedingt behaupten kann - ich kann eigentlich gar nicht sagen, wann und wo ich die besten Ideen habe. Die Idee der "Weisheiten der Woche" kam mir zum Beispiel, als ich mich nach einem anstrengenden Arbeitstag durch diverse Youtube-Videos geklickt habe. Da bin ich auf den Satz gestoßen "Wie kann man berühmt werden, wenn man nur heimlich spioniert?" Es tut mir wirklich leid, ich weiß echt nicht mehr, wo ich den gehört habe. Aber da habe ich mir gedacht, eigentlich könnte ich doch solch kuriose Sätze zum Programm machen. Dann habe ich mich hingesetzt und ein paar andere Sätze aufgeschrieben, die ich lustig fand und von denen ich mir vorstellen konnte, dass sie auch andere lustig finden. Bewusst ohne den Urheber zu nennen und ohne auf berühmte Zitate zurückzugreifen - weil diese für sich selbst stehen sollten. Dann habe ich sie wöchentlich auf Facebook gestellt, um zu sehen, wie andere darauf reagieren. Die Antworten waren durchaus positiv - viele meiner FB-Freunde haben mir rückgemeldet, dass sie immer schon auf die nächste Weisheit warten. Leider bin ich nicht mehr so konsequent wie früher - weil es nicht leicht ist, jede Woche einen guten Satz zu finden. Aber da meine Reihe schon über ein Jahr läuft, habe ich einen ordentlichen Fundus gewonnen, also wird dieser Blog weiterhin gute Wachstumschancen haben.

Es dauerte noch einige Zeit, bis ich aus meinen Weisheiten auf Facebook einen Blog machen konnte - was vor allem daran lag, dass ich erst checken musste, wo ich ihn am besten erstellen kann. Und ich habe mich durch verschiedene Blogs gelesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie so etwas aussehen sollte. Natürlich ist das, was ich schreibe, nicht so spezifisch wie in den meisten anderen Blogs - die meisten haben ein Thema. Ich stieß auf einen Blogger, der Artikel aus der Vergangenheit zu einer amüsanten Internetseite verwoben hat, die besonders die Herzen von Nostalgie-Fans höher schlagen lässt. Eine junge Frau schrieb auf ironische Weise über ihre Magersucht, eine andere versuchte, durch Bloggen ihr Übergewicht zu akzeptieren. Ein paar Damen versuchten, einen offiziellen Gedenktag für die "Opfer" der Trennung von Take That durchzuboxen - darüber möchte ich übrigens auch noch was schreiben - und eine Person schrieb Filmkritiken. Zu praktisch jedem Thema gibt es einen Blog - und ich habe einen, in dem fast jedes Thema vorkommt.

Liebe Leser, ich danke euch allen, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, diese Seite anzuklicken und zu lesen. Ich hoffe, es werden noch viel mehr - denn der Inspiration schlägt keine Stunde.

vousvoyez

Freitag, 27. April 2018

Ganz dumme Vögel seilen sich ab, wenn das Nest brennt

(c) vousvoyez
Dumme Vögel gibt es überall. Und dumme Leute auch. Genauso wie es überall intelligente Vögel und intelligente Leute gibt. Ich bin über die Intelligenz mancher Vögel immer wieder erstaunt. Mein Freund hat erzählt, dass sein Arbeitskollege einmal Steine nach ein paar Krähen geworfen hat. Daraufhin hat ihm eine der Krähen in der Mittagspause die brennende Zigarette direkt aus der Hand geklaut - und das war auch noch seine letzte. Erstaunlich daran ist schon mal - wie kann ein Vogel wissen, dass es einem Menschen so wichtig ist, so ein Kraut anzuzünden und in die Lunge zu ziehen? Anderes Beispiel - vor vielen Jahren wohnte ich einmal unter dem Dach. Den ganzen Tag hörte ich das nervtötende Gurren der Tauben - einmal flog eine sogar ins Klo, und ich hab sie mit dem Besen rausgejagt. Meine Mitbewohnerin, die das Balkonzimmer hatte, hat sich dann so einen Plastik-Raben angeschafft - der war nur nach wenigen Tagen voller Taubenscheiße. So dumm sind die also doch nicht.

Manche Menschen kommen mir im Vergleich zu Tieren sogar noch doofer vor. Ach ja, übrigens soll im August wieder mal die Welt untergehen. Wer sich darauf vorbereiten will, sollte meinen Artikel Ein Steinbock fliegt nicht herum lesen. Man sollte doch für alle Eventualitäten gewappnet sein, oder etwa nicht? Immerhin bereiten wir uns schon seit dem Mittelalter auf die Apokalypse vor. Mir fällt da eine Panorama-Doku aus den Siebzigern ein, die ich mal gesehen habe - da bereitet sich ein Familienvater auf den bevorstehenden Atomkrieg vor. Mit der damals gängigen Methode, sich erst mal mit Wasser abzuspritzen, ehe man in den Atombunker darf - damit der Atom ja nicht mitgeschleppt wird. Clever, gell? Übrigens wurde der Atom in dem James-Bond-Film Die Welt ist nie genug leuchtend blau dargestellt. Wenn alles nur so einfach wäre!

Und wenn man sich dagegen die Tiere ansieht: Junge Schimpansen trösten einen von ihnen, der von einer erwachsenen Schimpansin am Finger verletzt wurde. Eine Krähe organisiert sich ihr Futter mittels eines abgebrochenen Astes. Als ich einmal weinend im Park saß, setzte sich ein Hund neben mich und ließ mich nicht allein, bis ich mich beruhigt hatte. Als ich zum ersten Mal ritt und Angst hatte, blieb das Pferd immer wieder stehen, sobald die Angst zu groß wurde. Elefanten gehen noch nach Jahren zu dem Ort, wo einer der Ihren gestorben ist, und trauern um ihn. Ich wette, René Descartes hat das alles nie gesehen, als er die Behauptung aufstellte, dass Tiere Maschinen seien.

Ich weiß, man soll Tiere nicht vermenschlichen - und was bedeutet das? Der Mensch ist sicher nicht die Krone der Schöpfung. Das zeigt sich schon bei der Geburt - die Schmerzen sind keine Strafe Gottes, weil vor Jahrtausenden eine Nackerte einen Apfel gegessen hat, sie sind einfach die logische Konsequenz dessen, dass wir angefangen haben, aufrecht zu gehen. Und dann haben wir uns über den Rest der Welt erhoben und behauptet, wir allein hätten das Recht, über alles zu bestimmen. Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt - das weiß niemand. Ich weiß nur eines: Nämlich dass wir uns wichtiger nehmen, als wir eigentlich sind. Und dass wir durch unseren Hochmut verlernt haben, demütig zu sein gegenüber dem, was uns umgibt - nämlich gegenüber der Natur und unseren Mitgeschöpfen. Denn wenn es einen Gott gibt, sind wir alle seine Geschöpfe - egal ob Tier oder Mensch, egal aus welchem Teil der Welt und egal wie wir aussehen.

vousvoyez

Donnerstag, 12. April 2018

Jeder braucht im Leben seinen Monk-Moment

(c) vousvoyez
Ich gebe zu, originell zu sein ist nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn man jede Woche geistreich sein sollte. Dieser Satz kam aus einer Zeit, als ich im Verkauf arbeitete und die langen Stunden, in denen nichts los war, damit verbrachte, Taschen nach dem Prinzip des Farbsprektrums zu ordnen. Dabei dachte ich daran, wie sehr eine populäre Fernsehserie in unseren Sprachschatz eingegangen ist. Und ich machte mir Gedanken darüber, wie sehr das Fernsehen mehrere Generationen geprägt hat.

Ich weiß von den Leuten, die diese Zeit erlebt haben, und auch aus Büchern, Kabarett und dem Fernsehen selbst, was für eine Sensation das Fernsehen in den fünfziger Jahren (des letzten Jahrhunderts, wenn es unbedingt sein muss) gewesen ist. Wer einen Fernseher besaß, musste alle Nachbarn zu bestimmten Sendungen einladen. Fernsehen war früher eine kollektive Angelegenheit, und in mancher Hinsicht ist es das noch heute. Aber vieles ist verschwunden. Als ich ein Teenager war, sprach man in meiner Schule über die letzte Wetten, dass...?-Sendung, und ich hatte die auch gesehen. Als ich ein Kind war, hatten fast alle in Österreich nur zwei Programme. Die ersten Kabelanschlüsse und Satellitenschüsseln spalteten die Kindergesellschaft; die einen konnten mitreden, weil sie auch deutsche Programme empfingen, die anderen konnten nicht mitreden, weil sie nur den ORF kannten. Für mich war es ein Segen, wenn ich bei Freunden auch ein paar der anderen Sender sehen konnte. Dann konnte ich auch in der Schule ein bisschen mitreden.

Aber einige Erinnerungen teilen alle aus meiner Generation. Wir kannten alle (Kinder)Serien wie Biene Maja oder Wickie und die starken Männer, wir kannten auch Asterix und Lucky Luke, wir kannten die Schlümpfe, Pumuckl und die Simpsons, Alfred J. Kwak, die Peanuts und Pinky & The Brain. Manche Sendungen vermisse ich bis heute. Zum Glück kann man viele im Internet sehen, und manche werden ab und zu auch im Fernsehen gezeigt.

Vieles, was passiert ist, erfuhr man übers Fernsehen. Den Mord an John F. Kennedy habe ich nicht erlebt, ebenso wenig wie die erste Mondlandung oder die Attentate der RAF. Für den Fall der Berliner Mauer war ich zu jung - mit fünf Jahren bekommt man so etwas wohl nur mit, wenn man unmittelbar vor Ort ist. Aber ich erinnere mich, wie ein Freund aus dem Kindergarten mir zuvor gesagt hatte, in Deutschland seien die Russen. Ich verstand nicht was er meinte und nannte sie "Rüsseln". Und ich weiß auch, dass mein Vater immer sauer war, wenn wir spielten, dass wir gegen die Russen kämpften. Er wollte nicht, dass ich im Hass gegen andere Völker aufwuchs. Bin ich eigentlich auch gar nicht. Für mich war es ein Spiel - mehr nicht.

Das erste Ereignis, an das ich mich erinnere, wo auch jeder sagen kann, was er damals gemacht hat, war der 11. September 2001. Ich war 17 Jahre alt, und es war der letzte Tag der Sommerferien - danach fing mein letztes Schuljahr an. Meine Eltern kamen vom Einkaufen nach Hause, und während ich ihnen half, die Sachen einzuräumen, erzählte mein Vater, dass ein Flugzeug in das World Trade Center geflogen war. Ich verstand erst nicht, was er meinte - hatte Roland Emmerich sich einen Scherz erlaubt, um einen neuen Film anzupreisen? Die nachfolgenden Stunden sind für mich bis heute unbegreiflich - nichts war mehr so, wie es zuvor gewesen war. Ich verstand auf einmal, dass wir angreifbar waren - auch wenn wir bisher geglaubt hatten, Krieg und Terror seien ganz weit weg. Am nächsten Tag sah ich die Schlagzeile groß in der Zeitung: "Die Welt in Angst". In der Schule sprachen wir kaum über etwas anderes.

Heute werden Nachrichten neben dem Fernsehen auch über das Internet verbreitet. Wir fühlen uns nicht mehr sicher, weil wir glauben, dass wir angreifbarer sind als früher. Die Wahrheit ist - wir waren immer angreifbar. Unser Friede ist kostbar, und er ist ins Strudeln geraten. Die Generation nach uns hat keinen Begriff mehr davon, was einst in Europa passiert ist - hoffen wir, dass sie es nie erfahren werden.

Let's hope for peace!

vousvoyez

Samstag, 31. März 2018

Wer andern eine Grube gräbt, ist selbst ein Schwein

(c) vousvoyez
Und wer anderen nichts gönnt, sollte sich nicht wundern, wenn das irgendwann einmal auf ihn selbst zurückfällt. Braunes Gewäsch war in seligen Zeiten einmal ein Skandal. Heute ist das normal, und wir merken es nicht einmal. Wir finden es sogar richtig. Entweder man brüllt "Ausländer raus" oder man akzeptiert die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen, nur weil sie ihren Ursprung in einer anderen Kultur haben. Wer dazwischen steht, hat es heutzutage schwer. Und eigentlich ist der Titel dieses Artikels eine Beleidigung - für alle Schweine dieser Welt, die nichts dafür können, dass sie mit Menschen in Verbindung gebracht werden, die als solche bezeichnet werden. Wenn ich es mir recht überlege - kein Schwein hat mir jemals etwas getan. Aber ich habe schon vielen Schweinen was getan - ich habe sie verspeist und mich in ihre Haut gekleidet. Also ist wohl jedes Schwein besser als ich.

Übrigens, interessant ist: Laut Statistik hat dieser Blog mehr Leser aus den USA und Peru als aus Deutschland. Woher das wohl kommt? Gibt es in den USA eine Underground-Community, die mich als neue Göttin ansieht, die dabei helfen soll, das Trump-Regime zu stürzen? Da gibt es ja viel, worüber man diskutieren kann. Was mich in letzter Zeit wieder erschüttert hat, ist dieses legere Waffengesetz. Der Anschlag auf die Columbine High School passierte in meiner Jugend - aber bis heute hat sich an diesem Gesetz nichts geändert. Warum nur? Ganz einfach - weil vielen das Geld offenbar wichtiger ist als das Leben der eigenen Kinder. Und anstatt nicht jedem psychisch labilen Kind ein Maschinengewehr in die Hand zu drücken, denkt man darüber nach, die Lehrer zu bewaffnen. Mhm, sehr effektiv - mit noch mehr Waffen kann man auch bestimmt ruhiger schlafen. Sicher, in anderen Ländern sind die Waffengesetze ähnlich leger, und trotzdem passiert weit weniger - Tatsache ist aber, in den USA ist das nicht so! Und wenn ein Gesetz in der Form nicht funktioniert, gehört es eben verschärft, punktum. Warum muss man darüber diskutieren?

Warum mich das so aufregt, obwohl ich keine Amerikanerin bin oder wohl sein werde? Ganz einfach - weil mir Schusswaffen schon lange suspekt sind. Weil es nicht leicht ist, so viel Leid zu ertragen, das durch so unnötige Gesetze geschaffen wird. Und weil viele die USA als Vorbild sehen - was dort in ist, kommt in Europa über kurz oder lang auch irgendwann in Mode.
Was mich betrifft, ich war nie wirklich Amerika-Fan. Obwohl ich einen Besuch von Städten wie New York, New Orleans oder San Francisco nicht abgeneigt wäre. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und eines ist sicher - ich werde dort ohnehin keine Kinder großziehen.

Ich hoffe, liebe Amerikaner, ihr fühlt euch jetzt nicht angegriffen. Ich habe es in einem anderen Artikel schon einmal geschrieben - Idioten gibt es überall, und nette Leute ebenso. Wie unsere aktuelle Regierung zeigt, wimmelt es auch in meinem eigenen Land von Idioten. Aber ich versuche, es nach denen zu bewerten, die nicht dazu zählen, und so halte ich es auch mit den anderen Ländern, einschließlich USA.

vousvoyez

Dienstag, 13. März 2018

Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht: Die gute, ich hab den Tennisball wieder gefunden; die schlechte, ich blutte!

(c) vousvoyez
Nein, das ist kein Schreibfehler, dieser Satz lautet genau so. Er stammt von einem Jungen, der fünf Jahre jünger ist als ich. Als ich ihn kennen lernte, waren wir noch Kinder. Mittlerweile ist er mir über den Kopf gewachsen. So wie die meisten Jungs, die ich schon von Kindesbeinen an kannte. Man spielt miteinander in der Sandkiste, man schaukelt bis zur völligen Erschöpfung, man pubertiert und hat sich nichts mehr zu sagen, man verliebt sich mehrere Male und immer ist es die große Liebe, und irgendwann ist man dann erwachsen und fragt sich, wo die Zeit hin ist. Das glatzköpfige Baby, das mich das erste Mal zur Tante machte, ist mittlerweile bald siebzehn. Viele aus meiner alten Klasse haben schon selbst Kinder. Und der Sohn meines Partners ist gerade volljährig geworden.

Ich erinnere mich gern an meine Kindheit. Auch wenn ich nicht finde, dass früher alles besser war. Die heutige Nostalgiewelle vergleiche ich gern mit der des frühen 20. Jahrhunderts, als man sich die Monarchie zurückwünschte. Verständlich, dass die Jugend in den fünfziger und sechziger Jahren nach neuen Wegen suchte - sie hatte ja nichts, woran sie sich orientieren konnte, außer der Heimatfilm-Nostalgie der Erwachsenen. Das wird irgendwann auch fad. Heute hingegen ist das Leben viel unsicherer, wir haben den Optimismus der damaligen Zeit nicht mehr. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum sich viele dorthin zurückwünschen. Aus der Ferne gesehen ist alles schön. Vieles vergisst man wohl auch mit der Zeit.

Auch ich erwische mich beizeiten dabei, wie ich einer Zeit nachtrauere, die inzwischen vorbei ist. Und dabei vieles außer Acht lasse, was damals nicht so schön war. Wenn ich darüber nachdenke, war meine beste Zeit wohl die zwischen 17 und 21. Und selbst damals war nicht alles eitel Wonne.
Aber ich bin froh, dass ich eine schöne Kindheit hatte, und dass ich so viele alte Lieder kennen gelernt habe, die sich alle großartig umtexten lassen. Hier eine Auswahl (mit Variationen):

Schlaf, Kindlein, schlaf,
dein Vater ist ein Schaf,
die Mutter ist ein Trampeltier,
was kannst du armes Kind dafür?
Schlaf, Kindlein, schlaf.

Alle meine Entchen
schwimmen im Klosett,
wenn man dann die Spülung drückt,
sind sie alle weg.

Alle meine Entchen
schwimmen im Spinat,
rutschen übers Spiegelei,
landen im Salat.

Leise rieselt die Vier
auf das Zeugnispapier,
hört nur wie lieblich es schallt
wenn Vaters Ohrfeige knallt.

Leise rieselt der Schnee,
Albert sitzt am WC,
hört nur wie lieblich er flucht
weil er das Klopapier sucht.

O Gaslatern, o Gaslatern,
wie haben dich die Hunde gern.
Sie heben hoch das rechte Bein
und flößen dir Petrolum ein.
O Gaslatern, o Gaslatern,
wie haben dich die Hunde gern.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
mir geht beim Oasch die Haut net zamm.
Ich schieb sie hin, ich schieb sie her,
die Haut beim Oasch, sie wird nicht mehr.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
mir geht beim Oasch die Haut net zamm.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
der Opa sitzt im Kofferraum.
Die Oma klescht den Deckel zu,
der Opa schreit: "Du blöde Kuh!"
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
der Opa sitzt im Kofferraum.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
die Oma hängt am Gartenzaun.
Der Opa ruft die Feuerwehr,
die Oma schreit: "Ich kann nicht mehr!"
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
die Oma hängt am Gartenzaun.

Happy Birthday to you,
Marmelade im Schuh,
Coca-Cola im Pullover,
Zucchini im Bikini.

Happy Birthday to you,
Marmelade im Schuh,
Aprikosen in der Hosen
und ein Arschtritt dazu.

Hoch soll er leben,
an der Decke kleben,
runterfallen, Popschi knallen,
ja, so ist das Leben!

Frère Jacques, halt die Klappe,
dormez-vous, blöde Kuh,
sonnez les matines, alte Waschmaschine,
ding dang dong, Luftballon.

Hänschen klein ging allein
in den Wiener Sportverein,
schießt ein Tor übers Ohr
bis der Tormann nackert war.

Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling.
Macht mir auf das Fenster, draußen sind Gespenster,
drinnen sind Soldaten, schießen mit Tomaten!
Kling, Glöckchen, klingelingeling,
kling, Glöckchen, kling.

Von den blauen Bergen kommen wir,
und der Lehrer ist genauso blöd wie wir!
Mit der Brille auf der Nase sieht er aus wie ein Osterhase,
von den blauen Bergen kommen wir!

Und falls mich jetzt jemand für kindisch hält: Nur zu! Auch unser inneres Kind braucht ab und zu mal Zeit. Also verliert bloß euren Humor nicht!

vousvoyez

Sonntag, 21. Januar 2018

Du bist heißer als jedes Bügeleisen

Der Kollege, der diesen Spruch geprägt hat, ist Experte für dubiose Komplimente. Jenes Kompliment galt allerdings nicht mir, sondern einer Kollegin, die alt genug war, seine Mutter zu sein.

Kreative Komplimente können manchmal schon ganz schön nach hinten losgehen. Werden oftmals aber auch honoriert. Als ich vor über zehn Jahren mal Urlaub in Gambia machte, sagte mir einer: "When I saw you I was thinking an angel was passing by." Ich hätte mich gefreut, hätte ich nicht gewusst, dass die meisten dieser jungen Männer bestrebt sind, ihre Heimat zu verlassen, um in Europa ihr Glück zu versuchen.

Was mich zu einem Thema bringt, das mir schon seit geraumer Zeit auf der Seele liegt, nämlich den positiven Rassismus. Das begann damit, dass ich die Autobiographie des bayerisch-nigerianischen Kabarettisten Simon Pearce gelesen habe. Eine erfrischende Alternative zu all den ernsthaften Intellektuellen, die sich schon auf den Schlips getreten fühlen, wenn man "negativ" sagt. Die waren nämlich schuld daran, dass mich der Begriff "positiver Rassismus" früher so auf die Palme gebracht hat. Man darf nichts Negatives über Schwarze sagen, aber auch nichts Positives, so nach dem Motto: "Die haben den Rhythmus im Blut." Doch nach jahrelanger Erfahrung, zehn Jahren an der Seite eines Steirers aus dem Kongo und der Lektüre von Pearce und Ayaan Hirsi Ali denke ich über die Sache doch ein wenig anders.

Als Nachfahrin der Hippie-Generation bin ich ja quasi mit positivem Rassismus aufgewachsen. Schwarze können besser singen, besser tanzen und besser Basketball spielen. Und wenn mal ein Schwarzer auf einem anderen Gebiet glänzt, als Arzt oder Schriftsteller oder von mir aus bildender Künstler, sind wir gleich ganz begeistert, weil wir das nicht so kennen. Und wenn wir mal einem begegnet sind, wird sofort die Klischeekiste ausgepackt. Und die hat es in sich. Ich möchte anmerken: Mein Partner ist in der Tat ein außergewöhnlicher Sportler, hat aber kein überragendes musikalisches Talent und tanzt wie ein betrunkener Clown. Wagt es aber dennoch, mein gewiss nicht sehr ausgeprägtes tänzerisches Talent zu kritisieren. Das aber nur nebenbei.

In meinen späten Jugendjahren kam ich dann mit weißen Dreadlock-Trägern in Berührung, die kifften und ihre Wochenenden auf Reggae-Ragga-Partys verbrachten. Ich war jahrelang auf diesen Partys, auf denen sich weiße Mädels mit grün-gelb-roten Strickpullovern afrikanischen Männern an den Hals warfen. Der Grund, warum ich irgendwann aufhörte, diese Clubbings zu besuchen, war, dass einer der DJs die Missionierung zum Rastafarismus wohl etwas zu ernst zu nehmen schien; da kamen beispielsweise ein paar Takte eines voll guten Songs von Bob Marley oder Lucky Dube, dann drückte er auf Stop und röhrte ins Mikrofon so Sachen wie "Yeah, Jah Rastafari, burn Babylon, one love, one heart, Haile Selassie I", um dann wieder das Lied von vorn abzuspielen, an der gleichen Stelle zu stoppen und wieder ins Mikrofon zu rülpsen: "Yeah, bumbo claad, blood a gonna run, one love, one heart, one destiny, one unity...", um dann mit einem weiteren Lied denselben Käse abzuspulen. Das war mir dann doch irgendwann zu viel.

Mittlerweile rollen sich mir die Zehennägel schon auf, wenn ich so Sachen höre wie: "Ach, bist du schon so lange mit deinem Freund zusammen? Das ist ja super, solche Beziehungen halten ja normalerweise nicht so lange." Was sind "solche Beziehungen"? Abgesehen von den unterschiedlichen Hautfarben ist unsere Beziehung, wie ich denke, nicht so viel anders als die anderer Menschen. Wir streiten, wir versöhnen uns, wir teilen Interessen, und ab und zu sind wir uns auch uneinig. Ich teile zum Beispiel seine Fußball-Leidenschaft nicht. Aber ich glaube, in jeder Partnerschaft braucht man etwas Eigenes. Die zweite Bemerkung, die mich auf die Palme bringt: "Mei, warum habt's ihr denn kein Kind, das wäre sicher voll süß!" Fazit: Ein weißes Baby wäre voll 08/15, ein schwarzes Baby (um das N-Wort auszusparen) "voll süß". Im Grunde genommen denken wir es ja immer noch, auch wenn wir schamhaft vermeiden, es auszusprechen. Und das dritte: "Wow, der spricht ja sogar unseren Dialekt, voll witzig!" Hier wächst inzwischen eine Generation heran, die in ihrer Abstammung weitaus heterogener ist als wir. Sollten wir nicht langsam damit aufhören, erstaunt zu sein, wenn sie auch unsere Sprache, mit der sie immerhin aufgewachsen sind, perfekt beherrschen?

Mein Wunsch: Wir sollten uns vermischen, und zwar vollständig. Jede Hautfarbe soll an jeder Uni, in jeder Toilette, auf jeder Ausstellung, in jeder Arztpraxis, in jedem Kindergarten und in jeder Schule vertreten sein. Weil dann stellen sich gewisse Fragen nicht mehr. Niemand würde mehr auf Grund von Äußerlichkeiten bevorzugt oder benachteiligt werden. Man würde lernen, normal miteinander umzugehen. Ohne einen Österreicher mit exotischerem Aussehen fragen zu müssen: "Wo kommst du denn her, sprichst du deutsch?" oder ihn prinzipiell auf Englisch anzusprechen oder so Sachen zu sagen wie: "Woher du kommen? Du Afrika?" Das würde bedeuten, dass wir unsere Vorurteile tatsächlich überwunden haben.

One love, one heart, one destiny, one unity!

vousvoyez